Russland: Russland zieht die BRIC-Staaten nach unten

Die Ratingagentur Standard & Poor's rät Russland dringend zur Diversifizierung seiner öllastigen Wirtschaft.

Moskau.Russlands Wirtschaftsentwicklung hat die Hoffnungen zerschlagen, dass die BRIC-Staaten ihr schnelles Wirtschaftswachstum unter den Bedingungen der globalen Wirtschaftskrise aufrechterhalten würden, ergibt ein neuer Bericht der Ratingagentur Standard & Poor's.

Wie die Analysten der Agentur darlegen, habe bis Mitte 2008 der Eindruck geherrscht, dass die BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) dem globalen Abwärtstrend trotzen könnten: „Danach ist die russische Wirtschaft aufgrund des schnellen Ölpreisverfalls stark eingebrochen.“

War Russlands Wirtschaft jahrelang mit über sieben Prozent gewachsen, so ging das BIP im ersten Halbjahr 2009 um über zehn Prozent zurück. Für die beiden vergangenen Monate wurde allerdings ein leichtes Wachstum gegenüber den Vormonaten verzeichnet, sodass nun vorsichtiger Optimismus ausbricht. S&P erwartet für 2010 plus zwei Prozent. Zuvor aber gehe es 2009 um acht Prozent bergab.

Abhängigkeit vom Öl steigt

Die drei anderen BRIC-Staaten hingegen werden auch 2009 wachsen. Der IWF prophezeit China 7,5 Prozent, Indien sechs Prozent, Brasilien immerhin 1,3 Prozent. Die vier BRIC-Staaten sind von ihrer Wirtschaftsstruktur her sehr heterogen. In Brasilien brechen zwar wie in Russland die Investitionen weg, im Unterschied zu den Russen aber konnten die Südamerikaner den Export diversifizieren. Der russische Export wurde mit den Jahren hingegen immer mehr vom Rohstoffexport abhängig. Wie der russische Ökonom Lev Freinkman in einer Studie zeigt, machten die zehn wichtigsten Exportgüter vor zehn Jahren 62 Prozent des gesamten Exportwertes aus, im Jahr 2006 bereits 74 Prozent, und laut Zollamt im letzten Jahr 77 Prozent. In Brasilien waren es 2007 nur 36 Prozent.

S&P rät dringend zu einer Diversifizierung der öllastigen Ökonomie. Auf Sicht bleibt freilich der Ölpreis das bestimmende Element. Dass der Preis für die russische Marke Urals mittlerweile bei knapp 70 Dollar je Barrel und damit weit über den dem Budget zugrunde gelegten 41 Dollar liegt, wird mit Erleichterung aufgenommen. Die russische Zentralbank wird ihre Geldpolitik indes voraussichtlich lockern. Beobachter erwarten im September die sechste Leitzinssenkung in Folge auf 10,5 Prozent. In Westeuropa verdichten sich die ersten Anzeichen auf wieder steigende Leitzinsen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.09.2009)

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