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Vermarktungspraktiken: Pfizer zahlt 2,3 Mrd. Dollar Strafe

FILE - In this April 8, 2005 file photo, a bottle of Bextra is photographed at a drugstore in New Yor
(c) AP (Mary Altaffer)
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Pfizer hat ein Medikament, dass gegen Arthritis zugelassen ist, auch für andere Anwendungen vermarktet. Die Informationen über die Missstände kamen von Pfizer-Insidern.

Der amerikanische Pharmariese Pfizer hat sich im Streit mit dem US-Justizministerium um betrügerische Werbepraktiken auf die Rekordvergleichssumme von 2,3 Milliarden Dollar (1,62 Milliarden Euro) verständigt. Dies ist die bisher höchste Summe in einem Streit um Pharmawerbung bei verschreibungspflichtigen Medikamenten. Der Konzern habe mit illegalen Werbepraktiken für das Arthritismedikament Bextra eine Straftat begangen und sich dieser auch schuldig bekannt, teilte das US-Justizministerium mit. Der Konzern soll Bextra auch für Anwendungen vermarktet haben, für die das Mittel gar nicht zugelassen war. Pfizer hatte das Medikament 2005 wegen Sicherheitsbedenken vom Markt genommen. Allein für die Causa Bextra muss Pfizer 1,3 Milliarden Dollar zahlen.

An der US-Börse mussten die Aktien von Pfizer etwas Federn lassen: Sie gaben ein Prozent nach.

Zivilrechtliche Vorwürfe beigelegt

Mit dem Vergleich würden auch zivilrechtliche Vorwürfe rechtswidriger Werbepraktiken im Zusammenhang mit den Medikamenten Zyvox, Geodon, Lyrica und weiteren Präparaten beigelegt, erklärte das Justizministerium. Dabei sei es unter anderem um den Vorwurf von Zahlungen an Beschäftigte des Gesundheitssystems gegangen, um die Verschreibungspraxis bei bestimmten Medikamente zu fördern. Die Untersuchungen der Justiz fußten auf Informationen, die Pfizer-Insider den Behörden zukommen ließen.

Pfizer muss auch deshalb so tief in die Tasche greifen, weil das Unternehmen als Wiederholungstäter eingestuft wurde. Im Jahr 2004 musste Pfizer schon einmal illegale Vermarktungspraktiken einräumen. "Das Ausmaß und die Schärfe dieses Beschlusses, einschließlich der hohen Strafzahlung von 1,3 Milliarden Dollar, spiegeln die Schwere und den Umfang der Vergehen von Pfizer wider", sagte Mike Loucks von der Staatsanwaltschaft für den District of Massachusetts. Pfizer hatte im Jänner mitgeteilt, der Konzern habe Ende 2008 Rückstellungen von 2,3 Milliarden Dollar verbucht. Diese ständen im Zusammenhang mit Untersuchungen der Behörden zu Bextra und weiteren Medikamenten. Nähere Informationen hatte der Arzneimittelhersteller damals nicht gegeben.

"Bedauern"

"Wir bedauern bestimmte Handlungen in der Vergangenheit", sagte die für Pfizer tätige Anwältin Amy Schulman. Pfizer schloss nach eigenen Angaben zudem mit dem US-Gesundheitsministerium eine Vereinbarung für ein Programm, mit dem der Konzern seine Vermarktungspraktiken besonders überprüfen will.

Die Gesamtsumme von 2,3 Milliarden Dollar ist die bisher höchste Vergleichssumme in einem Streit um die Werbepraktiken von Pharmakonzernen bei verschreibungspflichtigen Medikamenten. In einer Auseinandersetzung um die Vermarktungspraxis bei seinem Schizophreniemittels Zyprexa hatte sich Eli Lilly vor wenigen Monaten bereiterklärt, 1,42 Milliarden Dollar zu zahlen.

(APA)