Schnellauswahl

Finanzplatz: Die Steueroasen trocknen aus

(c) AP (John Moore)

Reiche flüchten aus Liechtenstein, und die Cayman Islands stehen vor der Pleite. Findige Anleger ziehen ihr Geld in andere Steuerparadiese ab – wie Hongkong und Macao.

Vaduz/Wien. Den Banken in Liechtenstein laufen die Kunden davon, Im ersten Halbjahr zogen Anleger fast drei Mrd. Schweizer Franken (zwei Mrd. Euro) von den drei Großbanken des Fürstentums ab. Besonders stark traf es die LGT Group, die einen Abfluss von 1,6 Mrd. Franken verzeichnete. Die LGT ist das größte Finanzinstitut in Liechtenstein und gehört der Fürstenfamilie. Sie stand im Vorjahr im Zentrum des Steuerverfahrens gegen den früheren Deutsche-Post-Chef Klaus Zumwinkel. In Liechtenstein konnten ausländische Kunden jahrelang über Stiftungen ihr Geld vor den Steuerbehörden im eigenen Land verstecken. Ihr Treuhandgeschäft hat die LGT allerdings verkauft.

Nicht viel besser geht es der halbstaatlichen Liechtensteinischen Landesbank LLG, die Kundengelder von 304 Mio. Franken verlor. Die Bank war von drei Männern mit 2300 Kontobelegen mutmaßlicher Steuersünder erpresst worden. Die Nummer drei unter Liechtensteins Finanzhäusern, die VP Bank, hat sich jüngst von ihrem Chef Adolf Real getrennt. Der Manager verlor auch den Posten als Präsident des Bankenverbands in Liechtenstein.

 

Österreichs Banken ziehen ab

Auf internationalen Druck musste Liechtenstein – ähnlich wie Österreich und die Schweiz – das Bankgeheimnis für Ausländer lockern. Bis Ende 2009 will das Fürstentum genug Doppelbesteuerungsabkommen mit anderen Ländern abgeschlossen haben, um von der grauen Liste der Steueroasen zu verschwinden.

Für Aufregung sorgt eine Vereinbarung mit Großbritannien. In dieser hatte sich Vaduz verpflichtet, ab 2015 kein Geld mehr von britischen Kunden anzunehmen, das diese nicht nachweislich beim Fiskus ihres Heimatlandes offengelegt haben. Seitdem fürchten viele der 400 Treuhandunternehmen in Vaduz um ihre Existenz.

Die Liechtensteiner Banken stellen ihr Geschäft auf neue Beine. Sie zieht es verstärkt ins Ausland – mitsamt einiger Kunden. Die LGT ist bereits auf exotischen Finanzplätzen wie Bahrain, Hongkong oder Singapur vertreten.

Im Vorjahr hatten fünf der 15 in Liechtenstein ansässigen Institute einen österreichischen Eigentümer. Das hat sich mittlerweile geändert. Zuerst trennte sich die Hypo Group Alpe Adria von ihrer Tochter in Vaduz. Die Vorarlberger Hypo sucht seit Monaten einen Käufer für ihren Ableger im Fürstentum. Die „Hypo Liechtenstein“ hat im Vorjahr einen Gewinneinbruch von 40 Prozent auf acht Millionen Franken erlitten.

Die Wiener Städtische, die mit 25 Prozent an der Bank Frick beteiligt ist, wartet die weitere Entwicklung ab. „Wenn uns jemand einen guten Preis zahlt, werden wir nicht Nein sagen“, so Städtische-Chef Günter Geyer.

Schlimmer als Liechtenstein geht es den britischen Cayman Islands, die vor dem Staatsbankrott stehen. Ausländische Anleger ziehen Gelder in Milliardenhöhe ab – viele Investments gingen auch schief, wie das Beispiel der Österreichischen Bundesfinanzierungsagentur zeigt. Der Staatsagentur droht wegen der Karibikgeschäfte ein Verlust von 380 Mio. Euro. Die Cayman Islands stehen trotz weitgehender Autonomie unter der Kontrolle Großbritanniens. Das Außenministerium in London hat die Regierung der Karibikinsel indirekt zur Einhebung von Steuern aufgefordert.

 

Hurrikans belasten das Budget

Der kleine Staat ist hoch verschuldet. Nach Hurrikans wurde zu viel in die Infrastruktur investiert. Die jetzigen Geldabflüsse könnten für das endgültige Aus der Steueroase sorgen. Bislang wurde auf der Inselgruppe weder Einkommens- noch Unternehmenssteuer eingehoben. Ein internationales Bankenkonsortium wollte der Regierung auf den Cayman Islands zwar einen Notkredit zur Verfügung stellen. Doch das britische Außenministerium war dagegen.

Findige Anleger ziehen ihr Geld in andere Steuerparadiese ab – wie Hongkong und Macao. Über beide Finanzplätze hält China die schützende Hand. Und der US-Bundesstaat Delaware wird auf Druck der US-Regierung international nicht an den Pranger gestellt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.09.2009)