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Iran: Parlament beruft erste Frau in die Regierung

(c) Reuters
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Die konservative Hardlinerin Marzieh Vahid Dastjerdi wird Irans neue Gesundheitsministerin. Sie führte eine Kampagne an, in der eine völlige Trennung des Gesundheitswesens für Männer und Frauen verlangt wurde.

ISTANBUL/TEHERAN. Die Islamische Republik Iran hat ihre erste Ministerin: Marzieh Vahid Dastjerdi wird im Kabinett des umstrittenen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad Gesundheitsministerin. Auf Ahmadinejads Vorschlagsliste befanden sich noch zwei andere Frauen: die Psychologin Fatemeh Ajorlu, die das Ministerium für Wohlfahrt und soziale Sicherheit hätte leiten sollen, sowie Susan Keshavarz, die als Erziehungsministerin vorgesehen war. Doch beide wurden bei der geheimen Abstimmung im Parlament am Donnerstag abgelehnt.

Bei allen drei Frauen auf der Liste und einigen Männern zweifelten verschiedene Abgeordnete die Kompetenz für das jeweilige Ressort an. Allerdings wurde nur ein Mann abgelehnt: Mohammed Aliabadi, der das Energieministerium hätte übernehmen sollen.

 

„Tod Israel“-Rufe

Der neue Verteidigungsminister Ahmad Vahidi hatte hingegen keine Probleme, die nötigen Stimmen zu erhalten. Vahidi wird von einem argentinischen Gericht beschuldigt, für einen Bombenanschlag auf ein israelisches Zentrum in Buenos Aires mitverantwortlich zu sein, bei dem 1994 85 Menschen starben. Er leitete die sogenannten „Jerusalem-Brigaden“, eine Abteilung der iranischen Revolutionsgarde, die für terroristische Anschläge verantwortlich gemacht wird.

Doch auch Vahidis Qualifikation war umstritten. Während seiner Befragung durch das Parlament meldete sich aber einer seiner Kritiker zu Wort und sagte, er würde ihn nun unterstützen, um nicht die „Intrigen der Zionisten“ zu unterstützen. Daraufhin ertönten die üblichen „Tod Israel“-Rufe, und Vahidi bekam die meisten Stimmen von allen Kandidaten.

 

Lob für „freie Debatte“

Die Gynäkologin und neue Gesundheitsministerin Marzieh Vahid Dastjerdi ist als konservative Hardlinerin bekannt. Sie führte eine Kampagne an, in der eine völlige Trennung des Gesundheitswesens für Männer und Frauen verlangt wurde. Doch bei ihrer Befragung im Parlament sagte sie plötzlich, dass Frauen und Männer zusammen Wunder vollbringen könnten.

Ahmadinejad lobte die „freie und offene Debatte“. Dies zeige, dass der Iran eine „wahre Demokratie“ sei. Damit, dass nicht alle seiner Minister akzeptiert wurden, kann er leben. Vor vier Jahren hat ihm das Parlament sogar vier Namen von der Kabinettsliste gestrichen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.09.2009)