Im Ortszentrum verfallen wertvolle Gebäude, die Politik ist ratlos. Dort wo einst Monarchen, der Hochadel und Größen der Literatur und Musik promenierten, wirkt es heute trostlos.
BAD GASTEIN (APA). Bad Gastein hat kein Glück mit seinen „Rettern“. In den 1980ern scheiterte der erste damit, aus dem einstigen Weltkurort ein „Monaco der Alpen“ zu entwickeln. Anfang dieses Jahrzehnts setzten dann viele ihre Hoffnung in einen Wiener Investor, der einige der prominentesten Häuser erwarb. Doch seither verfallen diese Juwelen der Belle Époque mitten im Zentrum. Medien schreiben vom „schleichenden Tod“ Bad Gasteins, Bürgermeister Gerhard Steinbauer allerdings verweist auf einen Bauboom im übrigen Ort und einen Nächtigungsrekord.
Franz Duval ist der Eigentümer einiger vor sich hin siechender Häuser links und rechts des Wasserfalls. 2001 hat er aus einer Konkursmasse das Hotel Straubinger, die frühere Post und das Badeschloss gekauft. Vier Jahre später erstand er auch das Kongresshaus und das Haus Austria. Kaufpreis für alles: rund fünf Millionen Euro.
Seither ist mit den Liegenschaften, die großteils schon zur Blütezeit des so einzigartig in den Berghang gebauten Ortes dort gestanden sind, nichts geschehen. Der Kongressbetrieb ist eingestellt, der Putz bröckelt, Baugitter umschließen die Gebäude, die allesamt inzwischen leer stehen. Sieben der acht Geschäftslokale im Haus Austria sind geräumt, nur in der Trafik liegt noch Ware in der Auslage. Doch an der Tür hängt ein Zettel: „Betriebsurlaub auf unbestimmte Zeit wegen der Gitterabsperrung durch Herrn Duval“. Die Betreiber der Geschäfte seien von Duval „rausprozessiert“ worden, sagt Bürgermeister Steinbauer. Der bestreitet das auch nicht: Entgegen des Kaufvertrags hätten sich noch Mieter im Haus befunden.
Ortschef: Müssen es aussitzen
Dort wo einst Monarchen, der Hochadel und Größen der Literatur und Musik promenierten, wirkt es heute trost- aber dennoch nicht leblos. Urlauber klackern am strahlenden Septembertag die Kaiser-Franz-Josef-Straße mit ihren Wanderstöcken herunter, auch die Tische im Garten des Lokals beim Kongresshaus sind gut belegt. Eigentlich sollte der gesamte Platz gesperrt sein, denn Duval hat es so bei Gericht eingeklagt, aber den Prozess gegen die Gemeinde verloren. Es war nur einer aus einer Lawine an Verfahren, die der Immobilienhändler losgetreten hat.
Steinbauer reagiert schon etwas resigniert: „Jeder spricht vom Untergang Bad Gasteins, aber keiner vom prosperierenden Ort rund um die Duval-Häuser. Wenn ich höre, dass Bad Gastein stirbt, dann tut das weh.“ Seit 30 Jahren sei in der Gemeinde nicht mehr so viel investiert worden wie in den vergangenen Jahren. Etliche alte große Hotels, die sich über mehrere Generationen im Familienbesitz befunden haben, seien nun an Investoren verkauft und saniert oder auch abgerissen und neu gebaut worden. Er verweist auch auf das „beste Tourismusergebnis aller Zeiten“, das im Vorjahr mit 1,2 Mio. Nächtigungen erzielt wurde.
Ratlosigkeit herrscht über den Ausweg aus der Misere. Duval nennt viele Gründe, weshalb nicht längst die Baumaschinen auffahren. Etwa, dass die Häuser noch nicht leer stehen, die Gemeinde die Busse nicht vor das Kongresshaus fahren lasse oder die Wirtschaftskrise. Steinbauer bezeichnet den Wiener als „klassischen Spekulanten“. Bis heute habe er von den groß angelegten Plänen nichts verwirklicht. Der Ortschef sagt ihm aber weitere Unterstützung der Gemeinde bei der Suche nach Investoren zu und deckt ihn nun gemeinsam mit dem Denkmalschutz mit Instandhaltungsklagen ein. Steinbauer sieht die Sache pragmatisch: „Wir werden das aussitzen müssen.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.09.2009)