Was gegen Gusenbauer spricht

Rein parteitaktisch kann der ÖVP nichts Besseres passieren als der Faymann-Vorgänger als EU-Kommissar.

Es gibt eine Lobby für Alfred Gusenbauer als österreichischen EU-Kommissar. Die ÖVP schweigt, hat jedoch schon lange mit Werner Faymann vereinbart, dass sie ihren Ex-Finanzminister Wilhelm Molterer nach Brüssel schicken darf, um sich auch weiterhin mit dem Siegel „Europapartei“ zu schmücken.

Aber eigentlich kann den Schwarzen nichts Besseres als ein Kommissar Gusenbauer passieren. Das bringt theoretisch nicht nur einen wichtigeren Posten als erwartet für Österreich in der Kommission, sondern auch eine Menge Unannehmlichkeiten für den Kanzler und SPÖ-Chef, der mit Europa-Agenden nicht viel am Hut hat. Mit einem polyglotten Kommissar Gusenbauer hätte er plötzlich einen Mahner in den eigenen Reihen sitzen, der mit Sicherheit alsbald die provinzielle Haltung heimischer Politiker rügen würde – so wie das auch Ex-Agrarkommissar Franz Fischler zum mäßigen Entzücken der ÖVP periodisch tat. Das würde bei „Onkel Hans“ Dichand aber gar nicht gut ankommen.

In der österreichischen Realverfassung ergäbe sich daraus außerdem ein nicht uninteressantes Tauschgeschäft: Die ÖVP könnte der SPÖ gönnerhaft den parteipolitisch nicht nutzbaren Kommissarsposten überlassen und einen binnenpolitisch wichtigeren Job fordern, etwa jenen des ORF-Generaldirektors.

Wen wundert es, dass sich Faymann nicht für Gusenbauer erwärmen kann?

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.09.2009)

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