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Richard Grasl: Platz zwei ist ihm nicht genug

Richard Grasl
(c) APA/ERWIN SCHERIAU
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Der Niederösterreicher stieg in St. Pölten auf die Karriereleiter. Für den Gipfel fehlt ihm jetzt nur mehr der Sieg gegen den General.

Er ist der Herausforderer, und so gibt er sich auch. Richard Grasl will Alexander Wrabetz vom Führungssessel stoßen und tut das mit freundlicher Stimme und hartem Ton. Als Herausforderer fällt es ihm leicht, Kritik am ORF zu üben. Dass er selbst sechs Jahre Teil der Geschäftsführung war, übersieht er gern. In seiner fast 180 Seiten dicken Bewerbung zeigt er selbstbewusst (häufig in der Ich-Form), wie er den ORF reformieren will.

Stillstand ist ein Fremdwort für den 43-jährigen Niederösterreicher. Wobei sein Antrieb auch damit zusammenhängen dürfte, dass er einiges zu verlieren hat. Sollte er nicht bestellt werden, wird er den ORF verlassen. Sorgen muss man sich dennoch keine um ihn machen. Grasl, der betont, keiner Partei anzugehören, gilt als bestens vernetzt, nicht nur in der niederösterreichischen ÖVP. Sein Draht zu Erwin Pröll hat ihm immer wieder beim Aufstieg im ORF geholfen. Schon sein Wechsel in die „ZiB“-Redaktion 1999 soll auf schwarzen Parteiwunsch hin erfolgt sein, wie Ex-ORF-Chefin Monika Lindner kürzlich erzählt hat. 2002 kam die Rückkehr von Wien nach St. Pölten, Grasl wurde Chefredakteur des Landesstudios. Erst diese Woche holte der Grüne Peter Pilz eine Korrespondenz aus dieser Zeit hervor. In einem E-Mail bedankte sich Grasl beim damaligen ÖVP-Innenminister Ernst Strasser: „Ich weiß ja offiziell nicht, ob du deine Finger dabei irgendwie im Spiel gehabt hast . . . Aber ich danke dir jedenfalls für deine bisherige Unterstützung!“

2010 wurde Grasl schließlich – im Gegenzug für die ÖVP- Zustimmung zur Gebührenrefundierung von 160 Mio. Euro – Finanzdirektor, ein Jahr später ging er an Wrabetz' Seite in dessen zweite Amtszeit. Grasls Bilanz als Finanzchef ist gut, er brachte den ORF wieder in die schwarzen Zahlen. Der zweifache Familienvater und Hobbygolfer gilt aber als einer, der seinen Willen eisern durchsetzt. Ein Wesenszug, der nicht allen gefällt. (awa)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.08.2016)