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Russland vertieft die Allianz mit Teheran

Hassan Rohani (l.) und Wladimir Putin
Hassan Rohani (l.) und Wladimir Putin(c) APA/AFP/POOL/ALEXANDER NEMENOV
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In Baku trafen die Präsidenten Russlands, des Iran und Aserbaidschans zusammen. Neben regionalen Kooperationen standen Themen wie Syrien und der Kampf gegen Terrorismus im Vordergrund.

Wien/Baku. Die aserbaidschanische Hauptstadt Baku, eine mondäne Metropole am Kaspischen Meer, bildete gestern die Kulisse für das erste gemeinsame Treffen von Wladimir Putin, Hassan Rohani und ihrem Gastgeber, Ilham Alijew. Ausgerechnet auf dem Schlachtfeld der russisch-persischen Kriege reichten einander Putin und Rohani die Hände. Im 19. Jahrhundert waren das Zarenreich und Persien erbitterte Gegner. An den Südhängen des Kaukasusgebirges, bis dato unter persischem Einfluss, stießen die Ambitionen der um regionale Vorherrschaft ringenden Mächte aufeinander. Eine unter russischem Einfluss stehende Pufferzone ist der Südkaukasus bis heute geblieben. Aserbaidschan, das sich selbst als Player in Szene setzen will, deutet seine geografische Lage positiv und bietet sich den Regionalmächten als Verbindungsglied an.

Tatsächlich war die Wiederbelebung von Transportrouten entlang des Kaspischen Meeres eines der Themen des gestrigen Treffens: Unter der Bezeichnung „Nord-Süd“-Korridor sollen die Eisenbahnlinien von Russland, Aserbaidschan und Iran miteinander verlinkt werden. Auch im Bereich Tourismus, Wirtschaft und Energie seien Kooperationen geplant, hieß es vorab.

 

Export von Nukleartechnologie

Während die Zusammenarbeit mit Aserbaidschan, wo Langzeitpräsident Alijew derzeit eine Verlängerung seiner Amtszeit von fünf auf sieben Jahre durchsetzen will, für den Kreml auf stabilen Füßen steht, ist die geopolitische Achse mit Teheran neuer und bedarf der ständigen Pflege.

Eine ihrer Bestandteile ist das am 14. Juli 2015 in Wien unterzeichnete Atomabkommen. Es kam maßgeblich dadurch zustande, dass Russen und Amerikaner an einem Strang zogen. In Russland gilt es als diplomatischer Erfolg. In dem Deal willigte der Iran unter anderem ein, internationale Inspektoren in seinen Atomanlagen zuzulassen. Russland, bisher schon ein wichtiger Handelspartner Irans, möchte wie viele westliche Staaten auch mit dem Teheraner Regime in weiteren Bereichen ins Geschäft kommen. Im Export von Nukleartechnologie zur zivilen Nutzung hatte man auch bisher schon die Hände im Spiel. Der russische Staatskonzern Rosatom will acht Atomkraftreaktoren im Iran bauen, darunter ein Ausbau des von Russland errichteten Kraftwerk Bushehr.

Auch im syrischen Bürgerkrieg verfolgen Moskau und Teheran ähnliche Interessen. Beide Staaten unterstützen den amtierenden Präsidenten Bashar al-Assad. Während Teheran an Assad als Person festhält, dürfte für Moskau der Erhalt staatlicher Strukturen entscheidend sein. Im Krieg kämpfen Russland und der Iran mit verteilten Rollen und kommen sich deshalb nicht in die Quere: Während der Iran reguläre Truppen im Land hat und als Hauptunterstützer schiitischer Milizen agiert, führt Russland größtenteils Luftschläge durch. Wenn es um die Details einer Nachkriegsordnung geht, könnten die Visionen Moskaus und Teherans durchaus auseinandergehen. Doch nach außen hin geben sich Russland, der Iran und Aserbaidschan als Verbündete. Der gemeinsame Feind, beschworen im Communiqué, ist so unbestimmt wie total: der Terrorismus.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.08.2016)