FestivalreporterFestivalreporterin Barbara Mayr schwärmt über das Frequency-Festival und erzählt von ihren Eindrücken.
Das vorgangestellte negative Statement in der Überschrift sollte gleich am Anfang wieder gemildert werden, denn das Festival war gut. Ein spannendes Line-up, wenn auch nicht überragend und die Besucher erfreuten sich der ausgelassenen Stimmung und einem recht gut organisierten Frequency Festival. Das Gelände in St. Pölten, rund um das VAZ, konnte dem ausverkauften Frequency mehr bieten, als die bislang übliche Location am A1 Ring in Salzburg.
Von Donnerstag bis Samstag fand das Frequency Festival im Green Park statt. Selbes Areal wie beim Beatpatrol, nur rund 100.000 Leute mehr und ein dementsprechend größeres Gelände.
Donnerstag, Tag 1
Gleich am ersten Tag um 17 Uhr spielten die US-Rocker Eagles of Death Metal, die einmal mehr bewiesen, dass Stonerrock in Österreich nach wie vor seine Fangemeinde hat. Frontman Jesse "The Devil" Hughes präsentierte sich sexy mit seinem charakteristischen Schnauzer. Joey Castillo am Schlagzeug - er ist ein ehemaliges Bandmitglied von den Queens of the Stoneage - eröffnet das Konzert mit dem wohl bekanntesten Hit Cherry Cola. Ein späteres "Tribute to the girls" lässt nicht nur die Frauenherzen höher schlagen, sondern auch die männlichen Fans abrocken.
Die Entscheidung über die nächste Band fällt nicht schwer. Auch wenn Kasabian eine Top-Band ist, hält mich nichts davon ab, zu Rise Against auf die Green Stage zu wechseln. Die Hardcore Formation aus Chicago, Illinois sehe ich nicht zum ersten Mal - immerhin zählt sie zu einer meiner absoluten Lieblingsbands. Dementsprechend platziere ich mich auch beim Konzert - mitten in den moshpit. Sie spielen viele alte Lieder und keine Akustik-Stücke, was für ein Festival wohl auch nicht angebracht wäre. The Dirt Whispered vom neuen Album Appeal to reason ist für mich eine Österreich-Premiere, Give it all wird als Schluss-Lied angebracht. Leider gibt es aufgrund des straffen Zeitplans keine Zugabe. Als heutiger Mainact steht Peter Fox auf der Race Stage, der mit fünf Trommler und einem Affen-Logo als Hintergrund auf die Bühne tritt. Er begeistert mit eigenen Liedern, als auch mit Anleihen von Seeed wie Aufstehn oder Dickes B. Die Stimmung ist genial, der erste Tag fast vorbei.
Freitag, Tag 2
Am Freitag startet die Konzert-Reihe bereits um 14 Uhr. Auf der Race Stage tritt The (International) Noise Conspiracy auf. Das kann ich mir nicht entgehen lassen - und ich war offensichtlich nicht die einzige, die sich das dachte. Denn ob des frühen Nachmittags findet sich eine Fangemeinde von ein paar hundert Leuten zum Spielbeginn ein. Und die waren nicht weniger motiviert als die Fans bei den Mainacts am Vorabend. Das gefiel Frontman und Ex-Refused- Sänger Dennis Lyxzén, der sich einige Lieder später mit voller Motivation runter von der Bühne und hinein in die Menschenmenge begibt. Bekannt für seinen engen Kontakt mit dem Publikum lässt er sich von den drückenden und drängelnden Fans feiern. Danach bedankt er sich mit einer kleinen Anekdote aus seinen Konzert-Erlebnissen. Hatten sie tatsächlich in Kanada auf einem Festival mal ihren Live-Gig gespielt, bevor überhaupt das Festivalgelände aufgemacht wurde. Als sie bereits die Hälfte ihres Auftrittes hinter sich hatten, wurde erst das Publikum rein gelassen. Er war also am Frequency sichtlich über jeden einzelnen Fan höchst erfreut!
Passend dazu spielte zwei Stunden später die Post-Hardcore Band Thursday. Sie spielen "for the peace lov'in people" und benennen als eine ihre favourite Band Jello Biafra, Ex-Sänger der amerikanische Punk-Band Dead Kennedys, der zeitgleich sein Konzert auf der Race stage gibt.
Farin Urlaub und sein Racing Team haben bereits eine riesige Menschenmenge vor sich, als sie die Bühne betreten. "Was ist das heute heiß heute?"- ruft er ironisch ins Publikum. Die Festivalbesucher können dem nur zustimmen. Immerhin hatte es bestimmt 30 Grad im Schatten am 2. Tag des Festivals. Obwohl Farin Urlaub Tee trinkt, lässt er sich kaum anmerken, dass er krank wäre. Er animiert die Leute zum Mitmachen und studiert mit ihnen "Alles dasselbe" ein - die Fans turnen, tanzen uns schreien begeistert mit. Spätestens bei einem seiner bekanntesten Songs "Zehn" bleibt keiner mehr an seinem Platz.
Heiß ersehnt und (für mich zumindest) trotzdem enttäuschend: Radiohead mit ihrer Österreich-Premiere. Nach ewigem Warten, vermutlich auf Grund der aufwendigen Umbauten, haben sie zwar eine wahnsinnig beeindruckende Lichter-Show, die jedoch von den langsamen Liedern maximal bei den ersten drei Liedern ablenkt. Die Stimmung könnte besser sein. Als Headliner auf einem Festival braucht man einfach eine Band, die rockt und die Menge zum Kochen bringt. Das war meines Erachtens bei Radiohead nicht der Fall - wenn so mancher eingefleischte Fan vielleicht auch anders gesehen haben mag. Zumindest jene, die das Konzert während dessen verließen, schienten mir auf gewisse Weise zu zustimmen.
Samstag, Tag 3 und letzter Tag
Samstagnachmittag, an dem es trotz strahlendem Sonnenschein am Vormittag teilweise strömenden Regen gab, traten The Sounds auf. Die sexy blonde Sängerin auf Highheels mit Ottakringer Dosenbier. Der Abend hielt noch einige Highlights bereit: The Editors, Thomas D und The Prodigy.
Den restlichen Abend verbrachten die Meisten im Nightpark, der in einer alten Kaserne drei unterschiedliche Hallen bot. Musikalisch an Techno und Drum'n'Bass orientiert, gab es bei Boys Noize sogar eine Pyro-Show, die mich mehr beeindruckte, als die Lichter-Show bei Radiohead.
Soweit so gut. Im Nightpark, der sehr stark an die Erlebnisse am Beatpatrol erinnerte, ging es bis sechs am Morgen. Dann schleppten sich wohl auch die letzten müden Festivalgäste in ihre Zelte. Summa summarum war das Festival gut organisiert, die Location war um vieles besser als in Salzburg (man bedenke den steilen Berg, den man sich jeden Abend nach den Konzerten raufschleppen musste). Obwohl auch dieses Jahr das jahrelang nasse, schlammige Frequency-Festival nicht vor Regen gefeit war, war es gut organisiert. Die Securitys waren nett, auch die Infrastruktur bezüglich Sanitäranlagen war gut geplant. Zwar wird das Publikum immer jünger, was einen beständigen Festivalbesucher jedoch nicht aus der Ruhe - oder besser Partystimmung - bringen sollte.