Schnellauswahl

Kafkas Nachlass geht an die israelische Nationalbibliothek

Symbolbild.
Symbolbild.(c) BilderBox
  • Drucken

Das Höchstgericht in Jerusalem folgt dem Willen des Prager Schriftstellers Max Brod.

„Alles was sich in meinem Nachlass an Tagebüchern, Manuscripten, Briefen, fremden und eigenen, Gezeichnetem usw. findet“, sei „restlos und ungelesen zu verbrennen“: Diese letzte Bitte seines Freundes Franz Kafka hat der Prager Schriftsteller Max Brod nicht erfüllt, einem Ungehorsam verdanken wir etwa den Roman „Der Prozess“.

Max Brod nahm 1939 auf der Flucht vor den Nazis die Werke Kafkas in einem Koffer mit nach Palästina. Nach seinem Tod 1968 ging der Nachlass an seine ehemalige Sekretärin Esther Hoffe, sie verkaufte einen Teil, den anderen hob sie in Safes in Israel und der Schweiz auf, ihn erbten ihre Töchter, von denen eine schon gestorben ist. Die andere, Eva Hoffe, die in Israel lebt, sieht sich und ihre Nichten als rechtmäßige Erbinnen von Brods Nachlass. 2012 wies ein Gericht in Tel Aviv diesen Anspruch zurück, im Juni bekräftigte das Bezirksgericht in Tel Aviv diese Entscheidung: „Kafka hat Hoffe nicht gekannt, nie mit ihr gesprochen oder sie getroffen“, hieß es in seinem Urteil: „Sie stand seinem Herzen nicht nah, sie ist auch keine Angehörige. Die einzige Verbindung zwischen Kafka und Hoffe war, dass seine Briefe auf verschlungenen Wegen in ihre Hände gefallen sind.“

Nun folgte auch das Höchste Gericht in Jerusalem dem Testament Brods: Er hatte verfügt, sein literarischer Nachlass solle an eine jüdische Bibliothek gehen. Brod habe nicht gewollt, „dass sein Nachlass an den Meistbietenden verkauft wird“, heißt es im Urteil der dritten Instanz.

So gehen die Schriften nun an die israelische Nationalbibliothek. Von einem „Freudentag für alle Kulturliebhaber“ sprach deren Vorstandsvorsitzender, David Blumberg, und versprach, den Nachlass der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Darunter seien viele handschriftliche Briefe Kafkas an Brod sowie Manuskripte von Werken wie „Ein Landarzt“ und „Hochzeitsvorbereitungen auf dem Lande“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.08.2016)