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Scheiden tut weh - auch der OMV

„Was bringt uns ein Ölfeld in einer stabilen Region, wenn ich damit kein Geld verdienen kann?“, fragt OMV-Chef Rainer Seele.
„Was bringt uns ein Ölfeld in einer stabilen Region, wenn ich damit kein Geld verdienen kann?“, fragt OMV-Chef Rainer Seele.(c) REUTERS (HEINZ-PETER BADER)
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Mit dem Verkauf von Rosebank leitet die OMV ihren Teilrückzug aus der Nordsee ein. Der Konzern muss heute große Verluste schlucken, verhindert aber hohe Folgekosten in der Zukunft.

Wien. Noch im August 2013 schien die Lage klar: Die Zukunft der OMV liegt im hohen Norden, so das Credo des früheren Konzernchefs. Um knapp zwei Milliarden Euro kaufte das teilstaatliche Unternehmen damals Öl- und Gasfelder in der Nordsee zu. Nur drei Jahre – und einen Ölpreissturz – später tritt die OMV unter neuer Führung ihren teilweisen Rückzug aus der Region an. Zu hohen Kosten. Gerade einmal 50 Millionen US-Dollar will die kanadische Suncor Energy den Österreichern für 30 Prozent am britischen Nordseeprojekt Rosebank überweisen. Wird das Projekt auch tatsächlich realisiert, kommen bis zu 165 Mio. dazu.

Ein Bruchteil dessen, was die OMV vor wenigen Jahren für ihren Ausflug in den Norden ausgegeben hat. Das Geschäft löste eine Wertberichtigung für Rosebank von mehr als einer halben Milliarde Euro (530 Mio. Euro) aus und riss den Nettogewinn im ersten Halbjahr von 513 auf 19 Mio. Euro nach unten. Geht der Deal durch, hält die OMV ein Fünftel am Projekt.

 

Lieber billig als sicher

Eine halbe Milliarde Euro weniger in den Büchern „tut weh“, räumte OMV-Chef Rainer Seele ein. An seiner Strategie, die teuren Öl- und Gasfelder in der Nordsee abzustoßen und dafür billige Förderstätten im Nahen Osten und in Russland zuzukaufen, hält er dennoch fest. Seit 2014 sind die Produktionskosten der OMV pro Fass Erdöl zwar von 16,6 Euro auf 11,5 Euro gesunken. Genug ist das aber noch nicht. Den Vorwurf, niedrigere Kosten mit höherem politischen Risiko zu bezahlen, lässt der deutsche Manager nicht gelten: „Was bringt uns ein Ölfeld, das in einer politisch stabilen Region liegt, wenn ich damit kein Geld verdienen kann?“

Zumal die Beteiligungen in der Nordsee noch viel Geld verschlingen werden, bevor aus ihnen wirklich Öl und Gas fließen werden. „Rosebank ist unser größtes Einzelprojekt, und es lastet schwer auf der OMV“, so Seele. „Die Entlastung tut uns wirklich gut.“ Die Milliarden an Folgekosten könne und wolle das Unternehmen nicht stemmen. Um das Feld wirklich profitabel bewirtschaften zu können, müsste sich der Ölpreis auf über 80 Dollar je Fass verdoppeln.

Aber Rosebank ist erst der Anfang. Wie berichtet, wollen die Österreicher einen Teil ihres Nordseegeschäfts an die russische Gazprom abgeben, um dafür beim westsibirischen Gasfeld in Urengoi einsteigen zu können. Von Interesse sind dabei die verbliebenen Anteile an den britischen Nordsee-Beteiligungen sowie das norwegische OMV-Geschäft. Heute erzeugt die OMV rund 70.000 seiner 300.000 Fass Erdöl am Tag in der Nordsee.

Wie viele Anteile Rainer Seele angesichts des niedrigen Ölpreises an die Russen abgeben muss (und darf), wird derzeit auf allen Seiten kalkuliert. Bis Jahresende soll das Geschäft endgültig stehen.

 

„Ganze OMV auf dem Prüfstand“

Die OMV mistet aber nicht nur in der Nordsee aus. Weltweit sollen „wirtschaftlich schwache“ Beteiligungen abgegeben werden. Eine davon ist offenbar das Tankstellennetz in der Türkei. Mehr als zwei Mrd. Euro hat die OMV in mehreren Etappen für die türkische Petrol Ofisi ausgegeben. Viel Geld, das mit den minimalen Margen, die der türkische Regulator den Österreichern zugestand, nicht zurückverdient werden konnte. Der Verkauf werde „trotz des Putschversuchs planmäßig durchgezogen“, hofft Seele. Aber zu welchem Preis? Die politischen Spannungen seien „nicht förderlich für den Verkaufsprozess“, räumte Vorstandskollege Manfred Leitner ein. Da sich aber nicht nur lokale, sondern auch internationale Bieter interessieren, bleibe man optimistisch.

Dazu kommt der Teilverkauf des heimischen Gasnetzes, das in der Gas Connect Austria gebündelt ist. Hier werden derzeit Angebote von drei Bietern geprüft. Gerüchte, wonach die OMV das stabile Geschäft aus Geldmangel abstoße, wollte Seele rasch zerstreuen: „Wir brauchen den Verkauf nicht, um Nordstream 2 oder die Dividende zu finanzieren“, sagte er. Diese sei erstmals seit Jahren schon zur Gänze im ersten Halbjahr verdient worden. Es werde „keine Dividende mehr auf Pump“ geben. Garant dafür seien strikte Kostensenkungen. Das für 2017 geplante Minus von 100 Mio. Euro wurde schon heuer erfüllt − das Einsparungsziel für nächstes Jahr prompt auf 150 Mio. Euro geschraubt. „Die gesamte OMV ist auf dem Prüfstand“, sagte Seele. Und sie kann es scheinbar gut gebrauchen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2016)