Der IWF hat die EZB davor gewarnt, die Zinsen noch tiefer in den negativen Bereich zu drücken. Deutsche Kunden fürchten indes den Trend zu Strafzinsen.
Wien. In Deutschland sind Sparer besorgt, das Beispiel einer kleinen bayerischen Genossenschaftsbank könne Schule machen. Die Raiffeisen Gmund am Tegernsee verlangt ab September von Privatkunden, die mehr als 100.000 Euro auf ihrem Girokonto haben, Strafzinsen von 0,4 Prozent. Den Begriff „Strafzinsen“ umschifft die Bank mit dem Etikett „Verwahrentgelt“. Laut Auskunft des Raiffeisen-Vorstandes Josef Paul zeigte die Ankündigung schon Wirkung. „Ein Teil der Kunden, die wir informiert haben, hat sich für alternative Anlagen entschieden, andere haben ihr Geld zu anderen Banken verlagert.“ Ein Sprecher der Bank bat derweil um Verständnis: „Der extreme geldpolitische Kurs der EZB verursacht bei allen Banken erhebliche Kosten.“ Auf Dauer könnten die Banken das nicht selbst tragen und suchten nach Auswegen.
IWF warnt vor Senkung
Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat die Europäische Zentralbank (EZB) inzwischen davor gewarnt, die Zinsen noch tiefer in den negativen Bereich zu drücken. „Die EZB habe nur einen „begrenzten Spielraum für weitere substanzielle Zinssenkungen, ohne dabei die Profitabilität der Banken zu schädigen“, hieß es am Donnerstag auf der IWF-Webseite.
Zum Thema Negativ- bzw. Strafzinsen wurde gestern in Österreich vom Verein für Konsumentenschutz übrigens ein interessantes Urteil veröffentlicht. Dabei ging es nicht um Zinsen für Vermögen, sondern für solche für Kredite. Das Gericht hob eine Klausel der BKS-Bank auf, wonach sich die Bank zwar dazu berechtigte, den Zinssatz niemals unter Null zu senken, ihn aber nach oben ohne Grenze anzuheben. (ag./hec)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.08.2016)