Wettbewerbsfähigkeit: Österreich fällt zurück

(c) Die Presse (Michaela Bruckberger)
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Restriktive Arbeitsgesetze und der rasante Anstieg der Staatsschulden lassen die Alpenrepublik auf Platz 17 der wettbewerbsfähigsten Länder zurückfallen. An der Spitze zieht die Schweiz an den USA vorbei auf Rang eins.

Wien (mac).Österreich ist ein glückliches Land. Hier kann man Straßen bauen, die Kranken versorgen und sich auch nächtens vergleichsweise sicher fühlen. Das alleine rettet die Wettbewerbsfähigkeit des Landes aber nicht. Im jüngsten „Global Competitiveness Report“ des Weltwirtschaftsforums (WEF) verliert die Alpenrepublik drei Plätze und landet auf dem 17. Rang. Erst im Frühjahr war Österreich bei einem ähnlichen Ranking des Lausanner Instituts IMD vom 14. auf den 16. Platz abgerutscht.

„Der Absturz ist eine Folge der Krise“, glaubt Michael Peneder vom Wifo, das die österreichischen Daten für die Studie beigesteuert hat. Derartige Rankings seien stets mit Vorsicht zu genießen, an den grundsätzlichen Problemen habe sich in den letzten Jahren aber nichts geändert. Tatsächlich bemängeln Österreichs Führungskräfte (die Studie besteht aus einer Kombination harter Wirtschaftsdaten mit einer Befragung von 13.000 Managern weltweit) Ähnliches wie in den Jahren zuvor.

Hauptbremsen für die Wettbewerbsfähigkeit sind demnach die restriktive Regulierung des Arbeitsmarktes, Steuersätze und -gesetze, die „ineffiziente Bürokratie“ und eingeschränkte Finanzierungsmöglichkeiten. Auch am heimischen Bildungssystem lassen die Befragten kein gutes Haar. Die Qualität des Mathematik- und Naturwissenschaftsunterrichts sei ein „Wettbewerbsnachteil“ für Österreich.

Rigide in der Lohngestaltung

Was die Flexibilität der Lohngestaltung anbelangt, rangiert das Land – aus der Sicht der Manager – gar auf dem letzten Platz. „Österreich ist zwar nicht besonders flexibel, gehört aber sicher nicht auf den letzten Rang“, zieht Peneder das Ergebnis in Zweifel. IHS-Chef Bernhard Felderer räumt ein, dass „hier zuletzt wenig passiert“ ist. Anders als in Deutschland, wo Firmen aus Tarifverträgen aussteigen können, sind heimische Betriebe an den Kollektivvertrag gebunden.

Als Leiter des Staatsschuldenausschusses sticht Felderer wohl noch ein weiteres Detailergebnis ins Auge. In 110 von 133 untersuchten Ländern steht es laut der Schweizer Studie besser um die Verschuldung der öffentlichen Hand als in Österreich. Bis 2013 werden die heimischen Staatsschulden 80 Prozent des BIP betragen. Das wären 245 Mrd. Euro, 80 Mrd. mehr als vor der Krise. Warum Staaten wie Großbritannien, die schon heute an der 80-Prozent-Marke kratzen, vor Österreich gereiht sind, konnte sich der Wirtschaftsforscher nicht erklären.

China kommt langsam voran

Klar ist aus seiner Sicht aber, dass der Schuldenberg nach der Krise rasant abgebaut werden muss, um schlechtere Ratings und damit höhere Refinanzierungskosten des Staates zu vermeiden. Ein mögliches Vorbild wäre Deutschland, wo ab kommendem Jahr eine „Schuldenbremse“ die Neuaufnahme von Schulden über 0,5 Prozent des BIP untersagt – gesetzlich verankert im Verfassungsrang.

Auch an der Spitze gab es Bewegung. So löste die Schweiz die USA als wettbewerbsfähigstes Land ab. Der Kleinstaat sei in der Krise vergleichsweise stabil geblieben, argumentiert das Weltwirtschaftsforum. Auch der Zusammenbruch des Finanzwesens habe die Eidgenossen weniger getroffen als die USA. Zwar gibt es einige Schweizer Großbanken, in Summe macht die Finanzwirtschaft aber nur neun Prozent des Schweizer BIP aus. Die Schwellenländer kommen hingegen nur schleppend voran. China erreichte als deren Vorreiter immerhin Rang 29. Die viel zitierte Ablöse Europas durch Indien und China spiegelt sich hier aber nicht wider. „Die Demokratisierung des Landes spielt eine gewisse Rolle“, erklärt der Schweizer Projektleiter Beat Bechthold diesen Umstand. Ein Ausreißer ist da freilich Singapur. Der autokratisch geführte Stadtstaat erreichte dank hoher Sicherheit und rascher Verwaltung immerhin Platz drei.

Die vollständige Liste

Der Global Competitiveness Report kombiniert folgende Aspekte:

  • Infrastruktur
  • Makroökonomische Stabilität
  • Gesundheits- und Bildungswesen
  • Hochschule und Fortbildungsmöglichkeiten
  • Markteffizienz
  • Arbeitskraftqualität
  • Finanzmarktentwicklung
  • Technologische Möglichkeiten
  • Marktgröße
  • Innovationsfreudigkeit und
  • Wirtschaftliche Reife

Für die einzelnen Kategorien werden ein bis sieben Punkte vergeben, die dann aggregiert werden. Österreich erreicht eine Gesamtpunktezahl von 5,1. Zum Vergleich: Die Nummer 1, die Schweiz, hat 5,6 und das am wenigsten wettbewerbsfähige Land, Burundi, hat 2,58.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.09.2009)

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