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Festgenommen: Peter Hochegger droht U-Haft

Archivbild. Peter Hochegger wurde in der Steiermark festgenommen.
Archivbild. Peter Hochegger wurde in der Steiermark festgenommen.APA/HELMUT FOHRINGER
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Will er sich der Justiz entziehen - besteht Fluchtgefahr? Oder ist Ex-Lobbyist Peter Hochegger tatsächlich (psychisch) krank, wie sein Anwalt beteuert? Ein Gericht will dies klären. Und ließ den 67-Jährigen festnehmen.

Ist der frühere Lobbyist Peter Hochegger zu weit gegangen? Hat er versucht, die Justiz an der Nase herumzuführen? Oder war er zuletzt aus gesundheitlichen, vor allem psychischen Gründen, einfach nicht in der Lage zu einem Gerichtstermin zu erscheinen? Letzteres wurde zuletzt von seinem Anwalt Karl Schön mehrfach unterstrichen. Doch derlei Beteuerungen halfen nichts: Am Dienstag wurde der mittlerweile 67-jährige PR-Profi, der als Gründer der Beratungsfirma Valora zu einiger Prominenz gelangt war, auf Antrag der Staatsanwaltschaft Wien festgenommen.

Die Festnahme erfolgte direkt in der Privatklinik St. Radegund (Bezirk Graz-Umgebung). Dorthin hatte sich Hochegger zuletzt in Behandlung begeben. Zuvor war der Ex-Lobbyist in einer Schweizer Klinik gewesen. Jedoch war der Zeitpunkt der Behandlung der Justiz ein Dorn im Auge.

Hochegger ließ Gerichtstermin platzen

Zur Erinnerung: Am Dienstag der Vorwoche hätte Hochegger zu einem Verhandlungstermin im Straflandesgericht Wien erscheinen sollen. Weil er nicht kam, beantragte die Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl. Und begründete diesen mit Fluchtgefahr.

Der Richter behielt sich eine Entscheidung vor, diese fiel nun ganz und gar nicht im Sinne Hocheggers aus. Ob die plötzliche Festnahme – der Ex-Lobbyist wurde in das Gefangenenhaus Graz-Jakomini überstellt – die Verhängung der U-Haft nach sich zieht, bleibt abzuwarten. Darüber soll am Donnerstag (18. August) im Rahmen einer Haftprüfungs-Verhandlung entschieden werden. 

Bei dem besagten Gerichtstermin war es um die Festsetzung des Strafausmaßes im Zusammenhang mit einer bereits rechtskräftigen Untreue-Verurteilung gegangen. Grund für diese Verurteilung (Ersturteil im Jahr 2013) war eine 960.000-Euro-Schmiergeldzahlung, die 2006 über parteinahe Werbeagenturen zum BZÖ geschleust wurde. Es handelte sich um Telekomgeld.

Hochegger war seinerzeit zwar Berater der Telekom gewesen, hatte sich aber im Prozess stets „nicht schuldig“ bekannt. Er habe zwar in vielen Angelegenheiten seine Finger im Spiel gehabt, sagte er, bei dieser Sache aber nicht. Man habe ihn damals in Sachen Telekom-Geld gar nicht gebraucht.

Lostag rückt näher, Freiheitsstrafe droht

Der nächste Termin zur Straffestsetzung (Hochegger muss mit einer Haftstrafe rechnen, zuletzt hatte er zweieinhalb Jahre Freiheitsstrafe erhalten, diese wurde aber vom OGH aufgehoben) ist nun für kommenden Dienstag (23. August) anberaumt. Ort: wieder das Straflandesgericht Wien.

Ob der einstige Agentur-Chef („Hochegger Communications“) zu diesem Termin als freier Mann oder als U-Häftling kommt, bleibt abzuwarten. In seiner besten Zeit hatte sich Hochegger als Berater prominenter "Klienten", zum Beispiel ÖBB, Telekom oder Porr, einen Namen gemacht. Auch Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser hatte Hocheggers Beraterdienste in Anspruch genommen.

Der große Brocken kommt erst

Feststeht, dass Hochegger zudem noch einem anderen, einem noch viel größeren Strafprozess entgegenblickt: dem Buwog-Verfahren. In diesem liegt seit kurzem eine äußerst umfangreiche – jedoch nicht rechtskräftige – Anklageschrift vor. Hochegger wird als Vierter von 16 Angeklagten geführt. Als Erstangeklagter soll sich - geht es nach der Korruptionsstaatsanwaltschaft - Grasser verantworten. Allerdings wird die Anklage derzeit von mehreren Seiten bekämpft.

Zurück zu Hochegger: In der Buwog-Affäre werden ihm die Delikte Untreue, Unterschlagung, Geschenkannahme und Bestechung zur Last gelegt (teils soll er als Beteiligter, nicht als unmittelbarer Täter, aufgetreten sein). Alle 16 Angeklagten weisen alle Vorwürfe zurück.

Neue zweite Heimat: Brasilien

Hochegger lebte zuletzt in Brasilien. Und zwar im Nordosten des derzeitigen Olympia-Landes, in einem kleinen Fischerdorf nahe Fortaleza. Dennoch führten ihn seine Wege regelmäßig nach Österreich. Zuletzt sah er sich - dies erzählte er einst ausgewählten Journalisten - als Bauernopfer - oder, wie er es nannte, als "Dienstleisteropfer".

Sollte er in Sachen Telekom-Geld tatsächlich eine unbedingte Haftstrafe ausfassen - kommende Woche soll dies ja entschieden werden - so würde er sich keineswegs in seinem brasilianischen Apartment verschanzen, sondern anstandslos seine Haft absitzen. Auch dies hatte der einstige Big Player der österreichischen Berater-Branche vor einiger Zeit erklärt (freilich noch vor Beginn seiner - laut Anwalt - psychischen Erkrankung).

Gut vernetzter Hobby-Philosoph

Auf die damalige "Presse"-Frage, wie er denn eine etwaige Haftzeit über die Runden bringen würde, erklärte Hochegger seinerzeit ganz gelassen: "Ich werde meditieren und ein Buch schreiben."

Aber kein Politiker müsse zittern, hieß es damals. Und: "Eine Biografie" solle es werden. Und auch ein Ratgeber, frei nach dem Motto: "Wie geht man mit solchen Situationen um?" Denn, so sagte der einst bestens vernetzte PR-Spezialist, der in besseren Zeiten mit diversen Entscheidungsträgern des Landes auf Du-und-Du war: "Das Leben ist eine spannende Reise."

Aber derlei grenzphilosophische Aussagen liegen eben etliche Monate zurück.