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Das Wirtschaftsblatt wird eingestellt

Das Wirtschaftsblatt wird eingestellt. Schlecht für Leser. Vom Boulevard kommt, wie nicht anders zu erwarten, nur Häme als Reaktion.

Als die Kronen Zeitung noch das größte Massenblatt in Wien war, konnte man bei Texten, die besonders dreiste Klopffechtereien verbreiteten, häufig am Ende das Kürzel Cato lesen. Dieser pseudonyme Römer ist längst verblichen, doch sein Ungeist weht noch immer, nicht nur in seinem Exblatt, sondern auch noch im ähnlich gesinnten Gratisboulevard.

Beispiele dafür wurden diese Woche geliefert. Das Wirtschaftsblatt (es erscheint so wie Die Presse im Verlag Styria) wird demnächst eingestellt – eine traurige Meldung für an seriöser Berichterstattung über Ökonomie interessierte Leser und ein Schlag gegen die ohnehin nur schwach ausgeprägten liberalen Tendenzen in diesem Land. Dutzende geschätzte Kollegen verlieren ihre Arbeit. Die Branche sollte das an sich nachdenklich stimmen. Auch beim seriösen Kurier, so hört man, kriselt es.

Was aber ist am Boulevard in der After-Cato-Periode zu lesen? Das Gratisblatt Österreich toppt sie alle. Es wittert einen „Förderskandal – Zehn Millionen Euro weg!“ Um zu dieser Summe zu kommen, wurden in dem (ungezeichneten) Text die Subventionen addiert, die das Wirtschaftsblatt in achtzehn Jahren erhalten hat. Die Kronen Zeitung denkt sogar noch weiter: „Frische Steuermillionen für schwächelnde ,Presse‘“, steht fett über zwei Politikseiten. Rechts daneben ist ein Kommentator davon alarmiert, dass SPÖ-Bundesminister Thomas Drozda angeblich die Presseförderung von knapp neun Mio. € auf 35 Mio. € aufstocken will. Der Schluss des Redakteurs: „Für die österreichische Demokratie wäre es aber gesünder, wenn die Politik ihre Finger aus den Medien und den Geldtöpfen zieht.“


Die Stadt, der Müll und die U-Bahn. Aberwitzig wird dabei der Sachverhalt verdreht. Zur Erinnerung: 8,9 Mio. € an Presseförderungen, die allen Zeitungen und Magazinen zugutekommen, auch Boulevardblättern, werden unter parlamentarischer Kontrolle verteilt. Die indirekte Förderung bunter Blätter aber, etwa durch Inserate von roten und schwarzen Ministerien und insbesondere von der rotgrünen Stadt Wien, erfolgte zumindest bisher recht willkürlich. Unter Kanzler Faymann und Bürgermeister Häupl geschah dies bis zum Exzess zugunsten dreier Produkte: Allein 2015 erhielt die Kronen Zeitung laut Medienbehörde öffentliche Inserate im Wert von 22,6 Mio. €, das Gratisblatt Heute von 14,4 Mio. €, Österreich von 14 Mio. €. Das ergibt in Summe 51 Mio. € – pro Jahr. Die Förderungen der Druckereien sind dabei noch gar nicht berücksichtigt.

Cato würde jetzt wohl 20 Jahre zusammenrechnen und erregt titeln: „Altpapierentsorgung in der U-Bahn kostet uns Steuerzahler Milliarden!“

norbert.mayer@diepresse.com

diepresse.com/mediator

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.08.2016)