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Zwischen realer und virtueller Welt

Cosplayers dressed as character 'Mario' celebrate the 30th anniversary of 'Super Mario Bros.' video games developed by Nintendo during the Gamescom 2015 fair in Cologne
Eine Community, die ihren schlechten Ruf nicht verdient.REUTERS
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In Köln hat am Freitag die Gamescom ihre Pforten für über 500.000 begeisterte Videospielfans geöffnet – unter strengen Sicherheitsauflagen.

Es ist die weltweit größte Messe für Unterhaltungselektronik. Seit nunmehr sieben Jahren findet die Gamescom in Köln statt und erlebt in diesem Jahr nicht nur thematisch eine Richtungsänderung. Eine Großveranstaltung mit über 500.000 Besuchern erfordert nach den Anschlägen der vergangenen Monaten eine Reihe an erhöhten Sicherheitsbestimmungen. Aussteller mussten vorab alle Waffennachbildungen registrieren und auch für Cosplayer bedeutet es eine Einschränkung der Kostüme.

Sabrina, die als schwerterschwingende Kitty Cat Katarina durch die Hallen der Gamescom wandern wollte, wurde aufgehalten. Ihr Schwert muss sie abgeben. Sie hat Verständnis dafür, aber ein bisschen Wehmut ergreift sie dann doch: „Jetzt bin ich nur noch eine normale Katze.“ Sicherheit ist ein großes Thema in diesem Jahr, vor allem da nach den Anschlägen vermehrt wieder medial die Diskussion entflammt ist, ob gewalttätige Videospiele negativen Einfluss ausüben und Spieler dadurch zu Killern werden könnten.

Diskussion so alt wie Spiele selbst. Die gängige Annahme, dass durch blutige, gewalttätige und teils sehr brutale Spiele eine Gewöhnung an Gewalt als einziger Form der Auseinandersetzung stattfindet, ist kurzsichtig. Zwar ist man nach solchen Taten immer auf der Suche nach einer Erklärung, aber dafür gibt es nicht nur einen Grund beziehungsweise Auslöser. Es ist vielmehr eine Bündelung aus zahlreichen Faktoren. Eine Ferndiagnose ist unmöglich.

Der beste Beweis sind derartige Messen. Auf der Gamescom drängeln sich Zigtausende Menschen täglich durch die Hallen. Es wird gedrängelt, man muss stundenlang warten, um ein Spiel dann tatsächlich für ein paar Minuten ausprobieren zu können. Derartige Messen sind anstrengend. Aber die Geschichte zeigt, dass diese Messen ohne gewalttätige Vorfälle ablaufen. Im Gegenteil, hier trifft sich eine riesige internationale Community, die ein Jahr sehnsüchtig auf diese Veranstaltung, die vier Tage dauert, gewartet hat.

Spielwiese mit Österreich-Titeln. Und es hat sich ausgezahlt, denn auch in diesem Jahr wurden zahlreiche Spiele vorgestellt. Dabei wird in diesem Jahr deutlich, dass sich die Gaming-Branche entschieden hat, massiv in Virtual Reality zu investieren. Kein Entwickler ohne mindestens einen VR-Titel.

Auch aus Österreich ist ein Titel zu finden. Die Wiener Spieleentwickler Black Cell haben im Rahmen der Messe einen Exklusivtitel für die HTV-Vive vorgestellt. „Wake Up“ ist ein Rätselspiel, das durch einen mysteriösen Traum führt. Als Wegbegleiter und Wegweiser sorgt ein Schmetterling und führt einen von einem Rätsel zum nächsten. Doch ein Abtauchen ist nicht nur in fantastische Fantasiewelten möglich. Viele Hersteller erschaffen bereits Spiele, die lebensecht wirken. Erste Rezensionen von „Resident Evil“ lassen Schlimmes befürchten.

Der Durchbruch lässt auf sich warten.Seit nun knapp drei Jahren ist Virtual Reality ein fixer Bestandteil von Spielemessen, aber der tatsächliche Durchbruch hat noch nicht stattgefunden. Befürchtungen, dass VR ein ähnliches Schicksal wie 3-D-Fernseher erleiden könnte, sind von Entwicklern zu vernehmen.

Unbegründet, wenn es nach den Big Playern geht, denn die Hardware ist leistbar und je mehr VR-Brillen auf den Markt kommen, umso höher wird die Akzeptanz. Das Spielerlebnis ist auf jeden Fall ein neues.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.08.2016)