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Gaziantep: War der Attentäter ein Kind?

Für mindestens 50 der Opfer kam jede Hilfe zu spät
Für mindestens 50 der Opfer kam jede Hilfe zu spätAPA/AFP
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Bei dem Bombenattentat auf eine kurdische Hochzeit in Gaziantep hat es mindestens 51 Todesopfer gegeben. Der türkische Präsident spricht von einem zwischen 12 und 14 Jahre alten Selbstmord-Attentäter.

Der Anschlag von Gaziantep ist nach Angaben des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan von einem Kind zwischen 12 und 14 Jahren verübt worden. Es habe sich um ein Selbstmordattentat gehandelt, sagte Erdogan nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu vom Sonntag. Die Zahl der Todesopfer sei unterdessen auf 51 gestiegen. 69 Menschen seien verletzt worden, davon 17 schwer. Der Terroranschlag war auf eine Hochzeitsgesellschaft verübt worden, die am Samstagabend auf offener Straße im Beybahce-Viertel der Millionenstadt feierte. Erdogan sagte bereits in der Nacht auf zu Sonntag, bei den Tätern handle es sich mutmaßlich um Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Die Provinz Gaziantep grenzt an das Bürgerkriegsland Syrien. Auf der syrischen Seite kontrolliert der IS ein großes zusammenhängendes Gebiet. Die türkische Regierung hatte den IS in der Vergangenheit für zahlreiche Anschläge im Land verantwortlich gemacht. Die Terrormiliz bekannte sich bislang noch zu keinem der ihr zugeschriebenen Anschläge in der Türkei. Zahlreiche internationale Politiker verurteilten den Anschlag, darunter auch Österreichs Außenminister Sebastian Kurz: "Meine Gedanken sind bei den Familien der Opfer", twitterte Kurz am Sonntag.

Mehrere Kinder unter Todesopfern

Der Sprengsatz explodierte inmitten der Hochzeitsgesellschaft. Nach Angaben der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP handelte es sich um eine kurdische Hochzeit. Unter den Todesopfern seien mehrere Kinder. In dem Stadtviertel leben nach Medienberichten vor allem Kurden. Kurz nach dem Anschlag verhängte die Rundfunkbehörde eine Nachrichtensperre, die aber nicht für öffentliche Stellungnahmen gilt.

Erdogan verurteilte den "Terroranschlag" laut einer von Anadolu verbreiteten Stellungnahme und versprach Aufklärung. Die Täter versuchten das Volk gegeneinander aufzubringen, indem sie "ethnische und religiöse Empfindlichkeiten" für ihre Zwecke nutzten. Damit hätten sie keinen Erfolg. Er machte dabei keinen Unterschied zwischen der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, der Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen und dem IS, dem "mutmaßlichen Urheber". Die HDP teilte in einer Stellungnahme weiter mit: "Wir verurteilen und verdammen diejenigen, die diese Attacke verübt haben, und die Kräfte und Ideologien hinter ihrem Handeln."

Muttonen und Merkel verurteilen Angriff

Auch die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hat den jüngsten Bombenanschlag in der Türkei verurteilt. "Ich bin zutiefst traurig über den entsetzlichen Angriff, der jüngste in einer schrecklichen Serie von Terroranschlägen, der die Türkei getroffen hat", so die Präsidentin der Parlamentarischen Versammlung, Christine Muttonen, am Sonntag in einer Aussendung. "Ich verurteile diesen Angriff im Namen der OSZE-Parlamentarier." Muttonen kondolierte den Betroffenen und den Familien der Opfer. Nach derzeitigem Wissensstand wurden bei dem Anschlag in der südöstlichen Millionenstadt Gaziantep mindestens 51 Menschen getötet und fast 100 verletzt.

Die OSZE-Präsidentin reiste erst diese Woche mit einer Delegation nach Ankara, um sich nach dem Putschversuch ein Bild von der Lage vor Ort zu machen. Die Parlamentarische Versammlung der OSZE traf sich unter anderem mit Präsident Recep Tayyip Erdogan, dem Sprecher des Parlaments, Ismail Kahraman, mit Premierminister Binali Yildirim, Außenminister Mevlüt Cavusoglu, Mitgliedern der türkischen OSZE-Delegation sowie Führern aller politischen Parteien im Parlament. Am Sonntag bekundete Muttonen die Solidarität und Bereitschaft der OSZE, die Türkei zu unterstützen.

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel verurteilte den Anschlag ebenfalls aufs Schärfste. "Erneut sind unschuldige Männer, Frauen und Kinder zum Opfer feiger und hinterhältiger Gewalt geworden", schrieb sie ihrem türkischen Amtskollegen Yildirim laut Deutscher Presse-Agentur in einem Kondolenztelegramm am Sonntag. "Unsere Gedanken sind bei den Opfern und deren Familien. Ich bitte Sie, den Angehörigen unser Beileid und Mitgefühl auszurichten und den Verwundeten rasche Genesung zu wünschen." Die deutsche Regierung stehe im Kampf gegen den Terrorismus weiter eng an der Seite der Türkei.

Kurden kämpfen in Syrien gegen IS

Sowohl der IS als auch die kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) kontrollieren große Gebiete in Nordsyrien an der Grenze zur Türkei. Die YPG, die ein wichtiger Partner des Westens im Kampf gegen den IS ist, war in den letzten Wochen weiter vorgerückt. IS-Kämpfer mussten sich in das syrisch-türkische Grenzgebiet zurückziehen.

Die YPG ist der syrische Ableger der PKK, die in der Südosttürkei operiert. Die Türkei betrachtet sowohl die PKK als auch den IS als Terrororganisation. Ein weiteres Vorrücken der YPG ist der Türkei ein Dorn im Auge. Dadurch könnten Unabhängigkeitsbestrebungen der Kurden im eigenen Land befeuert werden, so die Befürchtung Ankaras.

Ministerpräsident Binali Yildirim hatte am Samstag angekündigt, die Türkei werde in den nächsten Monaten eine "aktivere" Rolle in Syrien spielen. Das Land dürfe nicht entlang ethnischer Linien geteilt werden. Grundsätzlich müsse mit dem syrischen Machthaber Bashar al-Assad gesprochen werden, da er einer der Akteure sei. Eine dauerhafte Lösung mit ihm an der Spitze Syriens schloss Yildirim jedoch aus, genauso wie Gespräche zwischen der Türkei und Assad.

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(APA/dpa/AFP/Reuters)