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Türkei-Anschlag: 29 Kinder und Jugendliche unter 54 Toten

Begräbnis der Opfer.
Begräbnis der Opfer.APA/AFP/ILYAS AKENGIN
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Ein Kind soll das Attentat verübt haben. Die türkische Regierung beschuldigt den IS. Ein Großteil der Opfer war unter 14 Jahren.

Die meisten Opfer des Selbstmordanschlags von Gaziantep in der Türkei sind nach Angaben der Behörden Kinder und Jugendliche. 29 der identifizierten Toten seien unter 14 Jahre alt, berichteten türkische Nachrichtensender am Montag, sieben unter 18 Jahre. Auch der Selbstmordattentäter selbst war ungewöhnlich jung: Ein Kind zwischen 12 und 14 Jahren soll den blutigen Anschlag verübt haben.

Die verheerende Explosion riss inmitten einer kurdischen Hochzeitsfeier in der südosttürkischen Stadt mindestens 54 Menschen mit in den Tod, 66 weitere wurden verletzt, 14 davon schwer. Dabei blieb am Sonntag zunächst unklar, ob sich das Kind selbst in die Luft gesprengt hat oder ob der Sprengsatz per Fernzünder ausgelöst worden war. Die türkische Zeitung "Hürriyet" berichtete am Montag, auf Überwachungskameras in Gaziantep sei zu sehen, dass das Kind von zwei Personen begleitet worden sei. Sie hätten sich entfernt, bevor die Bombe detonierte.

Ein ranghoher Vertreter der türkischen Sicherheitskräfte sagte am Montag, baugleiche Bomben seien auch bei den Anschlägen auf eine Friedenskundgebung in Ankara und im Grenzbezirk Suruc benutzt worden. Beide Anschläge wurden seinerzeit der Extremistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) zugeschrieben.

Die Türkei will die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) von der türkisch-syrischen Grenze zurückdrängen. "Unsere Grenze muss vollständig von Daesh (IS) gesäubert werden", sagte Außenminister Mevlüt Cavusoglu am Montag vor Journalisten in Ankara, zwei Tage nach dem Anschlag. 

Versäumnisse beim Kampf gegen den IS im eigenen Land sieht Cavusoglu nicht. Die Türkei haben dem IS den "größten Schlag" versetzt, sagte er nach Angaben der Nachrichtenagentur DHA. Etwa habe man die Quelle an ausländischen Kämpfern "ausgetrocknet", indem man sie an der Durchreise über die Türkei gehindert habe. Es seien auch Kämpfer in Haft sagte er, ohne eine Zahl zu nennen. Der Kampf gegen die Terrormiliz werde "bis zum Ende" weitergeführt, versprach Cavusoglu.

Der Chef der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP, Selahattin Demirtas, sagte, das Ziel seien Kurden und der Bräutigam, ein HDP-Mitglied, gewesen. Nach Medienberichten überlebten Braut und Bräutigam verletzt. Im Beybahce-Viertel der Millionenstadt wohnen viele aus den Südostprovinzen zugezogene Kurden. Der Anschlag war bei den Feierlichkeiten auf offener Straße verübt worden.

Erdogan: Attentäter wollen Volk aufhetzen

Die türkische Regierung hatte den IS in der Vergangenheit für zahlreiche Anschläge im Land verantwortlich gemacht. Mehrmals waren offenbar Kurden das Ziel. Der IS bekannte sich jedoch zu keinem der Bombenattentate in der Türkei. Die Terrormiliz übernahm dagegen in der Vergangenheit die Verantwortung für Morde an syrischen Oppositionellen in Gaziantep. Die gleichnamige Provinz grenzt an das Bürgerkriegsland Syrien. Auf der syrischen Seite kontrolliert der IS ein großes Gebiet.

Erdogan verurteilte den Anschlag und sagte, in der Vergangenheit sei die Polizei schon gegen IS-Zellen in Gaziantep vorgegangen. Er kündigte an: "Natürlich werden unsere dortigen Sicherheitskräfte diese Einsätze noch intensiver fortsetzen."

Erdogan sagte, die Urheber des Anschlags versuchten, das Volk gegeneinander aufzubringen, indem sie "ethnische und religiöse Empfindlichkeiten" für ihre Zwecke nutzten. Damit hätten sie keinen Erfolg. Er machte dabei keinen Unterschied zwischen der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, der Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen und dem IS.

EU und Nato sichern Unterstützung zu

Der Anschlag wurde international scharf verurteilt. Die US-Regierung nannte die Tat barbarisch. "Wir stehen bei der Verteidigung der Demokratie gegen alle Arten von Terrorismus an der Seite des türkischen Volkes", erklärte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates, Ned Price, am Sonntag. Die USA stünden in engem Kontakt mit den türkischen Behörden.

Die EU-Kommission und die Nato sicherten der Regierung in Ankara am Sonntag Solidarität zu. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg erklärte in Brüssel: "Wir stehen in dieser schwierigen Zeit in Solidarität vereint mit unseren türkischen Verbündeten."

Auch die deutsche Regierung bekräftigte, im Kampf gegen den Terrorismus weiter eng an der Seite der Türkei zu stehen. In einem Kondolenztelegramm an Ministerpräsident Binali Yildirim drückte Bundeskanzlerin Angela Merkel ihr Mitgefühl und Beileid aus.

(APA/dpa/Reuters)