Arads Vater war mehrmals bei Waldheim

Ex-Pressesprecher Nußbaumer bestätigt, dass sich der Bundespräsident für Freilassung des Israeli eingesetzt hat.

WIEN. Kurt Waldheim sei nicht der einsame isolierte Mann in der Hofburg gewesen, als der er immer dargestellt werde, erinnert sich sein ehemaliger Pressesprecher Heinz Nußbaumer. Auch während seiner umstrittenen Präsidentschaft habe der ehemalige UN-Generalsekretär Kontakt zu befreundeten israelischen Spitzenpolitikern gehalten.
Bei seinen Reisen in den Nahen Osten habe sich Waldheim immer wieder massiv für die Freilassung des israelischen Piloten Ron Arad eingesetzt, auch in Teheran. Der seit 1986 vermisste Soldat dürfte sich damals in den Händen der südlibanesischen Hisbollah-Milizen befunden haben, die wiederum vom Iran gesteuert wurden. Arads verzweifelter Vater sei sogar mehrmals in die Präsidentschaftskanzlei nach Wien gekommen, um Waldheim um Hilfe zu bitten, berichtet Nußbaumer.

Zum Zeitpunkt seiner Visite in Teheran im Juni 1991 hatte Waldheim noch nicht entschieden, ob er im Jahr darauf ein zweites Mal für das Amt des Bundespräsidenten kandidieren würde. Ein diplomatischer Erfolg wie die Befreiung westlicher Geiseln hätte dazu beitragen können, seine internationale Isolation zu beenden. Waldheim stand wegen seiner Kriegsvergangenheit auf der amerikanischen Watchlist. Seine Reisen führten ihn vor allem in arabische Länder.
sWaldheim war das erste europäische Staatsoberhaupt, das der Islamischen Republik Iran nach der Revolution 1979 einen Besuch abstattete. Es begleitete ihn damals eine große Wirtschaftsdelegation. Doch es ging nicht nur um ökonomische Interessen. Waldheim und Außenminister Mock wollten abtesten, wie weit der Pragmatismus des damaligen iranischen Präsidenten Rafsandjani geht, und ob der Gottesstaat bereit sei, sich wieder in die internationale Gemeinschaft zu integrieren. Nicht nur Israel, auch die Briten ersuchten Waldheim damals, für eine Geisel zu intervenieren: für Terry Waite, den Sonderbeauftragten des Erzbischofs von Canterbury, der im Jänner 1987 in Beirut entführt worden war.

Seinen Einsatz für den israelischen Soldaten Arad machte Waldheim nie publik, auch nicht seine Kontakte zu israelischen Spitzenpolitikern mitten in der diplomatischen Eiszeit, ebenso wenig wie sein Engagement für US-Gefangene im Libanon. „Er war auch in den sturmumtosendsten Zeiten immer diskret, wenn er gute diplomatische Dienste leistete“, sagt Nußbaumer.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.09.2009)

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