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Ramen statt Tabak: Nudeln als neue Währung in US-Gefängnissen

Japanische Instant-Nudeln.
Japanische Instant-Nudeln.(c) REUTERS (� Issei Kato / Reuters)
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Die japanischen Nudeln haben Zigaretten als Geldersatz für US-Häftlinge überholt, heißt es in einer Studie. Der Grund: Das schlechte Essen in Haftanstalten.

Wer braucht schon Zigaretten, wenn er auch Ramen-Nudeln haben kann? Diese japanische Spezialität aus Weizenmehl, die außerhalb des ostasiatischen Inselstaats vor allem als Instant-Nudelsuppe bekannt ist, hat die Glimmstängel als wertvollstes Gut in US-Gefängnissen überholt.

Und das nicht als Antwort auf das Verbot von Tabak-Produkten in Haftanstalten, heißt es in einer Studie der Universität von Arizona. Über die Jahrzehnte habe sich die Nahrungsversorgung für Insassen in US-Gefängnissen radikal verschlechtert, schreibt Studienautor Michael Gibson-Light. Es gebe weniger und schlechteres Essen.

"Häftlinge sind so unzufrieden mit der Qualität und Quantität des Gefängnisessens, dass sie sich in der Untergrundgemeinschaft auf Ramen-Nudeln als eine Währungsform stützen", erzählt Gibson-Light. "Weil sie billig sind, gut schmecken und viele Kalorien haben, sind Ramen so wertvoll geworden, dass sie gegen andere Waren getauscht werden."

Ramen als Wetteinsatz

So werden die Nudeln etwa für andere Nahrungsmittel, Gewand, Hygieneprodukte und sogar Dienstleistungen, wie Wäschewaschen oder Putzen, gewechselt. Andere Insassen nutzen Ramen als Wetteinsatz für Kartenspiele oder Sportwetten. Sie dienen jedoch nicht nur als Geldersatz für Zigaretten, sondern auch für Postmarken oder Briefumschläge.

Für die Studie befragte Gibson-Light 60 Insassen und Wärter eines staatlichen Gefängnisses für Männer im Süden der Vereinigten Staaten. Er begleitete die Studienteilnehmer mehr als ein Jahr. Obwohl sich die Ergebnisse nur auf eine Haftanstalt beziehen, sei der Trend der Ramen-Währung auch in anderen Gefängnissen bemerkbar, die kein Zigaretten-Verbot eingeführt haben.

Denn der Staat gab über die Jahre immer weniger für Häftlinge aus, heißt es in einem Bericht der US-Gefängnisbehörde. Häftlinge müssen sich mehr und mehr selbst um ihre Versorgung kümmern. Dieses "bedeutende Problem" sei die Ursache, warum sich die Gefängniswährung verändert habe, sagt Gibson-Light. "Zigaretten wurden während des Amerikanischen Bürgerkriegs oder sogar noch früher als Geld in US-Gefängnissen eingeführt. Dass sich diese Praxis plötzlich geändert hat, kann ernsthafte Folgen haben."

>>> Zur Pressemitteilung.

(maka)