Anzeichen für Konjunkturerholung mehren sich

Die ersten Anzeichen der Erholung
Die ersten Anzeichen der Erholung(c) AP (Morry Gas)
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Der Abschwung wird flacher: Im zweiten Quartal ist Österreichs Wirtschaft um 0,5 Prozent geschrumpft. Auf dem Arbeitsmarkt ist aber noch keine Entspannung in Sicht, stellen Wifo und IHS fest.

Wien (b.l./eid). Die schlechte Nachricht zuerst: Österreichs Wirtschaft schrumpft noch immer. Im zweiten Quartal ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenüber dem Vorquartal um 0,5Prozent gesunken. Im Jahresvergleich bedeutet das einen Rückgang um 4,6Prozent. Diese endgültigen Daten für April bis Juni gab das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) am Donnerstag bekannt. Der Rückgang fiel damit etwas stärker aus als zuletzt prognostiziert (0,4Prozent).

Nun die gute Nachricht: Das Minus ist deutlich kleiner als im ersten Quartal (2,7Prozent). Im vierten Quartal des Vorjahrs schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um ein Prozent.

Das Wifo sieht zudem mehrere Anzeichen für eine weitere Erholung. So wurde der Abschwung in der Sachgütererzeugung deutlich flacher. Im zweiten Quartal betrug er 2,2Prozent, im ersten hatte er noch 10,7Prozent ausgemacht.

Die Ökonomen sehen gute Chancen, dass sich die Lage im dritten Quartal weiter entspannen könnte: Die Produktionserwartungen haben sich verbessert, ein entsprechender Indikator zeigte im August das fünfte Mal in Folge nach oben. Nachdem man im ersten Quartal die Lager abgebaut hat, muss jetzt die Produktion wieder hochgefahren werden.

30Prozent mehr Arbeitslose

Auch die Nachfrage aus dem Ausland verschlechtert sich nicht mehr so stark wie noch im ersten Vierteljahr: Der Exportrückgang hat sich auf 2,3Prozent gegenüber dem Vorquartal abgeschwächt, im ersten Quartal betrug er 7,4Prozent.

Ein starker Impuls kam vom privaten Konsum, der real um 0,4 Prozent zulegte. Als Gründe sieht das Wifo die Steuerreform und die Verschrottungsprämie. Auch der Einzelhandel meldete Umsatzzuwächse, der Großhandel litt aber unter der Exportschwäche. Rückgänge gab es auch im Tourismus.

Auf dem Arbeitsmarkt sei überhaupt noch keine Besserung in Sicht, warnte das Wifo. Im August waren 238.800 Personen beim Arbeitsmarktservice (AMS) arbeitslos gemeldet, um 29,8Prozent mehr als vor einem Jahr.

Am Arbeitsmarkt könne es noch keine Entspannung geben, weil dieser der Konjunktur immer ein halbes bis ein dreiviertel Jahr hinterherhinke, stellt Bernhard Felderer, Chef des Instituts für Höhere Studien (IHS), fest.

Davon abgesehen zeigt sich der Ökonom überaus optimistisch: „Die Erholung übertrifft noch die Erwartungen der kühnsten Optimisten“, stellte er am Donnerstag am Rande eines Pressegesprächs zur aktuellen Konjunkturlage fest. Besonders in der Industrie zeige sich eine Verbesserung angesichts des steigenden Auftragseingangs. „Wenn sich die Industrie weiter so gut erholt, dann haben wir im Frühjahr 2010 das Schlimmste hinter uns“, sagte Felderer.

Sorge um Banken

Voraussetzung sei, dass nicht noch etwas ganz Schlimmes– wie der Zusammenbruch einer Großbank– passiere. Die Banken machen Felderer die größten Sorgen. Dort, wo die Krise ihren Ausgang genommen hat, seien die Probleme noch lange nicht bewältigt.

Am 25.September geben Wifo und IHS ihre neuen Prognosen für 2009 und 2010 bekannt. Diese dürfte deutlich besser ausfallen als vor drei Monaten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.09.2009)

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