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Auf Knopfdruck gesangliche Hochleistung

Nika Goric (l.) und Valentina Stadler beim Abschlusskonzert im Mozarteum.
Nika Goric (l.) und Valentina Stadler beim Abschlusskonzert im Mozarteum.© Salzburger Festspiele / Marco Borrelli
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Um den sängerischen Nachwuchs steht es bestens, wie der Abschlussabend des Young Singers Project im Mozarteum zeigte.

Es ist ein gnadenloses Setting: Genau eine Arie hat jeder Sänger, jede Sängerin Zeit, Eindruck zu machen. Raus auf die Bühne (wo immerhin das Mozarteum-Orchester und Adrian Kelly zur wohlwollenden und meist auch subtilen Begleitung warten), und auf Knopfdruck ansatzlos eine Hochleistung bringen. Das war am Donnerstag die Ausgangssituation beim Abschlusskonzert des Young Singers Project der Salzburger Festspiele. Und dann traten da der Reihe nach diese 13 jungen Solisten auf – und gingen förmlich über vor Freude an den eigenen stimmlichen Möglichkeiten. Der eine oder die andere machte aus der Not eine Tugend und schien die ganze Energie, die ein Sänger sonst auf einen Abend aufteilen muss oder kann, in diese eine Arie zu legen - und schoss dabei mitunter etwas übers Ziel hinaus. Man muss die Faktotum-Arie aus Rossinis „Barbier“ nicht als reinen, Dezibel-prallen Kraftakt über die Rampe schmettern, ein wenig (stimmlicher) Charme gehört da schon auch zur Aufgabenstellung.

Einige Namen dieses Jahrgangs (die Aufzählung ist unvollständig!) sollte man sich auf jeden Fall merken. Da ist etwa die kosovarische Sopranistin Elbenita Kajtazi, die ihre Ausbildung in Mitrovica begann (aus der geteilten Stadt mit ihren bis heute andauernden ethnischen Spannungen gibt es also auch gute Nachrichten!). Sie präsentierte die wandlungsreichste Stimme des Abends – und hat sich mit „Prendi, per me sei libero“ aus Donizettis „Liebestrank“ auch eine Arie ausgesucht, in der sie ihre ganze Ausdruckspalette trefflich ausspielen kann, vom bestimmten Forte, das auch in der Höhe ohne große Schärfe auskommt, bis zu einem schmeichelnden Piano, und alles mit sicherer Intonation. Überhaupt machte es Staunen, wie präzise fast alle diese jungen Sänger intonierten. Und wie furchtlos sie sich in die Kolloraturen stürzten, wie etwa die Venezianerin Miriam Albano (Mezzo), der es mit ihrem Mezzo vielleicht am besten gelang, den virtuosen Zierrat organisch einzubinden, als wäre es die normalste Art zu kommunizieren (bei einer Arie des Ramiro aus Mozarts "Finta Giardiniera" und später in einem Duett nochmals als Rossini-Rosina).

Stimmkraft plus Eleganz

Den Reigen stimmstarker Frauen setzte die Slowenin Nika Goric fort, die ihren so klug den Text ausdeutenden wie betörend geführten Sopran der Ilia aus Mozarts Idomeneo lieh. Auch Mimik und Gestik sind so wohl dosiert wie passgenau eingesetzt, und es fallen einem gleich ein paar Rollen ein, in der man diese Sängerin gerne hören würde (Pamina!). Aufs schönste mischte sich ihre Stimme auch mit dem später hinzutretenden angenehmen Mezzo von Valentina Stadler als Idamante.

Dann ist da der polnische Bariton Andrzej Filonczyk, der bei den Herren die vielseitigste Stimme präsentierte. Er fand für seine Rezitativ/Arie-Kombination aus Bellinis „I Puritani“ genau das richtige Maß aus Stimmkraft und Eleganz und gab am Ende im Duett mit Albina Latipova als Zerlina auch noch einen bühnenreifen Don Giovanni. Der Chinese Mingjie Lei wiederum ließ bei „Ich baue ganz auf Deine Stärke“ aus Mozarts „Entführung“ einen herrlich runden Tenor hören, der sich wie Balsam in die Gehörgänge einschlich. Auf Balsam, allerdings ebenso auf den hoch-dramatischen Ausbruch versteht sich auch die Ungarin Szilvia Vörös, deren Mezzo über den ganzen breiten Ambitus klangsatt und substanzreich klang.

Nein, um den Nachwuchs - der übrigens in Salzburg nicht nur bei einigen Produktionen eingesetzt wurde sondern auch von Größen wie Thomas Hampson oder Christa Ludwig unterrichtet wurde - muss man sich keine Sorgen machen.