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Bundesliga: Probleme und ein Punkt in Wien

SOCCER - BL, Rapid vs RBS
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Salzburg erspielte sich ein 0:0 bei Rapid, den amtierenden Meister aber plagt der Abgang Bernardos zu Leipzig. Trainer Garcia ist irritiert und enttäuscht.

In Salzburg rumort es. Das abermalige Scheitern in der Champions-League-Qualifikation hat bei Verantwortlichen und Spielern Spuren hinterlassen. International muss Österreichs Meister im Herbst einmal mehr mit der Europa League vorliebnehmen, das lässt den Fußballstandort Red Bull Salzburg an Attraktivität verlieren. Und so überraschte es nicht wirklich, dass der Klub Sonntagnachmittag, eine Stunde vor Beginn der Partie gegen Rapid, den Abgang von Mittelfeldspieler Bernardo bekanntgab. Der begabte Brasilianer soll künftig in Leipzig, also ebenfalls bei Red Bull, sein Glück finden. Salzburgs Trainer Oscar Garcia zeigte sich angesichts dieses Geschäfts keineswegs erfreut. „Es ist nicht einfach, damit umzugehen“, gestand der Spanier, der am Samstag vom bevorstehenden Transfer erfuhr. „Wir müssen unser Ziel ändern, jetzt sind wir mehr ein Ausbildungsverein.“


Bis 31. August ist das Transferfenster noch geöffnet, droht Salzburg also wie so oft in den letzten Wechselperioden ein Aderlass? Garcia dürfte einen solchen fürchten, er sagte: “Jetzt haben wir vielleicht zwei Lieferings, Liefering A und Liefering B. Wir versuchen, die Saison auf einem so guten Tabellenplatz wie möglich abzuschließen und junge Spieler zu entwickeln.“ Der ehemalige Barcelona-Profi konnte und wollte seine Enttäuschung nicht verbergen.


Christoph Freund, der sportliche Leiter des Vereins, war um Ruhe und Sachlichkeit bemüht. Selbstverständlich wolle man wieder Meister werden, nur sei es „nichts Selbstverständliches, auch wenn das andere gern so sehen.“ Natürlich hatte es, wie so oft, auch um Topstürmer Jonatan Soriano Gerüchte gegeben. Freund stellte klar: „Er bleibt, es gibt momentan auch keine Anfrage.“


Immer wieder Wanderson


Als hätte Salzburg nicht genügend Aufgaben zu bewältigen, sollte man Sonntagnachmittag auch noch bei Rapid bestehen. Bei den Hütteldorfern war die Stimmung vor dem Anpfiff eine ganz andere, eine viel bessere: Erfolgreiche Qualifikation zur Europa League, dazu ein geglückter Start in die Meisterschaft. Die neue Heimstätte trägt ebenso zum Hochgefühl bei. 25.300 waren diesmal gekommen, damit war das Allianz Stadion ausverkauft. Duelle zwischen Rapid und Salzburg versprechen nicht nur große Emotionen, sondern für gewöhnlich auch Tore. In den vergangenen vier Jahren hatte dieses Spiel nie torlos geendet.


Es war eine rassige, intensive und flotte Begegnung mit guten Szenen, wobei Salzburg die besseren Chancen vorfand. Berishas Freistoß knallte ans Lattenkreuz (17.), den schnellen Wanderson (20./30./43.) bekam Rapids Abwehr nie in den Griff. Die Grünweißen wurden nur einmal in der 43. Minute richtig gefährlich und hatten Pech: Einen Schuss von Joelinton aus kurzer Distanz parierte Walke, davor hatte Laimer ein Handspiel begangen – es hätte Elfmeter geben müssen.


Zufriedenheit auf beiden Seiten


Am Charakter des Spiels änderte sich auch danach nichts, in der 53. Minute agierte Laimer vor dem Tor zu zögerlich, kurz darauf war es erneut Wanderson, der nach einem Sprint über das gesamte Feld nur knapp verfehlte (54.). Auf der Gegenseite brachte Rapid abgesehen von einem Pavelic-Schuss nichts zustande (83.). „Beide Reihen haben relativ wenig zugelassen“, analysierte Rapid-Trainer Mike Büskens, der mit der Vorstellung seiner Elf aber nicht unzufrieden war. „Die letzten Wochen waren kräftezehrend, aber meine Spieler haben alles gegeben. Vielleicht hat heute der letzten Punch gefehlt.“

Auch Oscar Garcia resümierte positiv, wenngleich er in der Tabelle nach sechs Runden mit Salzburg „natürlich lieber Erster“ sein würde. Die Länderspiele begrüßte der Iberer: „Sie wird uns guttun.“

("Die Presse", Print-Augabe 29.08.2016)