Austria'09. Der Wiener Max Hollein (40) ist ein Museumsdirektor neuer Generation - extrem professionell und fasziniert vom Außerordentlichen. Er leitet erfolgreich die Schirn Kunsthalle und das Städel in Frankfurt.
Er gilt weltweit als einer der einflussreichsten Museumsdirektoren – seit 2001 leitet Max Hollein die Schirn Kunsthalle in Frankfurt und machte sie zur besucherstärksten Kunst-Institution der Region. 2006 übernahm er zusätzlich noch das Liebieghaus und das renommierte Städel Museum, das er gerade um einen unterirdischen Trakt für Zeitgenössisches erweitern lässt – Kostenpunkt 40 Millionen Euro.
Aber was hätte er sonst schon tun sollen, Hollein brauchte Platz – hat doch gerade erst die Deutsche Bank dem Städel Teile ihrer Kunstsammlung dauerhaft überlassen und stiften doch 34 Frankfurter Bürger aus ihrem Privatvermögen ein Ankaufsbudget von einer Million Euro pro Jahr... Krise? „Natürlich, man kann immer lamentieren, aber wir wollen ein Beispiel geben, dass eine Fortentwicklung möglich ist“, kontert Hollein. „Das Interessante an der Krise ist ja, dass das private Engagement für Kultur deutlich steigt, wenn man es schafft, den Leuten die Situation klarzumachen. Bestes Beispiel dafür ist die privat finanzierte Gründung des Museum of Modern Art New York 1929, in der tiefsten Rezession.“
In New York, Wien im Gespräch
1969 als Sohn eines berühmten Architekten in Wien geboren, ist Hollein das Paradebeispiel einer neuen Generation Museumsdirektoren, die sich vor allem durch hohe Professionalität auszeichnet. Am internationalen Parkett kann akzentfrei und eloquent parliert werden, man ist bestens sowohl mit Sponsoren, Politik als auch Künstlern und Galeristen vernetzt. Und er ist Kandidat für die „Wahl der Österreicher des Jahres“, die „Die Presse“ veranstaltet. Geprägt hat Hollein sicher sein erster Job nach dem Wiener Wirtschafts- und Kunstgeschichtestudium: In der Guggenheim-Foundation war er Mitte der 90er-Jahre mit wichtigen Projekten wie der Eröffnung der Filialen in Berlin und Las Vegas betraut. Aber: „Man soll diese Zeit nicht überbewerten“, meint er. „Ich gehe sicher nicht nur mit Managementgedanken an Ausstellungen heran. Aber selbst beim komplexesten und radikalsten Kunstwerk geht es letztendlich darum, es realisieren zu können.“Realisieren konnte er zuletzt etwas, an dem schon Kollegen wie Harald Szeemann scheiterten: Er bekam das Musterkunstwerk der chinesischen Kulturrevolution geliehen, die Skulpturengruppe „Hof für die Pachteinnahme“, bestehend aus 103 lebensgroßen Teilen. Im Herbst wird im Städel dann mit Botticelli aufgetrumpft, was wohl den Rekord der Cranach-Ausstellung mit über 200.000 Besuchern brechen könnte. Aber: „Es geht uns auf keinen Fall um Besuchermaximierung“, wiegelt Hollein die Frage nach den „Quoten“ sofort ab. „Mich interessieren in erster Linie sehr überraschende und eigenwillige Ausstellungen. Erst dann setzen wir alles daran, die Besucherzahlen dafür zu maximieren.“
Gibt es in dieser Vita auch Niederlagen? „Pausenlos. Mir fällt nicht jeder, von dem ich gerne eine Spende hätte, um den Hals“, so Hollein. „Im Großen und Ganzen haben sich unsere Ziele erfüllt.“ Holleins Händchen für Marketing, Sponsoren und richtige Themen ist bekannt, er gilt als eiserne Personalreserve, kommt bei der Nachbesetzung von Institutionen wie dem Metropolitan in New York, dem Kunsthistorischen in Wien ins Gespräch. Doch der Vater dreier Kinder nimmt seine Aufgabe in Frankfurt ernst. An der Verlängerung seines Ende 2010 auslaufenden Vertrags besteht kein Zweifel – „der Erweiterungsbau für das Städel treibt mich extrem an“, bestätigt er.
Reizt es ihn nicht, nach Österreich zurückzukehren? Immerhin kuratierte er 2005 Österreichs Biennale-Venedig-Beitrag und verantwortete eine der interessantesten Festivals für Kunst im öffentlichen Raum, „Kontracom“ in Salzburg. „Ich suche weniger die Aufgabe mit dem größten Repräsentationsaspekt, sondern die mit dem größten Gestaltungsspielraum. Ob das immer im Museumsbereich sein wird, ist wieder eine andere Frage.“ Eine Wohnung in Wien zumindest hat er noch.
Auf einen Blick
■Max Hollein leitet die Schirn Kunsthalle in Frankfurt und machte sie zu einem Besuchermagnet. Er ist einer der Kandidaten bei der Wahl der „Österreicher des Jahres“ in der Kategorie Kulturmanagement. Bis Freitag können „Presse“-Leser noch mitvoten.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.10.2009)