Zwei Brüder als Väter des steirischen Sauvignon Blanc

Erich und Walter Polz
Erich und Walter Polz (c) Polz
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Erich und Walter Polz gelten als die Wegbereiter des steirischen Weinwunders. In 30 Jahren machten sie aus einem kleinen Bauernhof ein Imperium aus Wein, Gastronomie, Hotellerie und Handel.

Wenn Erich Polz zurückdenkt, dann wirkt sie manchmal sogar für ihn fast unglaublich: die Geschichte von seinem Bruder Walter und ihm. Wie sie als Teenager 1977 erstmals am elterlichen Hof in Spielfeld angefangen haben. Vier Hektar Weingärten bewirtschaftete die Familie. Ein Buschenschank sorgte fürs Auskommen. Schon damals stellte sich der 17-jährige Erich eine Frage: „Was ist Qualität?“ Gemeinsam machten sich die Brüder auf die Suche.

Sie kelterten andere Weine. Keinen trocken-sauren Welschriesling, sondern gehaltvollen, aromatischen Sauvignon Blanc. 1984 füllten sie 400 Flaschen davon ab. „Wir brauchten ein ganzes Jahr, um 300 zu verkaufen. Den Rest haben wir wohl selbst getrunken.“

Fast zum Trotz pflanzten sie die Sorte weiter aus. Zwei Jahre später kam der Durchbruch. Erste Prämierungen, erste Schlagzeilen, erstmals gab es Polz-Wein in einem Haubenlokal. „Das war das Steirereck“, erinnert sich Erich Polz. Die Brüder erweiterten das Weingut auf zwölf Hektar und sicherten sich die besten Lagen der Region. Hochgrassnitzberg, Obegg und Theresienhöhe.

Imperium des Weins

Wer heute vom steirischen Wein spricht, denkt an Sauvignon Blanc. Und der Aufstieg der Winzerfamilie Polz spiegelt den Höhenflug der Südsteiermark wider. 110 Hektar zählen heute zum Imperium Polz. 70 Hektar in Spielfeld. Dann die 30 Hektar des übernommenen Weinguts Tscheppe in Leutschach. Und schließlich werden auch die zehn Hektar des Schlosses Seggau von den Brüdern bewirtschaftet.

Irgendwann war es zu mühsam und zu störend, wenn die Lastwagen die engen Straßen zum Weingut hinaufstotterten. Also baute man ein Weinlager bei Ehrenhausen-Vogau an der Südautobahn. Dort sollten Lieferanten und Großabnehmer die Waren abholen. Das Warenlager wurde zum Publikumsmagneten. In der „Vinofaktur“ werden mittlerweile etwa 1000 hochwertige landwirtschaftliche Produkte feilgeboten. Längst gibt es auch einen Ableger in Graz.

Zurück zum Wein: 2004 wagte die Familie Polz den Schritt über die Grenze und investierte ins slowenische Weingut Miro Vino. „Wir sind heute in den besten Restaurants Sloweniens vertreten“, sagt Polz.

Gastronomie und Wein waren der Schlüssel zum Erfolg. Deshalb haben die beiden den Schlüssel selbst in die Hand genommen, bauten das Weingut Tscheppe in Leutschach aus und schufen den Kreuzwirt am Pössnitzberg. Dort kocht Gerald Fuchs auf Dreihaubenniveau. Und wer noch ein Zimmer im angrenzenden Wein-Genuss-Hotel haben möchte, der muss frühzeitig reservieren.

Weinbau, Gastronomie und Hotellerie. Diese Symbiose setzen die Brüder seit wenigen Monaten auch im Freigut Thallern des Stifts Heiligenkreuz südlich von Wien um. Sie haben die Weingärten des Zisterzienserstifts gepachtet. Zurzeit bringen sie die erste Ernte ein. Wieder haben sich Erich und Walter Polz starke Mitstreiter angelacht. Karl Alphart und Leopold Aumann, zwei Topwinzer der Thermenregion, sind für die Weine verantwortlich. Und mit Willibald Balanjuk wird bald ein renommierter Weinmanager die Geschicke des Weinguts und des Gasthofes lenken. Bald schon wird man in den Gemäuern auch nächtigen können.

Aber eigentlich passen Kopfschütteln und Zurückdenken nicht zum Namen Polz. Viel eher Nachdenken und Vorausschauen. Das nächste Projekt? „Eine Ausstellung über Weinbau in der Vinofaktur“, sagt Erich Polz. „Nächstes Jahr.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.09.2009)

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