Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Porr-Chef Strauss: „Mineralölsteuer für Straßenbau“

Themenbild
(c) Stanislav Jenis
  • Drucken

Leichte Erhöhung und teilweise Zweckbindung brächten 800 Mio. Euro.

Wien. „Wir haben ein gutes erstes Halbjahr hinter uns und ein gutes zweites Halbjahr vor uns.“ Nicht viele Firmenchefs können das sagen – Karl-Heinz Strauss, Chef des Baukonzerns Porr, kann es. Immerhin hat der Konzern die Produktionsleistung um 11,1 Prozent auf 1,663 Mrd. Euro gesteigert, das Konzernergebnis wuchs um 50,2 Prozent auf 16,3 Mio. Euro. Ein Auftragsstand von 5,5 Mrd. Euro garantiert zudem Vollauslastung auf weitere zwei Jahre.

Aber es könnte noch besser laufen – vor allem im Tiefbau ortet Strauss auf dem Heimmarkt Österreich Nachholbedarf. Sein Vorschlag: „Wenn wir Teile der Mineralölsteuer zweckbinden, könnten wir alle Landes- und Gemeindestraßen instand halten und würden uns auch eine flächendeckende Maut sparen“, sagte Strauss am Dienstag im Klub der Wirtschaftspublizisten. Konkret meint Strauss, vier Cent pro Liter direkt aus der MöSt zu transferieren und zusätzlich die MöSt um vier Cent pro Liter zu erhöhen. Das sei so gering, dass das niemand spüre. Insgesamt würde das rund 800 Mio. Euro bringen.

Derzeit seien die Bundesländer wegen der Budgetrestriktionen oft nicht in der Lage, ihre Straßen zu erhalten. Spätestens alle drei Jahre müsste eine Straße aber saniert werden. Andernfalls sei ein zehnmal so teurer Neubau nötig.

Im Vorjahr spielte die MöSt rund 4,2 Mrd. Euro ein, geht aus Daten der Steuer- und Zollverwaltung vom Frühjahr hervor. Eine Erhöhung um vier Cent pro Liter Treibstoff würde daher rund 350 Mio. Euro zusätzlich bringen.

 

Teerag-Asdag wird integriert

Zurück zum Baugeschäft: Um in Österreich im Tiefbau mehr Schlagkraft zu bekommen, wird die seit 2011 gänzlich zur Porr gehörende Teerag-Asdag in die Porr aufgenommen. Davon verspricht sich Strauss hierzulande – aber auch im zweitwichtigsten Markt, Deutschland – einen einheitlichen Marktauftritt.

In beiden Ländern läuft der Hochbau sehr gut. Getrieben von der Migration und dem Wachstum der Städte gebe es genügend Aufträge und damit auch Vollauslastung. In Deutschland, wo die Porr unter den Top fünf ist, rechnet Strauss heuer mit knapp einer Milliarde Produktionsleistung: „Der Markt boomt und hat für uns große Priorität.“ Das betrifft neben dem Wohnbau auch Investitionen der Industrie sowie den enormen Nachholbedarf bei der Sanierung und Reparatur der Infrastruktur. Noch etwas komme der Porr in Deutschland zugute: der Niedergang von Konkurrenten wie Holzmann und Bilfinger. „Den Raum, den andere freigemacht haben, nutzen wir“, sagt Strauss dazu.

Was die anderen Auslandsmärkte betrifft, machen Polen, Norwegen und Katar Freude. In dem Golf-Emirat kann sich die Porr bis 2018/19 an einer Vollauslastung erfreuen. Schwerpunkt ist dort der Großauftrag für die U-Bahn im Volumen von rund 1,5 Mrd. Euro. Zudem wurde der Konzern als Systemlieferant mit der Errichtung der „festen Fahrbahn“ (Slab Track System) im gesamten U-Bahn-Netz von Doha betraut. Darüber hinaus baut die Porr bis 2018 am al-Wakrah-Stadion mit 46.000 Plätzen in Doha mit, das nach der Fußball-WM auf 23.000 Sitzplätze reduziert werden soll.

 

„Balkan ist Porr-frei“

Kein Thema seien indes die Vereinigten Arabischen Emirate, Russland und Finnland. Und: „Der Balkan ist Porr-frei“, sagt Strauss. Man habe sich aus Slowenien, Kroatien, Serbien, Bosnien, Mazedonien und Montenegro zurückgezogen. Bei Struktur, Compliance und Währungen funktioniere es dort nicht. „Die Container sind schon geklaut, noch bevor sie dort angekommen sind“, erzählt Strauss.

In der Slowakei hat es die Porr hingegen in eines der größten Private-Public-Partnership-Infrastrukturprojekte in Mitteleuropa gebracht. Der Zuschlag zur Autoumfahrung für Bratislava erfolgte im Mai, seit Juni ist auch die Finanzierung des rund eine Mrd. Euro schweren Vorhabens gesichert. Ein Land, das mittelfristig ein Thema sein könnte, sei indes der Iran.

Die guten Zahlen und die Aussicht auf eine höhere Dividende sowie eine Bestätigung der Kaufempfehlung durch die Baader Bank zog die Aktien um mehr als drei Prozent nach oben. (eid)

IN ZAHLEN

Der Baukonzern Porr hat im ersten Halbjahr die Produktionsleistung um 11,1 Prozent auf 1,663 Mrd. Euro gesteigert. Der Auftragsstand hat sich um 13,5 Prozent auf 5,5 Mrd. Euro erhöht. Netto verdiente der Konzern mit 14.473 Mitarbeitern 16,3 Mio. Euro, ein Plus von 50,2 Prozent.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.08.2016)