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Der schwimmende Konzertsaal

Der schwimmende Konzertsaal
(c) Martin Mai
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Martin Mai entwickelt innovative Boote, die zusammengekoppelt zur fahrenden Insel auf der Alten Donau werden – und dort für Erstaunen sorgen.

Wer in diesem Sommer an einem warmen Abend noch an der Alten Donau lag, wenn die meisten Badegäste schon nach Hause gegangen waren, dem wurde unter Umständen ein eigenartiges Schauspiel zuteil: Eine Art schwimmende Insel gleitet geräuschlos über das Wasser. In der Mitte, auf einer hölzernen Plattform, steht ein Streichquartett, das Melodien von Mozart, Haydn und Strauss spielt. Auf verschiedenartigen Booten, wie kleine Inseln rund um die Plattform angeordnet, lauschen die Gäste den Klängen.

Den schwimmenden Konzertsaal nennt Konstrukteur Martin Mai seine Erfindung. Die Idee entstand, weil der Wiener Zahnarzt seine beiden großen Leidenschaften verbinden wollte. Zum einen sind das Boote aller Arten und Formen – je ungewöhnlicher, desto besser. Zum anderen ist es klassische Musik, am liebsten Mozart.

Lang wurde geplant und getüftelt, im vergangenen Jahr setzte Mai sein Konzept schließlich um. Für die Gäste soll ein Abend im schwimmenden Konzertsaal aber nicht nur ein musikalisches, sondern auch ein kulinarisches Erlebnis sein. In Zusammenarbeit mit dem Arcotel wird den Passagieren darum ein Drei-Gänge-Menü serviert. Schon das Auftragen der Gerichte sorgt für Erheiterung bei den Besuchern, denn für das Personal ist der Weg von Boot zu Boot ein Balanceakt, die Befürchtung, ein Kellner könnte samt Brotkorb über Bord gehen, liegt nicht ganz fern. Auch kann es schon einmal passieren, dass der schwimmende Konzertsaal unbeabsichtigt ablegt, während noch nicht alle Mitarbeiter des Arcotel wieder von Bord gegangen sind. Das erfordert entweder Hechtsprünge, oder ein neuerliches Anlegen des Gefährts – in jedem Fall sorgt es für Gelächter.

 

Zuhörer müssen navigieren

„Hier spricht Ihr Kapitän“, sagt Mai, bevor er ablegt und seine Gäste über das Kaiserwassser hinaus auf die Alte Donau bis zur Wagramer Brücke schifft. Mit drei Knoten bewegt sich der Schubverband voran. Weil die ganze Konstruktion in ihrer vollen Breite nicht durch den schmalen Donauarm passt, müssen einige Boote kurzzeitig abgekoppelt werden und ihre Passagiere eigenständig navigieren. „Das schafft man schon ab vier Jahren“, sagt Mai beruhigend, wenn jemand die Befürchtung äußert, der Seefahrt nicht mächtig zu sein. Und tatsächlich: Die Konstruktionen des begeisterten Technikers lassen sich über eine Art Joystick, wie man ihn vom Computerspielen kennt, so einfach steuern, dass niemand auf der Donau verloren geht.

Neben seinem schwimmenden Konzertsaal hat Mai noch viele andere Ideen. Bereits umgesetzt ist etwa sein sogenannter Hubschrauber. Dabei handelt es sich um einen Katamaran, der in Gestalt eines Hubschraubers über das Wasser fährt. In ebendiesem wird die Nachspeise für die Konzertbesucher mitten auf die Donau angeliefert. „Ich wette, das ist das erste Dessert, das Sie von einem Hubschrauber serviert bekommen“, sagt Mai und freut sich über die Begeisterung seiner Gäste. Er selbst liebt besonders den Halt der schwimmenden Insel unter der Wagramer Brücke. „Dort ist die Akustik ganz besonders“, erklärt er. „So einen Konzertsaal gibt es auf der ganzen Welt nur einmal.“

 

Große Pläne für die Zukunft

Der Schubverband der Boote kann aber nicht nur als Bühne für klassische Musik genutzt werden. Auch Seminare und sogar Yogakurse werden zum Erstaunen der Passanten auf der Alten Donau angeboten. Auch für die Zukunft gibt es große Pläne: Der Traum des Konstrukteurs ist es, ein Hotel auf dem Wasser zu errichten, das vollständig energieautark ist. „Jeder redet immer nur davon, dass er etwas für die Umwelt machen möchte“, sagt Mai. „Ich mache mit meinen Händen das, was ich machen kann.“

Nach zwei erfolgreichen Saisonen mit ausschließlich ausverkauften Konzerten legt der schwimmende Konzertsaal im kommenden Juli wieder ab. Zwei Monate lang bietet Mai außerdem jeden Donnerstagabend ein After-Work-Chill-out an, bei dem das Streichorchester durch Bands ersetzt wird.

ZUR PERSON

Martin Mai betreibt die Bootsvermietung Schinakl im 22. Wiener Gemeindebezirk. Mit seinen innovativen Booten, die modular zu unterschiedlichen Konfigurationen aneinandergedockt werden können, sorgt er für Aufsehen an der Alten Donau. Die nächsten Konzerte sind für Juli 2017 geplant. Ein Konzertticket mit dreigängigem Dinner kostet 74 Euro, ohne Dinner 49 Euro. www.floating-concert.com [ Privat ]

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.09.2016)