Was man bei Unternehmensanleihen beachten sollte, und warum ein Biss in den Apple finanziell gesund sein könnte.
Weil Sparbücher zu wenig bringen und Aktien für viele Anleger trotz beeindruckender Kursanstiege in jüngster Zeit zu heiß sind (was diese, ganz nebenbei, schon eine ziemliche Stange Geld an verlorenen Gewinnen gekostet hat), werden Unternehmensanleihen auch bei Privatanlegern immer beliebter. Das Segment boomt. In der kommenden Woche steht beispielsweise die Handelskette Spar mit einer Emission („Die Presse“ berichtete) an, die sich mit einer 500-Euro-Stückelung dezidiert an Kleinanleger wendet.
Ist diese Anlageform sinnvoll? Natürlich, aber einige Vorsichtsregeln sollte man schon beachten. Immerhin stecken wir in einer ziemlich schweren Krise, die noch keineswegs zu Ende ist. Trotz aller euphorischen Meldungen, die Wirtschaftsforscher jetzt ablassen, ist von einem Aufschwung noch nichts zu sehen. Lediglich der tiefe Absturz ist gestoppt. Auch große Unternehmen haben noch lange Zeiten der finanziellen Dürre vor sich. Experten fürchten, dass die Insolvenzwelle erst so richtig in Gang kommt.
Wer also einem Unternehmen Geld leiht, sollte halbwegs sicher sein, dass es seinen Schuldner zum Ende der Anleihelaufzeit noch gibt. Denn der Sekundärmarkt ist kein wirklich guter Handelsplatz, wenn das betroffene Unternehmen schon im Gerede ist. Und er sollte darauf achten, dass der Risikoaufschlag gegenüber Staatsanleihen lukrativ genug ist.
Derzeit liegt der Zinskupon österreichischer Bundesanleihen bei rund 3,4 Prozent (fünfjährige Laufzeit) beziehungsweise 4,3 Prozent (zehnjährige Laufzeit). Ein zehnjähriger Corporate Bond sollte also schon recht deutlich über fünf Prozent bringen, wenn das erhöhte Risiko halbwegs abgegolten werden soll.
Um dieses halbwegs einzuschätzen, werden die Schuldverschreibungen großer Unternehmen geratet. Man kann allerdings keinem Anleger verdenken, wenn er die Beurteilungen jener Institute, die Lehman Brothers wenige Tage vor dem Konkurs noch mit dem höchsten Bonitätslevel in den Ratinglisten hatten, eher nicht vertrauenswürdig findet. Da bleibt also wohl nichts übrig, als die Unternehmen, denen man Geld borgen will, sorgfältig unter die Lupe zu nehmen.
Bei Spar werden sich Anleger um die Bonität wohl keine großen Sorgen machen müssen. Das Unternehmen ist auch in der Krise hervorragend aufgestellt. Die Anleiherendite von 4,715 Prozent (5 Prozent Verzinsung, 101,245 Prozent Ausgabekurs) ist zwar nicht übertrieben üppig, der Abstand zur fünfjährigen Bundesanleihe scheint aber fair zu sein.
Genau rechnen sollten auch Goldinvestoren. Der Goldpreis hat in der Vorwoche ja, wie am letzten Sonntag vorausgesagt, die 1000-Dollar-Marke geknackt. Wie bei den beiden vorangegangenen Angriffen auf diese Schwelle ist er aber auch diesmal wieder abgeprallt. Wer physisches Gold kaufen will, kann jetzt durchaus warten, bis das Edelmetall unter 950 Dollar rutscht. Auf dem Niveau knapp unter 1000 Dollar ist das Ganze kein Geschäft. Zumal ja der Goldpreis ziemlich stark mit dem Dollarkurs – in die jeweils andere Richtung – korreliert. Wer sich die Mühe macht, die Preisentwicklung auf Eurobasis anzusehen, relativiert die in der Vorwoche verschiedentlich gelesenen Schlagzeilen von der „Rekordjagd“ des Goldpreises ohnehin: In Euro liegt der Goldpreis weit unter dem heuer schon erzielten Höchstwert. Und für Anleger, die nicht über ein Dollarkonto verfügen, zählt einzig und allein die Euronotierung.
Der vorübergehende Rückschlag beim Goldpreis zur Wochenmitte hat natürlich auch die Minenaktien getroffen. Die in der Vorwoche empfohlene Rubicon Minerals(ISIN CA 7809111031) hat den Rückschlag aber überraschend schnell kompensiert. Ein Indiz für die Stärke des Papiers, das als eine der wenigen Aktien von der Krise nicht viel mitbekommen hat und weit über dem Vorjahresniveau notiert. Die Aktie ist auch auf diesem Niveau noch einen Einstieg wert, allerdings sollte man den Kurs dann etwas genauer beobachten.
In Deutschland ist die Aktie des Technologiekonzerns Jenoptik(ISIN DE0006229107) in der vergangenen Woche geradezu dramatisch abgefahren, nachdem das Unternehmen eine Bundesbürgschaft bekommen und gleichzeitig ein größeres Kostensenkungsprogramm angekündigt hat. Das Papier ist sehr interessant, nach dem starken Anstieg der letzten Woche ist aber ein überstürzter Einstieg nicht sinnvoll. Man sollte den Wert aber im Auge behalten – und zuschlagen, falls sich der Kurs über vier Euro festkrallt. Charttechnisch wäre dann noch einiges drin.
Wer es kursmäßig gemütlicher mag und frühere Einstiegsmöglichkeiten (von denen es in den vergangenen Monaten einige gegeben hat, auch die „Presse am Sonntag“ hat die Aktie schon vor einiger Zeit empfohlen) versäumt hat, dem tut sich jetzt wieder eine Gelegenheit bei Apple(ISIN US037831005) auf. Die Rückkehr des charismatischen Firmengründers Steve Jobs auf die Bühne und die Ankündigung neuer iPods und eines Tablet-computers haben die Apple-Fangemeinde wieder in Verzückung gebracht und dem Aktienkurs gut getan.
JP Morgan hat die Aktie des iPod-Herstellers in der Vorwoche deshalb erneut ein „Overweight“ verpasst. Sollten die Neuentwicklungen tatsächlich noch rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft in den Handel kommen, dann hat die zuletzt kontinuierlich gestiegene Aktie durchaus noch Fantasie.
josef.urschitz@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.09.2009)