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Ohne Job und ohne Kind

Ein unerwarteter Verlust des Arbeitsplatzes senkt die Geburtenraten der betroffenen Frauen um bis zu zehn Prozent.

Die Zahl der Unternehmenspleiten steigt, mehr und mehr Menschen verlieren ihren Job. Das hat immense Auswirkungen: von wirtschaftlichen Einbußen über persönliche Enttäuschungen und Ängste bis hin zu Veränderungen der Fruchtbarkeit. Man könnte erwarten, dass arbeitslos gewordene Frauen sich denken: So, jetzt hätte ich Zeit für Nachwuchs. Doch weit gefehlt: Wie Linzer Forscher gemeinsam mit Kollegen aus Essex und Berkeley herausgefunden haben, ist die Geburtenzahl bei Frauen, die ihre Arbeit verloren haben, um fünf bis zehn Prozent niedriger – und zwar nicht nur kurzfristig. „Wir konnten diesen Effekt sogar noch neun Jahre nach der Kündigung nachweisen“, berichtet Rudolf Winter-Ebmer, Ökonom an der Universität Linz.

Herausgefunden haben sie das – unterstützt vom Wissenschaftsfonds FWF – durch die Analyse von Daten des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger. Durch eine „Matching-Methode“ wurden Paare von Frauen gebildet, die ein ähnliches Profil aufweisen, aber nur eine der beiden war von einem Jobverlust nach Firmenkonkurs betroffen.

Ökonomen kennen vier Wege, wie Arbeitslosigkeit die Geburtenrate beeinflusst: über das aktuelle Einkommen, „Opportunitätskosten“ (während der Arbeitslosigkeit ist Zeit weniger wert), Verlust von zukünftigem Einkommen und die Wahrscheinlichkeit, wieder Arbeit zu finden. Durch die Größe des Datensatzes – er spiegelt die Lebensumstände hunderttausender Frauen wider – konnten die Effekte klar auseinandergehalten werden.

Die Forscher können sogar sagen, welche Frauen besonders betroffen sind: Vor allem besser ausgebildete Frauen mit höherem Einkommen entscheiden sich nach einer Kündigung gegen Kinder. Bei Frauen, deren Karrieren sich rasant entwickeln (und die zuletzt starke Gehaltszuwächse erreichen konnten), ist der Knick nach Kündigung am stärksten: In dieser Gruppe gab es im Vergleich zu beschäftigten Frauen um 25Prozent weniger Geburten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.09.2009)