Kontroverse Diskussion zu Opel-Magna auch in Österreich. Während Autoexperte Sihn ein hohes Risiko ortet, sieht Wirtschaftsminister Mitterlehner die Chancen der Übernahme überwiegen.
Der geplante, aber noch nicht vollzogene Verkauf des deutschen Autobauers Opel an ein Konsortium aus Magna und der russischen Sberbank erregt auch in Österreich die Gemüter. Österreichs Industrie, dessen automotive Unternehmen von der Krise ebenfalls schwer getroffen sind, könnte durchaus Vorteile aus einem Zuschlag für Magna ziehen. Österreich wird sich einer entsprechenden Beteiligung etwa bei den staatlichen Milliardenhaftungen aber letztlich nicht entziehen können. "Österreich ist stark im automotiven Bereich vertreten und wir können hier nicht so einfach aussteigen", sagte Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (V) in einer "Im Zentrum"-Diskussion im ORF-Fernsehen am Sonntagabend.
Mitterlehner, der die Chancen des Deals überwiegen sieht, machte freilich auch klar, Wien werde die europäische Diskussion dazu abwarten und sich "defensiv" verhalten. Sogenannte verlorene Zuschüsse (nicht-rückzahlbare Förderungen; Anm.) kämen ohnedies nicht infrage. Die ordnungspolitische Frage, ob es richtig sei, mit Milliarden an Staatsgeldern das Unternehmen vor dem Aus zu retten ist für ihn "nicht abschließend beantwortbar"; die staatlichen Hilfsgelder könnten im besseren Fall mithelfen, eine "sanfte Restrukturierung" des Autosektors zu erreichen, meinte er.
Ein hohes Risiko ortete Wilfried Sihn, Autoexperte an der Technischen Universität Wien in dem Deal: "Es gibt sehr viele kritische Punkte. Wenn einige davon nicht funktionieren, kann Magna ein Riesenproblem bekommen", meinte er. Das Geschäft sei extrem kompliziert, die Interessen der Beteiligten heterogen. ORF-Russland-Korrespondentin Susanne Scholl wies darauf hin, dass es der russischen Seite um Technologietransfer, aber auch die Schaffung von Arbeitsplätzen in Russland gehe. Russland sei als Automarkt durch die fehlende Verkehrsinfrastruktur gehandicapt.
Positiv beurteilte der frühere Steyr-Daimler-Generaldirektor Rudolf Streicher die Ausgangslage für das Gelingen der Transaktion. Die technologische Substanz Opels sei gut, die Business-Vorausschau "plausibel": "Die Marke Opel habe auch in Russland eine "realistische Chance", so der Ex-Verkehrsminister (S). Der frühere Opel- und General-Motors-Manager Fritz Indra verwies ebenfalls auf die starke technische Basis, die der deutsche Autobauer habe - man müsse die technologischen Entwicklungen nur zulassen bzw. finanzieren, meinte er in Anspielung auf die lange fremdbestimmte Rolle Opels im US-amerikanischen GM-Konzern.
Das GM-Motoren- und Getriebewerk in Wien-Aspern sieht Indra nicht wirklich gefährdet, "solange die Magna-Variante zum Tragen kommt". Hätte der Fiat-Konzern, der bereits in einer früheren Phase aus dem Bewerberkreis ausgeschieden war, den Zuschlag bekommen, wäre Aspern wahrscheinlich zugesperrt worden, meinte er.
(APA)