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Zeman empfängt Hofer: „Ich mag die Grünen nicht“

Archivbild: Norbert Hofer
Archivbild: Norbert HoferAPA/HANS PUNZ
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Der polternde sozialdemokratische Präsident Miloš Zeman gibt FP-Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer am Montag eine Audienz.

Wahlkampfhilfe vom einstigen Jörg-Haider-Feind für Norbert Hofer: Tschechiens Staatsoberhaupt, Miloš Zeman, wird am Montag den FPÖ-Präsidentschaftskandidaten, Norbert Hofer, auf der Prager Burg empfangen. Hofer hatte nach Informationen der „Presse“ den Termin privat über einen Freund eingefädelt und in einem E-Mail auch den österreichischen Botschafter in Prag (und früheren Protokollchef von Ex-Präsident Heinz Fischer), Alexander Grubmayr, um Unterstützung gebeten. Zeman soll sofort zugesagt haben.

In Prag heißt es offiziell, Hofer bekomme die Audienz bei Zeman als „eines der drei Mitglieder der derzeitigen kollektiven Führung der Republik Österreich“, wie ein Sprecher des tschechischen Staatsoberhaupts erklärt hat. Das löste in Wien etwas Verwunderung aus. Denn Hofer hatte versprochen, im Wahlkampf keine repräsentativen Funktionen als interimistisches Staatsoberhaupt wahrzunehmen. Die Parlamentsdirektion war denn auch nicht über die Reise des dritten Nationalratspräsidenten informiert. „Norbert Hofer fliegt als Norbert Hofer nach Prag“, sagte dessen Sprecher, Martin Glier, schließlich gegenüber der „Presse“.

Der tschechische Präsident hattedie Annullierung der Präsidentschaftswahlen im Nachbarland begrüßt und sich als Hofer-Anhänger im Rennen mit Alexander Van der Bellen geoutet. Dem Prager Radiosender Impuls sagte Zeman: „Ich bestreite nicht, dass ich Fan von Herrn Hofer bin. Die Grünen mag ich schlichtweg nicht.“ Das kommt dem FPÖ-Kandidaten zupass. Hofer will mit seinen Reisen, zuletzt auch nach Slowenien und Kroatien, vermitteln, dass er trotz aller Kritik auch im Ausland wohlgelitten ist.

Früher, in seiner Amtszeit als sozialdemokratischer Regierungschef, mochte Zeman die Freiheitlichen nicht. Zur Erinnerung: Als im Februar 2000 in Wien eine schwarz-blaue Regierung unter Kanzler Wolfgang Schüssel und der FPÖ-Vizekanzlerin Susanne, Riess-Passer, angelobt wurde, geriet Europa in Aufruhr. Die damaligen EU-14 beschlossen bilaterale Boykott-Maßnahmen gegen Österreich: Über sieben Monate hinweg herrschte Eiszeit. Die bilateralen Beziehungen zwischen Österreich und den restlichen 14 EU-Ländern wurden eingestellt. Seinerzeit schloss sich überraschend auch das Noch-nicht-EU-Mitglied Tschechien unter Zeman freiwillig und ohne Not den Sanktionen gegen Wien an – als einziges EU-Beitrittskandidatenland damals.

Der Empfang Zemans für Hofer ist aber nicht nur eine Art Wiedergutmachung für die einstige strikte Ablehnung der Freiheitlichen. In Hofer sieht der tschechische Präsident einen perfekt Gleichgesinnten in der Flüchtlingsfrage. Zeman warnte vor einer „organisierten Invasion“ von Flüchtlingen, bezeichnete die Integration von Muslimen als „praktisch unmöglich“ und forderte die massenweise Deportion von Wirtschaftsmigranten.

Um einer aufkeimenden Kritik an der eventuellen Wahlkampfhilfe Zemans für Hofer sofort den Wind aus den Segeln zu nehmen, erinnerte der Präsidentensprecher daran, dass sich schließlich auch der (von Zeman herzlich ungeliebte) tschechische Premier, Bohuslav Sobotka, schon mit Alexander Van der Bellen in Wien getroffen habe. Was er nicht sagte: Dieses Treffen fand nach der Wahl Van der Bellens zum Bundespräsidenten statt, nicht mitten in dessen Wahlkampf.