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Mehr Ethik in der Schule

Der Schulversuch Ethik sollte voll in das Schulsystem implementiert werden und so zu besserer Werteerziehung führen.

Die Themen Flüchtlinge, Einwanderer, Integration, Asyl stehen in der breiten österreichischen Öffentlichkeit auf der Topliste des Interesses. In engstem Zusammenhang damit steht das Thema Bildung. Politiker und Parteien machen sich dazu aber viel zu wenig Gedanken.

Die große Frage, die sich mir als aktiver Lehrer mit dem Unterrichtsfach Ethik stellt, lautet: Was macht der Staat mit den Kindern und Jugendlichen, die aus den Familien der Einwanderer, Flüchtlinge, Asylbewerber aus den unterschiedlichsten Ländern mit den verschiedensten Vorstellungen von Kultur, Religion, Werten, Moral an unsere Schulen kommen?

Aus meiner Sicht tut das Bildungsministerium nichts, um hier in kompetenter Weise aktive Maßnahmen für die Integration und Werteerziehung dieser jungen Menschen zu setzen. Als ein erster und wichtiger Schritt in Richtung Integration dieser Schüler sollte die sofortige Einführung des Ethikunterrichts an allen Schulen in Österreich sein. Eine solche gesetzliche Maßnahme sollte aber auch für alle österreichischen Schüler gelten, die keinen konfessionellen Religionsunterricht besuchen – und nicht nur für jene Einwandererkinder.

Es geht im Ethikunterricht um die Jugend, die sich mit den Fragen Identität, Persönlichkeitsentwicklung, Leben in Gemeinschaft, Leben in der Umwelt (Tierethik etc.), Kommunikation und Auseinandersetzung mit den Denkweisen anderer Religionen und Weltanschauungen auseinandersetzt und hier Unterstützung und Impulse erhält, um ihren Alltag besser bewältigen zu können.

Politiker und ihre Bildungspolitik dürfen da auf keinen Fall inaktiv bleiben. Es geht um die Zukunft und eine positive Weiterentwicklung der Gesellschaft in unserem Land. Jeder Rechtsstaat baut seine Gesetze und Rechtsnormen auf dem Fundament der ethisch-moralischen Vorstellungen seiner Bevölkerung auf. Selbstverständlich bedarf es auch deren Anerkennung durch alle Bürger und ebenso all jener, die zu uns in unser Land kommen. Diese gemeinsamen ethisch-sittlichen Wertvorstellungen bedürfen aber der Pflege, Bildung und Vermittlung durch unser Bildungssystem.

Was hier so selbstverständlich klingen mag, scheint die Politik bis jetzt zu ignorieren. Schon längst hätten Regierung und Parlament hier reagieren müssen und diesen jahrzehntelang bewährten Schulversuch des Ethikunterrichts an allen Schulen in Österreich gesetzlich einführen müssen.

Seit 1997 gibt es diesen Schulversuch an einigen Schulen der Oberstufe. Im Schuljahr 1999/2000 wurde der Ethikunterricht von Universitätsprofessor Anton Bucher im Auftrag des Bildungsministeriums evaluiert. Dieses Fach hat sich erfolgreich bewährt, das bestätigt auch diese Studie. In Ethik treten jedes Jahr viele Schüler zur Matura an und absolvieren sie erfolgreich. Aber wann wird dieses so wichtige Fach der Ethik und Wertevermittlung, Lebensorientierung und Persönlichkeitsbildung endlich in das Schulsystem implementiert?

Es warten viele Lehramtsstudenten darauf, dass sie ein Studienfach Ethik belegen können, aber es gibt derzeit an den österreichischen Universitäten und Hochschulen kein solches Lehramtsstudium. Auch hier besteht bei der Bildungspolitik dringender Handlungsbedarf.

Der Autor studierte katholische Theologie (Religionspädagogik) und unterrichtet seit zehn Jahren an drei Salzburger Schulen Ethik.

E-Mails an: debatte@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.09.2016)