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Prag: Zeman will mit Hofer über Flüchtlinge sprechen

Miloš Zeman
Miloš ZemanAPA/AFP/MICHAL CIZEK
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Der tschechische Präsident und der FPÖ-Kandidat hätten "realistische Ansichten zur Migrationskrise". Eine tschechische Zeitung sieht in dem Besuch Hofers in Prag das "wohl größte diplomatische Malheur".

Tschechiens Präsident Milos Zeman gibt dem FPÖ-Präsidentschaftskandidaten Norbert Hofer vor der Wahlwiederholung am 2. Oktober Schützenhilfe. Am kommenden Montag in Prag will er mit ihm vor allem über die Flüchtlingskrise reden, bestätigte Zemans Sprecher Jiri Ovcacek der tschechischen Tageszeitung "Lidove noviny" am Donnerstag. Beide Politiker hätten "realistische Ansichten zur Migrationskrise".

Über den diplomatischen Status des Hofer-Besuchs herrschte zunächst Verwirrung. Laut FPÖ tritt er die Reise als Dritter Nationalratspräsident an, die Parlamentsdirektion in Wien stellt dies hingegen in Abrede. Zemans Sprecher sprach im Vorfeld von dem Kandidaten als "Mitglied der kollektiven Führung Österreichs".

Hofer ist bis zur Bundespräsidentenstichwahl mit Alexander Van der Bellen und der Angelobung des Gewinners gemeinsam mit den beiden anderen Nationalratspräsidenten, Doris Bures (SPÖ) und Karlheinz Kopf (ÖVP), interimistisches Staatsoberhaupt der Republik Österreich. Hofer hatte bei seiner Amtsübernahme jedoch versprochen, den Wahlkampf strikt von seiner offiziellen Funktion zu trennen.

Zeitung kritisiert "das wohl größte diplomatische Malheur"

"Lidove noviny" kritisierte in einem Kommentar das geplante Treffen als "das wohl größte diplomatische Malheur". "Die Einladung von Herrn Hofer drei Wochen vor der Wahl ist grausame Willkür", schrieb das Blatt.

Auch Ex-Außenminister Karel Schwarzenberg übte Kritik an dem Treffen laut Nachrichtenagentur dpa: "Dass sich Zeman und Hofer in vielen Dingen einig sind, weiß ich seit langem, aber mir wäre nicht eingefallen, dass sie dies unmittelbar vor den Wahlen auf diese Weise öffentlich demonstrieren", sagte der Parlamentsabgeordnete der Oppositionspartei TOP 09 und früherer Gegenkandidat Zemans bei den tschechischen Präsidentschaftswahlen 2013.

Allerdings wagte auch Hofers Kontrahent Alexander Van der Bellen schon den Besuch in Tschechien: "Der tschechische Premier Bohuslav Sobotka hat sich am 24. Juni auch mit Alexander Van der Bellen in Wien getroffen", betonte am Mittwoch bereits der tschechische Botschafter in Wien, Jan Sechter.

(APA/Red.)