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Die neue Gentechnik bittet zu Tisch

CRISPR
(c) Stefan Jansson
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Erstmals verzehrte ein Forscher öffentlich Gemüse, das mit dem Verfahren CRISPR verändert war.

„Das ist der Tag! Gustaf Klarin von Radio Schweden begleitet mich in diesem wohl historischen Moment: Ich werde das erste Essen mit ,Pflanzen der Zukunft‘ kochen: Tagliatelle mit CRISPY fried Gemüse“. Das schrieb Botaniker Stefan Jansson am 16. 8. in seinem Blog, nun verbreitete auch seine Universität – Umeå – die Kunde. Umeå wurde bekannt, als dort Emmanuelle Charpentier 2012 das Verfahren mitentwickelt hat, das die Gentechnik revolutioniert hat: Es heißt CRISPR und ermöglicht, punktgenau in Genome einzugreifen, Stücke herauszuschneiden oder zu ersetzen.

Die Anwendungen sind unüberschaubar, man will etwa Krebszellen so ändern, dass sie sterben, an Mäusen ist es gerade gelungen (Nature Methods 5. 9.). CRISPR geht auch bei Pflanzen, eine hat Jansson mit seinem Gast verkostet, einen Kohl. Er hat ihn nicht selbst verändert, sondern Kollegen, die ungenannt bleiben wollen. „Aber so viel kann ich Ihnen sagen: Es wurde eine Region eines Gens gelöscht, das mit Wachstum zu tun hat.“ Der Eingriff zielte nicht auf Steigerung, er war Grundlagenforschung, der Kohl gedieh eher mäßig in Janssons Garten. Aber er mundete: „Sogar Gustaf dachte, dass er das beste Gemüse auf dem Teller hatte.“

 

Ist es Gentechnik oder nicht?

Das Ganze war nicht irgendein Mahl. „Es ist das erste Mal, dass das öffentlich (und legal) gemacht wurde“, erklärt Jansson. Weltweit wissen Behörden nicht, wie sie mit CRISPR-Pflanzen umgehen sollen: ob sie zur Gentechnik gehören und unter deren Regelungen fallen. In dieser sind Fremdgene im Spiel, etwa jene von Viren, die erwünschte Gene in ein Genom transportieren. Bei CRISPR nicht. Deshalb tut sich etwa die EU schwer: „Es ist ein Graubereich“, erklärt Helmuth Gaugitsch vom Umweltbundesamt, „die EU-Kommission hat ihre lang erwartete Rechtsmeinung noch nicht veröffentlicht.“ In Schweden ist CRISPR keine Gentechnik, auch US-Behörden sahen das im Frühjahr bei einem CRISPR-Pilz so. Auf einen Grund für die Unschlüssigkeit etwa in Brüssel weist Janssons hin: „Wenn man nicht sagt, welches DNA-Stück mit CRISPR gelöscht wurde, kann man es unmöglich herausfinden. Man kann die Löschung nicht von natürlichen unterscheiden.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.09.2016)