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Wiener Schule: Neue Kopftuchdebatte

Muslimische Lehrerin
(c) AP (MORRIS RICHARDSON II)
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An einer Wiener Schule tritt ab Mittwoch eine muslimische Lehrerin mit Kopftuch ihren Dienst an. Explizit verboten ist das nicht, für Schülerinnen gibt es einen Erlass, der das Kopftuch erlaubt.

Wien. Die Schüler kennen sie noch nicht, ihre Lehrerkollegen auch nicht – und doch sorgt eine neue Lehrerin, die ab Mittwoch an der Kooperativen Mittelschule Kölblgasse in Wien unterrichten wird, schon für Diskussionen: Als gläubige Muslimin wird sie im Unterricht nämlich ein Kopftuch tragen.

Dass diese Tatsache schon im Vorfeld für Aufregung sorgt – die Wiener FP will von angeblich „großer Unruhe“ an der Schule gehört haben – zeigt, dass kopftuchtragende Frauen als Lehrerinnen (wie in anderen Berufen) nach wie vor die große Ausnahme sind. An Wiens höheren Schulen gibt es laut Stadtschulrat gar keinen Fall, an den Pflichtschulen tragen nur zwei Lehrerinnen ein Kopftuch. Probleme oder Beschwerden gebe es nicht.

Dass die Lehrerin, eine gebürtige Österreicherin, auffallen wird, weiß der Direktor der KMS, Heribert Landt. Von angeblich verunsicherten Eltern und Schülern hat er nichts mitbekommen. Das sei gar nicht möglich, sagt er, weil die Lehrerin – sie wird Deutsch und Textiles Werken unterrichten – erst ab Mittwoch im Dienst ist und „die Eltern und Kinder noch gar nichts von ihr wissen“. Er habe mit dem Kopftuch kein Problem, sagt Landt. In Zeiten des Lehrermangels an Pflichtschulen „sind wir froh, wenn wir Kollegen bekommen, egal, ob mit oder ohne Kopftuch.“

Explizit verboten ist das Tragen des Kopftuchs für Lehrerinnen nicht – anders als in einigen Bundesländern Deutschlands. Für Schülerinnen gibt es einen Erlass des Unterrichtsministeriums, der das Kopftuch erlaubt. Und der, so ein Stadtschulratssprecher, „bezieht sich wohl auf den gesamten Schulbereich“.

Auch in anderen Bereichen ist das Tragen von Kopftüchern per Gesetz nicht genau geregelt. Bekommt eine Muslimin wegen ihres Kopftuchs einen Job nicht, verstößt dies gegen das Gleichbehandlungsgesetz. In der Theorie.

 

Premiere in der Straßenbahn

In der Praxis sind kopftuch- (oder gar burka-)tragende Frauen in der Arbeitswelt nach wie vor rar. Im Supermarkt oder in Banken sind sie meist nur in Bereichen ohne Kundenkontakt tätig. Die Wiener Linien und der Krankenanstaltenverbund sind zwei der wenigen Großbetriebe, die das Tragen ausdrücklich erlauben. In den KAV-Spitälern versehen einige wenige Frauen ihren Dienst mit Kopftuch. Wie viele genau, sei nicht erfasst, sagt ein Sprecher, da „Religion Privatsache ist.“ Sofern es nicht den Hygienevorschriften widerspreche (etwa im OP) dürfe jeder seine Religion ausüben. Bei den Wiener Linien sorgte im Vorjahr die erste Straßenbahnfahrerin mit Kopftuch für Aufregung. Der Wirbel habe sich gelegt. Aber, sagt ein Sprecher, „es ist für sie wahrscheinlich nicht leicht, gewisse Kommentare wegzustecken.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.09.2009)