Was wurde aus . . .? Die Karrieren der Hauptakteure des Innsbrucker Parteitags nach Stegers tiefem Sturz.
Norbert Steger. Der gestürzte Parteichef ging zurück in seine Anwaltskanzlei, erst nach Haiders Unfalltod hat er sich wieder der FPÖ angenähert und vertritt sie im ORF-Kuratorium.
Norbert Gugerbauer. Der Architekt der Haider-Wahl war zunächst neuer Generalsekretär, dann von 1989 bis 1992 freiheitlicher Klubobmann. 1992 zerstritt er sich mit Haider wegen des Präsidentschaftswahlkampfs von Heide Schmidt. Er legte alle Ämter nieder und ist heute Partner einer Rechtsanwaltskanzlei in der Wiener City.
Mario Erschen. Der zurückgetretene Bundesgeschäftsführer wurde Beamter und diente der Republik bis zur Pensionierung als Kulturattaché u. a. in Triest.
Friedhelm Frischenschlager. Der FP-Klubobmann und frühere Verteidigungsminister verließ 1993 aus Protest gegen Haiders politischen Stil die Partei und gründete mit Heide Schmidt das Liberale Forum (LIF). Von 1996 bis 1999 saß er für das LIF im EU-Parlament.
Gustav Lohrmann. Stegers Kabinettschef ging als Grafikdesigner zum ORF, brachte es dort bis zum Artdirektor und ist heute Freizeitgastronom.
Helmut Krünes. Der FP-Verteidigungsminister machte nach dem Platzen der Kleinen Koalition als Diplomingenieur in der Privatwirtschaft Karriere. Zwischen seiner Managertätigkeit in großen Unternehmen war er bis 2006 Ko-Geschäftsführer in Seibersdorf.
Karl Sevelda. Der damalige Schwiegersohn von Botschafter Gredler leitete das wirtschaftspolitische Büro des Handelsministers Steger. Dann ging er zurück in seine Bankwelt, heute ist er Vorstandsvorsitzender der Raiffeisen Bank International.
Harald Ofner. Der Justizminister der Ära Steger zog sich 1987 wieder in seine Rechtsanwaltskanzlei zurück. Als Advokat ist er immer noch tätig.
Willfried Gredler. Der „Elder Statesman“ der FPÖ schlug sich auf dem Parteitag auf die Seite Haiders, von 1970 bis 1980 war er österreichischer Botschafter in Bonn und Peking. 1980 erreichte er als Präsidentschaftskandidat 17 Prozent der Stimmen. Er starb 1994.
Jörg Haider. Von 1986 bis 2000 Obmann der FPÖ, ab 2005 Gründer des BZÖ, von 1989 bis 1991 und von 1999 bis zu seinem Tod 2008 Kärntner Landeshauptmann.
Volker Kier. Der Parade-Liberale des Attersee-Kreises (Frischenschlager, Hansjörg Tengg) trat beim Innsbrucker Parteitag aus der FPÖ aus. Von 1994 bis 1999 war er Nationalratsabgeordneter des LIF. Heute ist er Unternehmensberater und Lehrbeauftragter.
Holger Bauer. Der Staatssekretär in der Ära Steger diente von 1986 bis 1990 Haider als Bundesobmannstellvertreter. Bis 1999 war er blauer Nationalratsabgeordneter.
Gerulf Murer war in der Kleinen Koalition mit der SPÖ Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium, kehrte dann ins Parlament zurück (bis 1996) und ist heute Ökonomierat.
Mario Ferrari-Brunnenfeld, der dritte FP-Staatssekretär in der Koalition Sinowatz/Steger, saß im Gesundheitsministerium. 1989 verließ er die Haider-Partei im Streit und versuchte eine eigene Parteigründung (Die Demokraten). Er starb 2001.
Heide Schmidt und Susanne Riess spielten vor dreißig Jahren noch keine Rolle. Schmidt war als Juristin Assistentin in der Volksanwaltschaft bei Gustav Zeillinger; Susanne Riess-Passer, ebenfalls Juristin, war Pressesekretärin. (hws)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.09.2016)