Der republikanische Kandidat ließ sich Gefälligkeitsattest ausstellen, war aber als Junger angeblich zu marod für den Kriegsdienst.
Washington. „Ich hoffe, es geht ihr bald wieder gut“, kommentierte der republikanische Präsidentschaftskandidat, Donald Trump, am Montag die Erkrankung seiner demokratischen Widersacherin Hillary Clinton. Diese versöhnlichen Töne waren insofern erstaunlich, weil Trump und seine Anhänger seit Monaten Clintons körperliche Eignung für die Anstrengungen des Präsidentenamtes infrage stellen, zum Teil mit unbegründeten Unterstellungen, sie leide an einer schweren neurologischen Erkrankung.
Über den Gesundheitszustand des korpulenten 70-jährigen Bauspekulanten ist wenig bekannt. Im Vorwahlkampf legte sein Vertrauensarzt ein Attest vor, demzufolge Trump der „gesündeste Mensch“ sei, „der jemals für das Amt des amerikanischen Präsidenten kandidiert hat“. Neulich jedoch gestand dieser Arzt, dass er das Attest binnen fünf Minuten hastig ausgestellt hatte, während draußen auf der Straße eine schwarze Limousine der Trump-Organisation mit laufendem Motor wartete, um das Papier abzuholen.
Ob Trump der bisher körperlich fitteste Präsidentschaftskandidat ist, bleibt fraglich. Zweifellos wäre er im Fall seines Sieges der bisher älteste Präsident; Ronald Reagan war 69 Jahre alt, als er am 20. Jänner 1981 den Amtseid leistete, und Hillary Clinton wäre knapp hinter ihm die zweitälteste Person an der Spitze der Vereinigten Staaten.
Trump rühmt sich heute seiner Fitness, doch als junger Mann war er angeblich zu krank, um seinen Wehrdienst im Vietnamkrieg zu leisten. Wegen eines Fersensporns blieb ihm die Einberufung erspart, obwohl er zur selben Zeit passioniert American Football, Golf und Tennis spielte.
„Dating war mein Vietnam“
Während seine Altersgenossen in Südostasien kämpften und starben, genoss der junge Trump das Leben als reicher New Yorker Playboy. Er rühmte sich Jahrzehnte später des Umstandes, frei von Geschlechtskrankheiten geblieben zu sein: „Es ist eine gefährliche Welt da draußen – wie Vietnam. Es ist mein persönliches Vietnam. Ich fühle mich wie ein großer und sehr tapferer Soldat“, sagte Trump im Jahr 1997 in der Radiotalkshow von Howard Stern. „Die Datingszene ist wie Vietnam“, hatte er vier Jahre zuvor ebendort erklärt.
Trump frönt zwar dem Fast-Food und lässt sich mit Kübeln voller frittierter Hühnerteile fotografieren. Doch er raucht nicht und trinkt keinen Alkohol – eine Konsequenz des Alkoholtodes seines Bruders Fred. (go)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.09.2016)