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"Entertainment" im Unterricht als falsche Strategie

Der Lehrer aus dem Publikumserfolg "Fack ju Göhte".(c) Constantin Filverleih

Forscher analysierten die Körpersprache österreichischer Lehrer. Dabei zeigte sich, dass viele von ihnen Strategien anwenden, die nicht sinnvoll sind.

Zur Motivation ihrer Schüler müssen Lehrer eine Reihe glaubhafter nonverbaler Botschaften übermitteln. Was dabei besonders wichtig ist? Dass Lehrer die Schüler mit echter, sichtbar gezeigter Begeisterung einbeziehen. Hackl: "Trägt das jemand gut vor, kann man das fast körperlich spüren und es ist schwer, sich dem als Schüler zu entziehen," sagt Bernd Hackl, Leiter des Instituts für Schulpädagogik der Uni Graz.

"Etwas überraschend war für uns, dass die Hauptfunktion des körperlichen Ausdrucks darin besteht, zu rechtfertigen, was pädagogisch geschieht - also, den Schülern gegenüber glaubhaft zu machen, dass was hier passiert für sie sinnvoll ist," so Hackl über die Studie, die die Körpersprache österreichischer Lehrer analysierte.

In den analysierten Unterrichtseinheiten gelang das jedoch eher selten. Das liege oft nicht daran, dass ein Pädagoge weniger gut geeignet ist, wie Hackl betonte. Häufig lasse sich am körperlichen Ausdruck eher ablesen, unter welchem Druck ein Lehrer steht. Selten hätten Pädagogen das Gefühl, auch Fehler machen zu können, ohne dass ihnen das bei PISA-Test, Zentralmatura und Co später auf den Kopf fiele.

Darunter, dass einerseits die Schule bei der Selbstentfaltung helfen und andererseits eng umschriebene Kompetenzen nachweisbar vermitteln soll, leide die Performance: "Die Lehrer arbeiten in einer Situation, die widersprüchlich ist und aus der sie nicht hinaus können", so die Interpretation des Forschers.

Falsch motiviert durch Spiele

Schüler würden sensibel auf das Auseinanderdriften zwischen dem Gesagten und der Körpersprache reagieren und sich vom Unterricht abwenden. Das führe dazu, dass Lehrer auf "opportunistische Strategien" setzen, indem sie immer mehr "Entertainment-Elemente" einbauen. Mit der Aussicht auf Spiel- und Unterhaltungsangebote versuchen viele Aufmerksamkeit für die Sache zu erzielen. Hackl: "Das ist aber eine Strategie, die sehr schlecht aufgeht. Wenn ich in der Mathematikstunde auch spielen darf, bekomme ich nicht mehr Motivation für die Mathematik, sondern eher noch mehr Motivation zu spielen."

Pädagogen einfach mit Schauspielunterricht unter die Arme zu greifen, sei jedenfalls kein Gegenmittel, denn einen authentischen körperlichen Ausdruck könne man nicht "technisch herbeiführen. Ob er authentisch ist oder nicht, kommt nur durch die wirkliche Haltung des Lehrers zu seiner Tätigkeit zustande". Die politischen Rahmenbedingungen sollten wiederum dahin gehend verändert werden, dass Pädagogen und Schülern wieder mehr Spielräume eingeräumt werden, resümierte Hackl.

"Der Schwerpunkt 'Körpersprache' hat sich erst mit der Zeit ergeben, weil wir bemerkt haben, dass das wichtig ist", sagte der Schulforscher Bernd Hackl. Mittels umfangreicher Videoanalysen unterschiedlicher Lehrer aus verschiedenen Schulformen haben sich er und sein Team von der Uni Graz diesem Thema im Rahmen eines vom Wissenschaftsfonds FWF geförderten Projekts angenommen.

 

(APA/Red.)