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Heer startet Aufnahmeoffensive

Doskozil
(c) GEPA pictures (GEPA pictures/ M. Oberlaender)
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Minister Doskozil will bis 2020 in der Truppe 3800 neue Stellen schaffen. Soldaten, Ärzte und Piloten werden gesucht. Vorher muss aber das Image des Heeres aufpoliert werden.

Wien. Ein neues Sparpaket. Weniger Personal. Soldaten, die sich über das eigene Arbeitsumfeld beschweren – vom Rekruten bis zum General. So lang ist es gar nicht her, dass das Bundesheer einen mehr als schlechten Ruf in der Bevölkerung hatte. Und zum Teil auch in der Truppe selbst. Erst 2015 wurde das Budget um 200 Millionen Euro gekürzt.

Jetzt, ein Jahr später, versucht das Heer, sein Image wieder aufzupolieren. Aus gutem Grund: Die Truppe braucht für ihre Aufgaben neues Personal. Und das lässt sich nur anlocken, wenn der neue Arbeitsplatz attraktiv ist. Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) nutzt dafür das Momentum: Immerhin hat er nun genügend Unterstützung in der Regierung, vor allem in finanzieller Hinsicht. Bis 2020 wurde seinem Ressort mehr als eine Milliarde Euro zusätzlich versprochen. Und: Durch den Assistenzeinsatz an der Grenze ist die Truppe in der Bevölkerung auch besser angesehen.

 

20 neue Ärzte pro Jahr

Daher startet der Minister eine Werbe- und Aufnahmeoffensive: Bis 2020 will er 9800 Männer und Frauen rekrutieren. Der größte Teil der Stellen – 3800 nämlich – soll neu geschaffen werden: Die schnell verfügbaren Kaderpräsenzeinheiten sollen in Zukunft aus 6000 Soldaten bestehen. Derzeit sind es rund 2200 Uniformierte.

Hinzu kommen Abgänge, die neu besetzt werden: Jährlich gehen immerhin 1200 bis 1400 Personen im Verteidigungsressort in Pension. Auch 300 Stellen für Zeitsoldaten sollen pro Jahr nachbesetzt werden. Außerdem werden Piloten und Ärzte dringend gesucht: Ab sofort will das Heer mindestens 20Ärzte sowie acht bis zehn Piloten pro Jahr aufnehmen.

 

Mehr Gehalt für die Soldaten

Gerade in diesen zwei Bereichen hatte die Truppe zuletzt massive Probleme, genügend Nachwuchs zu finden. Wobei die Gründe dafür unterschiedlich sind, argumentiert man im Ministerium: Mediziner seien eher wegen der schlechten Bezahlung ferngeblieben. Piloten hätte wiederum der Stellenabbau in der Vergangenheit abgeschreckt.

Auch hier will Doskozil die Rahmenbedingungen verbessern: Piloten und Ärzte sollen in Zukunft besser bezahlt werden. Wie viel die beiden Berufsgruppen zusätzlich erhalten sollen, ist allerdings noch unklar. Das Verteidigungsressort verhandelt gerade mit dem Bundeskanzleramt, das dafür zuständig ist. Details dazu will Doskozil noch nicht verraten.

Lieber betont man, worauf man sich schon geeinigt hat: 2016 wurde die Bezahlung von Soldaten erhöht: Chargen (also die Dienstgradgruppe nach den Rekruten) erhalten ab sofort 70Euro mehr im Monat, bei Unteroffizieren schwankt das Gehaltsplus zwischen 120 und 450 Euro im Monat.

Außerdem soll auch der weibliche Anteil unter den Soldaten erhöht werden: Derzeit schwankt er zwischen zwei und drei Prozent in der Truppe. Doskozil will den Frauenanteil auf zehn Prozent erhöhen. Das Ministerium plant dafür ein zweitägiges „Girls Camp“ – neben den Werbeveranstaltungen in den Bundesländern. Bereits Doskozils Vorgänger, Gerald Klug, hat sich die Zehn-Prozent-Marke als Ziel gesetzt.

 

Musiker mit neuer Aufgabe

Übrigens, auch die Militärmusik bekommt eine neue Aufgabe: Die Soldaten sollen nicht nur mit ihren Auftritten um musikalischen Nachwuchs werben – sondern in Zukunft auch in Schulen und auf Messen Nachwuchs für das Bundesheer rekrutieren.

AUF EINEN BLICK

Das Bundesheer sucht neues Personal: 3800 Berufssoldaten sollen bis 2020 eine Stelle finden. Gesucht werden vor allem Piloten und Ärzte. Das Heer startet dafür eine Werbeoffensive: Soldaten in der Unteroffiziersausbildung verdienen 2000 Euro im Monat, wird nun etwa vorgerechnet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.09.2016)