Frohbotschaft vom TV-Leithammel

Was kriegt ,Die Presse‘ eigentlich für diese ORF-Werbung?“, fragt Paige Halliwell erbost auf diepresse.com. Nichts.

Aber die Frage ist berechtigt, schließlich sehen die Ergebnisse der Market-Umfrage, über die wir in der gestrigen Ausgabe berichteten, für den ORF auf den ersten Blick recht gut aus: 34% von 500 Befragten bezeichnen den Öffentlich-Rechtlichen als ihren Lieblingssender; jedoch finden auch elf Prozent, er mache seine Sache schlecht. Schlimm genug – auch sie müssen Gebühren zahlen. Und: 34% – just gleich viel wie der bisher magerste Marktanteil des ORF im Juli – ist nur ein Drittel. Da ist der Anspruch, der mediale Leithammel zu sein, nur mehr zu stellen, weil sich die anderen TV-Stationen kleinere Anteile der Zuneigung untereinander aufteilen.

Der ORF vermeldete es jedenfalls als Frohbotschaft in der „ZiB2“. Good News in eigener Sache gab's zuletzt selten. Die Quoten rasselten in ungekannte Tiefen. Finanziell droht wieder ein sattes Minus von 30 bis 50 Millionen Euro – wenn nicht sogar schlimmer. Mit dem Programm ist der ORF-General mittlerweile sogar offiziell unzufrieden (seitdem steht Programmdirektor Wolfgang Lorenz laut Küniglberger Gerüchteküche wieder ganz oben auf der Abschussliste). Die „Sommergespräche“ wuchsen sich zum PR-Desaster aus. Und bei der Enquete, die morgen ganztägig im Parlament stattfindet, ist auch nicht nur mit Freundlichkeiten zu rechnen.


Dort werden sich auch Privat-TV-Vertreter und Verleger zu Wort melden. Sie prangern seit Langem die ORF-Politik der Marktbesetzung an. Der mit reichlich Gebührenspeck ausgestattete Öffentlich-Rechtliche grast gerne auf privatwirtschaftlichem Terrain: z. B. im Onlinesektor oder mit ORF1. Und er kann es sich leisten, den Privaten bei den Werbepreisen Konkurrenz zu machen – 2010 will er die Preise wieder senken. Was das für die private Konkurrenz bedeutet, kann man sich an einer Hand ausrechnen. Dass fünf Millionen Euro Medienförderung, aufgeteilt auf die Privatsender, zu wenig sind, auch. Gut also, dass geredet wird. Noch besser wäre, wenn die Enquete nicht bloß als Feigenblatt diente.


isabella.wallnoefer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.09.2009)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.