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Fahrzeugsperren für Alkolenker kommen

Fahrende Autos in einem Verkehrspiegel
(c) www.BilderBox.com (BilderBox.com)
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Verkehrssicherheit. Sogenannte Alko-Locks ermöglichen Bewährungszeit und verkürzen Führerscheinentzug. Die Kosten für den Lenker: mindestens 1650 Euro. Mit solchen Maßnahmen soll die Zahl der Verkehrstoten bis 2020 halbiert werden.

Wien. Autofahren auf Bewährung. Mit diesem Konzept will der Staat in Zukunft Alkolenker erziehen, ihnen eine Alternative zum langen Führerscheinentzug bieten. Das Projekt war umstritten, entsprechend intensiv verhandelte man mit dem Innenministerium. Nun, sagte Verkehrsminister Jörg Leichtfried am Donnerstag, sei ein Durchbruch erzielt worden. Das Projekt werde im Lauf des Jahres 2017 starten.

Pilotversuche gab es schon mehrere. Als Nächstes soll das Vorhaben breiter angelegt werden, wobei es zunächst auf fünf Jahre und ausschließlich auf Pkw-Lenker beschränkt bleiben wird. Danach will das Ministerium die Effekte neu bewerten und gegebenenfalls Anpassungen vornehmen. Aber wie genau soll das nun funktionieren?

 

26.000 Alkolenker jährlich

Insgesamt ziehen die Behörden jährlich 26.000 Führerscheine wegen Trunkenheit am Steuer ein. „Infrage kommen aber nur Personen, die mit mindestens 1,2 Promille Alkohol im Blut erwischt wurden und dadurch die Lenkberechtigung für mindestens vier Monate verloren haben“, sagt Wilhelm Kast, zuständiger Beamter im Verkehrsministerium.

Wenn die Betroffenen das wollen, dürfen sie nach frühestens zwei Monaten Entzug ein Alko-Lock auf eigene Kosten in das Fahrzeug einbauen. Dafür erhalten sie von der Bezirkshauptmannschaft wieder ihren Führerschein zurück. Allerdings mit dem Vermerk „Code 69“. Polizisten wissen dann bei Kontrollen: Der Inhaber darf nur Fahrzeuge lenken, deren Zündung mit einer Alkoholwegfahrsperre versehen ist. Die Bewährungszeit beträgt mindestens sechs Monate.

Billig ist die Sache nicht. Nach jetzigem Plan müssen die ehemaligen Alkolenker die Geräte mieten. Für ein halbes Jahr wird das zwischen 1250 und 1500 Euro kosten. Hinzuzurechnen sind Ein- und Ausbau (ca. 300 Euro) sowie Ein- und Austragung des Codes 69 in den Führerschein, was einer zweifachen Neuausstellung gleichkommt und daher noch einmal knapp 100 Euro ausmacht. Somit ist mit Mindestkosten in der Höhe von 1650 Euro zu rechnen.

Stark vereinfacht gesagt ist ein Alko-Lock ein Alkoholvortestgerät, wie es von der Polizei bei Planquadraten schon länger eingesetzt wird. Bei der Anwendung in einem Fahrzeug ist es jedoch zusätzlich in die Bordelektronik integriert. Vor dem Start bläst der Lenker in ein Röhrchen, ab einem Alkoholatemluftwert von 0,5 Promille unterbricht eine Schaltung die Zündung des Autos.

(c) Die Presse

Die größte Schwäche des Systems ist, dass nüchterne Dritte das Fahrzeug für den Alkolenker in Betrieb nehmen könnten. In Fachgesprächen zwischen den Ministerien entwickelte sich jedoch die Ansicht, dass die Wahrscheinlichkeit, dass jemand anders für eine Alkofahrt reinen Atem spendet, wohl eher gering sei. Zudem gibt es Hersteller, die angeben, ihre Geräte würden den eigentlichen Adressaten zuverlässig an der Atemluft und am Einblasverhalten (wieder-)erkennen.

 

Ziel: Weniger Verkehrstote

Die Einführung von Alko-Locks ist Teil einer Adaptierung des Verkehrssicherheitsprogramms der Bundesregierung. Das Programm gibt es bereits seit 2011. Im Vorjahr stieg die Zahl der Verkehrstoten erstmals seit vielen Jahren wieder an, und zwar auf 479. Aus diesem Grund verändert das Verkehrsressort jetzt die Schwerpunktsetzung. Im Fokus stehen nun Kinder (Absicherung der Schulwege, Aufklärung über Kindersitze), Radfahrer (Schulungen) und Lkw (Rundumkameras bei Neufahrzeugen).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.09.2016)