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Escada, Lehman & Co.

Pleite-Aktien für Glücksritter

Fundamentaldaten und Firmenbewertungen spielen keine Rolle. Es ist wie im Casino: Rot oder schwarz, Kursexplosion oder Totalverlust - alles ist möglich. Ein Überblick über die gefährlichsten Ramsch-Aktien.
02.01.2017 um 17:45
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Hauptbild • (c) Reuters (Vivek Prakash)
In der Finanzwelt feiern momentan immer mehr Untote ihre "Auferstehung".Das Zocken mit sogenannten "Zombie-Aktien" ( oder "Penny Stocks") ist auch in Zeiten der Finanzkrise äußerst beliebt.Im folgenden ein Überblick über die besten Aktien für den Wühltisch.
In der Finanzwelt feiern momentan immer mehr Untote ihre "Auferstehung".Das Zocken mit sogenannten "Zombie-Aktien" ( oder "Penny Stocks") ist auch in Zeiten der Finanzkrise äußerst beliebt.Im folgenden ein Überblick über die besten Aktien für den Wühltisch.
(c) AP (Chris Nakshima-Brown)
Als bekannt wird, dass die indische Stahlfamilie Mittal Escada kaufen will, schießt die Aktie des insolventen Modekonzerns nach oben. Die Aktie, gerade noch bei 70 Cent gelegen, klettert innerhalb kurzer Zeit bis auf zwei Euro. Doch keine zwei Handelstage später sind die Gewinne schon wieder verpufft.Ein Paradebeispiel dafür, wie Zocker und Glücksritter hoffen, mit geringem Einsatz große Gewinne zu machen.Da ist es auch egal, dass Experten wie Marco Cabras von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz warnen: "Dahinter steckt allein die Wette auf schnelle Spekulationsgewinne. Das funktioniert aber nur in den seltensten Fällen".
Als bekannt wird, dass die indische Stahlfamilie Mittal Escada kaufen will, schießt die Aktie des insolventen Modekonzerns nach oben. Die Aktie, gerade noch bei 70 Cent gelegen, klettert innerhalb kurzer Zeit bis auf zwei Euro. Doch keine zwei Handelstage später sind die Gewinne schon wieder verpufft.Ein Paradebeispiel dafür, wie Zocker und Glücksritter hoffen, mit geringem Einsatz große Gewinne zu machen.Da ist es auch egal, dass Experten wie Marco Cabras von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz warnen: "Dahinter steckt allein die Wette auf schnelle Spekulationsgewinne. Das funktioniert aber nur in den seltensten Fällen".
(c) Reuters (Vivek Prakash)
Nur selten schafft ein Unternehmen tatsächlich die Wende. Das dürfte auch bei Arcandor (mit den Töchtern Quelle und Karstadt) nicht anders sein.Wie bei Escada schlug der Aktienkurs in den vergangenen Wochen auf wundersame Weise aus. Von 19 auf 56 Cent - und zurück.
Nur selten schafft ein Unternehmen tatsächlich die Wende. Das dürfte auch bei Arcandor (mit den Töchtern Quelle und Karstadt) nicht anders sein.Wie bei Escada schlug der Aktienkurs in den vergangenen Wochen auf wundersame Weise aus. Von 19 auf 56 Cent - und zurück.
(c) AP (Christof Stache)
Nach der Pleite vor fast einem Jahr dümpelte die Aktie von Lehman Brothers monatelang bei Kursen um fünf Cent herum.Doch Ende August 2009 erlebte das Papier einen Höhenflug. Der Kurs der nur außerbörslich gehandelten Aktie schoss auf über 30 Cent hoch. Das ist ein Plus von über 500 Prozent.
Nach der Pleite vor fast einem Jahr dümpelte die Aktie von Lehman Brothers monatelang bei Kursen um fünf Cent herum.Doch Ende August 2009 erlebte das Papier einen Höhenflug. Der Kurs der nur außerbörslich gehandelten Aktie schoss auf über 30 Cent hoch. Das ist ein Plus von über 500 Prozent.
(c) EPA (Peter Foley)
"Wenn alle Gläubiger bezahlt sind, bleibt nichts mehr übrig bei Lehman, das Papier hat keinen inneren Wert", warnt Anton Schultz, Portfolio-Manager des Burnham Financial Industrie Funds. "Alle fragen sich, warum die Aktie immer noch gehandelt wird. Es ist wirklich verrückt."Der Reiz für Spekulanten ist die hohe Volatilität (Schwankungsbreite). Am Jahrestag der Pleite stand das Papier übrigens bei 13,5 Cent.
"Wenn alle Gläubiger bezahlt sind, bleibt nichts mehr übrig bei Lehman, das Papier hat keinen inneren Wert", warnt Anton Schultz, Portfolio-Manager des Burnham Financial Industrie Funds. "Alle fragen sich, warum die Aktie immer noch gehandelt wird. Es ist wirklich verrückt."Der Reiz für Spekulanten ist die hohe Volatilität (Schwankungsbreite). Am Jahrestag der Pleite stand das Papier übrigens bei 13,5 Cent.
(c) EPA (Peter Foley)
Auch bei der Pleite-Sparkasse Washington Mutual gibt es ähnliche Kurssprünge.Milliardenklagen gegen JPMorgan Chase, das sich die ehemalige größte US-Sparkasse einverleibt hat, sowie gegen die staatliche Einlagensicherung FDIC laufen. Das zieht Spekulanten an - das wilde Wetten auf ausgebombte Finanztitel liegt im Trend.
Auch bei der Pleite-Sparkasse Washington Mutual gibt es ähnliche Kurssprünge.Milliardenklagen gegen JPMorgan Chase, das sich die ehemalige größte US-Sparkasse einverleibt hat, sowie gegen die staatliche Einlagensicherung FDIC laufen. Das zieht Spekulanten an - das wilde Wetten auf ausgebombte Finanztitel liegt im Trend.
(c) AP (Damian Dovarganes)
Und auch die Aktien der beiden großen staatlich kontrollierten Hypothekenfinanzierer mit den Namen Fannie Mae ...
Und auch die Aktien der beiden großen staatlich kontrollierten Hypothekenfinanzierer mit den Namen Fannie Mae ...
(c) EPA (Matthew Cavanaugh)
... und Freddie Mac haben sich im August ebenfalls mehr als vervierfacht."Bei Tagesumsätzen von teilweise über einer Milliarde Dollar müssen hier auch große Adressen fleißig mitgezockt haben", schreibt Alfred Maydorn vom "Aktionär".
... und Freddie Mac haben sich im August ebenfalls mehr als vervierfacht."Bei Tagesumsätzen von teilweise über einer Milliarde Dollar müssen hier auch große Adressen fleißig mitgezockt haben", schreibt Alfred Maydorn vom "Aktionär".
(c) EPA (Shawn Thew)
Die Aktie der Hypo Real Estate hat zwar seit ihrem Allzeittief vom 9. März (0,60 Euro) deutlich zugelegt und notierte am 16. September 2009 bei einem Wert von 1,41 Euro - doch ab 21. September wird das Papier nicht mehr im MDax, sondern im Nebenwertebarometer SDax gelistet sein.Von einem soliden mittelgroßen Unternehmen, normalerweise Kriterium für den SDax ist HRE jedoch weit entfernt.
Die Aktie der Hypo Real Estate hat zwar seit ihrem Allzeittief vom 9. März (0,60 Euro) deutlich zugelegt und notierte am 16. September 2009 bei einem Wert von 1,41 Euro - doch ab 21. September wird das Papier nicht mehr im MDax, sondern im Nebenwertebarometer SDax gelistet sein.Von einem soliden mittelgroßen Unternehmen, normalerweise Kriterium für den SDax ist HRE jedoch weit entfernt.
(c) AP (Michael Sohn)
Fundamentaldaten und Firmenbewertungen spielen beim "Zombie-Zocken" keine Rolle. Es ist wie im Casino: Rot oder schwarz, Kursexplosion oder Totalverlust - alles ist möglich:Auch beim ehemaligen größten Versicherer der Welt, AIG, der in Folge der Lehman-Pleite ins Taumeln geriet und nur mit Staatshilfe in der Höhe von 180 Milliarden gerettet werden konnte.
Fundamentaldaten und Firmenbewertungen spielen beim "Zombie-Zocken" keine Rolle. Es ist wie im Casino: Rot oder schwarz, Kursexplosion oder Totalverlust - alles ist möglich:Auch beim ehemaligen größten Versicherer der Welt, AIG, der in Folge der Lehman-Pleite ins Taumeln geriet und nur mit Staatshilfe in der Höhe von 180 Milliarden gerettet werden konnte.
(c) AP (Mark Lennihan)
Auf der unrühmlichen Liste der Ramsch-Aktien findet sich auch die Beate-Uhse-Aktie. Sie ist 50 Cent wert und liegt damit deutlich unter ihrem Nennwert von einem Euro.
Auf der unrühmlichen Liste der Ramsch-Aktien findet sich auch die Beate-Uhse-Aktie. Sie ist 50 Cent wert und liegt damit deutlich unter ihrem Nennwert von einem Euro.
(c) AP
Die Aktie von ProSiebenSat.1 musste innerhalb eines Jahres einen Kursverlust von 90 Prozent hinnehmen und fiel sogar unter die Ein-Euro-Marke.Zuletzt wartete sie aber mit einer beeindruckenden Performance auf und schloss am 8. September nach einem Plus von 21 Prozent innerhalb von nur drei Handelstagen bei 7,56 Euro.
Die Aktie von ProSiebenSat.1 musste innerhalb eines Jahres einen Kursverlust von 90 Prozent hinnehmen und fiel sogar unter die Ein-Euro-Marke.Zuletzt wartete sie aber mit einer beeindruckenden Performance auf und schloss am 8. September nach einem Plus von 21 Prozent innerhalb von nur drei Handelstagen bei 7,56 Euro.
(c) AP
Auch eine andere "Zombie-Aktie" hat ein Comeback geschafft. War die Infineon-Aktie noch im März 2009 aus dem deutschen Börsenindex DAX geflogen, so kehrte sie Anfang September wieder in diesen zurück.Doch auch hier gilt: Sie ist zwar von den Toten wieder auferstanden, gesund sieht sie aber nicht aus...
Auch eine andere "Zombie-Aktie" hat ein Comeback geschafft. War die Infineon-Aktie noch im März 2009 aus dem deutschen Börsenindex DAX geflogen, so kehrte sie Anfang September wieder in diesen zurück.Doch auch hier gilt: Sie ist zwar von den Toten wieder auferstanden, gesund sieht sie aber nicht aus...
(c) AP (Uwe Lein)

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