Zinsspekulanten drücken US-Dollar nach unten

(c) Reuters (Romeo Ranoco)
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Der Dollar hat Schweizer Franken und japanischen Yen als Spekulationswährung abgelöst. Der Leitzinssatz des Dollar liegt quasi bei null Prozent.

wien (ker). Die Österreicher haben sich in den vergangenen 15 Jahren den Ruf als Währungsspekulanten erworben. Sie haben sich massiv in fremden Währungen verschuldet und dabei auf niedrige Zinsen und auf Kursvorteile gehofft. Die privaten Fremdwährungskredite im japanischen Yen und im Schweizer Franken machen heute noch mehr als 30 Mrd. Euro aus.

Auf den internationalen Märkten hat sich das Blatt mittlerweile gewendet. Der US-Dollar hat Franken und Yen als Spekulationswährung abgelöst.

US-Dollar fällt ab

Das verdeutlichen die sogenannten „Carry Trades“. Bei diesen Geschäften handelt es sich um reine Spekulation. Ein Investor nimmt einen Kredit in einer Währung mit niedrigen Zinsen auf. Das billige Geld investiert er dann in höher verzinsten Währungen. Der Zinsunterschied macht auf Dauer die Rendite aus. Außerdem hofft er wie beim Fremdwährungskredit auf Vorteile bei der Kursentwicklung.

In den vergangenen Jahren nahmen die Investoren die meisten Darlehen noch im japanischen Yen auf und investierten dann in Währungen von Schwellenländern oder in Dollar-Anleihen. Die große Finanzierungswährung bei Carry Trades sei nun aber der US-Dollar, sagt Jonathan Clark von der US-Beratungsfirma FX Concepts.

Der Leitzinssatz des Dollar liegt quasi bei null Prozent. Jener des japanischen Yen bei 0,1 Prozent. Erstmals seit 1994 ist der Interbankenzins für Dollar-Darlehen niedriger als für Kredite in Yen oder Schweizer Franken. Die Spekulationsgeschäfte mit dem Dollar sind daher rentabel wie seit Jahren nicht mehr.

Das ist eine schlechte Nachricht für jene Anleger, die im Dollar investiert sind. Devisenhändler erwarten nämlich, dass die US-Währung durch die Zinsspekulationen massiv unter Druck gerät und weiter an Wert verliert.

Bereits seit April hat der Greenback gegenüber dem Euro, Franken und Yen stark nachgelassen (siehe Grafik). Derzeit muss man für einen Euro rund 1,46 Dollar zahlen. Im Februar waren es teilweise nur 1,25 Dollar. „Das Ende haben wir beim Dollar-Abfall noch nicht erlebt“, glaubt Devisenexperte Othmar Seidl im Gespräch mit der „Presse“. Auch viele Geldhäuser wie die britische Bank Standard Chartered erwarten, dass der Dollar bis Jahresende auf 1,55 je Euro abfällt. Die Schweizer Großbank UBS hat ihre Prognosen für die US-Währung nach unten revidiert.

„Dollar als Finanzierung zu riskant“

Trotz der niedrigen Zinsen und des sinkenden Kurses ist für Seidl eine Fremdwährungsfinanzierung mit dem Dollar nicht empfehlenswert: „Der Dollar eignet sich derzeit zum Spekulieren für hartgesottene Anleger. Aber nicht für eine günstige und ruhige Finanzierung. Dafür ist der Kurs noch viel zu volatil. Der Schweizer Franken wäre da wesentlich stabiler.“

AUF EINEN BLICK

Der US-Dollar ist im Sinkflug. Investoren spekulieren vermehrt mit der US-Währung aufgrund ihrer niedrigen Zinsen. Das drückt den Dollar-Kurs nach unten.

Der Greenback hat damit den japanischen Yen und den Schweizer Franken als Spekulationswährung abgelöst. Das wird laut Experten länger so bleiben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.09.2009)

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