Autoindustrie macht große Fortschritte bei der Schadstoffreduktion. Fiat führt mit durchschnittlich 138 Gramm CO2 pro Kilometer, PSA Peugeot-Citroën und Renault folgen mit 139 beziehungsweise 143 Gramm.
wien (red.). Fiat hat die umweltfreundlichste Autoflotte, aber BMW macht bei der Reduzierung der CO2-Emissionen die größten Fortschritte. Das ist das wichtigste Ergebnis einer gestern in Brüssel veröffentlichten Studie der Umweltorganisation Transport&Environment.
Wenig überraschend das Ranking beim durchschnittlichen CO2-Ausstoß: Kleinwagenhersteller kommen auf viel bessere Durchschnittsemissionswerte als Produzenten großer Luxusautos. Fiat führt in dieser Liste mit durchschnittlich 138 Gramm CO2pro Kilometer, PSA Peugeot-Citroën und Renault folgen mit 139 beziehungsweise 143 Gramm.
Die deutschen Premiumhersteller müssen sich in dieser 14 Autokonzerne umfassenden Liste mit den Plätzen neun (BMW), zwölf (Volkswagen) und 14 Daimler bescheiden. Die Mercedes-Flotte des Daimler-Konzerns bringt es immerhin auf durchschnittlich 175 Gramm CO2 pro Kilometer.
Anders sieht die Reihung bei der Verbesserung gegenüber dem Vorjahr aus: Da liegt BMW mit einer Reduktion um stolze 10,2Prozent vor Mazda (8,2Prozent) und Hyundai (7,6Prozent) ganz klar in Front. PSA Peugeot-Citroën liegt mit einer Absenkung der Kohlendioxidemissionen um nur zwei Prozent auf dem letzten Platz.
Hybrid bringt wenig
Interessant: Die beiden japanischen Hersteller Toyota und Honda, die Einzigen, die in größerem Stil Hybridfahrzeuge verkaufen, liegen trotz dieser Umweltfahrzeugtechnologie bei den durchschnittlichen Flottenemissionen nur im Mittelfeld. Und sie haben gegenüber 2007 nur sehr kleine Fortschritte gemacht: Toyota liegt mit einer Verbesserung um 2,4 Prozent auf Platz elf, Honda mit einer Verbesserung um 2,2 Prozent nur auf dem vorletzten 13. Platz im „Fortschrittsranking“.
Was technisch möglich ist, hüpfen gerade die deutschen Hersteller mit ihren neuen Dieseltechnologien vor: Der VW-Golf-Diesel mit BlueMotion-Technologie verbraucht bei gleicher Leistung gegenüber dem Modell von 2007 um 27Prozent weniger CO2. Um 25 Prozent wurden die Emissionen im gleichen Zeitraum beim VW Passat BlueMotion und beim Mercedes C220 BlueEfficiency reduziert. Mercedes ist dabei das Kunststück gelungen, die Emissionen um ein Viertel zu senken – und gleichzeitig die Motorleistung von 105 auf 125KW zu erhöhen. Beträchtliche Emissionsreduktionen hat auch BMW beim Modell 118 Efficient Dynamics (21Prozent) erzielt. Auch hier wurde gleichzeitig die Leistung von 90 auf 105 KW gesteigert.
Schadstofflimit sinkt
Die Flottenemissionen sind für die Autoindustrie durchaus ein großes Thema: Die EU senkt die maximal zulässigen Limits ja kontinuierlich ab, bis 2015 muss die Durchschnittsemission auf 130 Gramm pro Kilometer reduziert sein. Um diese Norm zu erfüllen, müssen die Autohersteller die Emissionen immerhin noch um durchschnittlich 15 Prozent absenken. Den geringsten Absenkungsbedarf hat PSA Peugeot-Citroën, die vom EU-Limit um acht Prozent entfernt sind.
Den größten Handlungsbedarf hat Mercedes-Hersteller Daimler, dem bis zum EU-Limit 23 Prozent fehlen. Dass Premiumfahrzeuge im Emissionsrennen durchaus vorne mitmischen können, zeigt BMW: Den Bayern fehlen nur 11 Prozent, nur Renault und PSA Peugeot-Citroën sind noch besser.
Emissionsreduktion durch Alternativantriebe (etwa Elektroautos) sind noch ferne Zukunftsmusik. Zwar will eine Reihe von Herstellern in den kommenden Jahren E-Modelle auf den Markt bringen, für einen breitflächigen Einsatz hapert es aber sowohl an der Technologie (Schwachstelle sind die Akkus) als auch an der nötigen Infrastruktur (etwa Stromtankstellen).
Experten gehen davon aus, dass Verbrennungsmotoren die nächsten 15 bis 20 Jahr noch immer die dominierende Antriebstechnologie sein werden. Meinung, Seite 31
auf einen blick
■Autohersteller haben den durchschnittlichen CO2-Ausstoß ihrer Fahrzeuge zuletzt stark reduziert, müssen aber noch deutlich besser werden, um die kommenden EU-Auflagen zu erfüllen. Die stärksten Verbesserungen haben deutsche Hersteller bei ihren Dieselmodellen erreicht.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.09.2009)