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Die Frau als Vorstand bleibt eine seltene Spezies

Elisabeth Stadler
(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Kolumne Der Anteil weiblicher Top-Führungskräfte stagniert. Eine Quote will aber außer den Grünen niemand. Zu Recht.

Alle reden darüber, aber nichts tut sich: Die Zahl der weiblichen Vorstände in Österreichs börsenotierten Unternehmen bleibt auf unter fünf Prozent einbetoniert. Ganz an der Spitze finden sich gar nur drei Frauen, die wir deshalb ruhig namentlich würdigen sollten: Elisabeth Stadler von der Vienna Insurance Group (als einzige ATX-Chefin), Herta Stockbauer von der BKS Bank und Karin Trimmel vom Kräuterlikörhersteller Gurktaler. Die Berater von EY sehen hinter den Zahlen „Stillstand statt Aufbruchsstimmung“. Immerhin sind daraufhin die Kollegen der APA aufgebrochen, um bei den heimischen Parlamentsparteien in Sachen Quote nachzubohren. Nämlich für das Topmanagement, nicht nur für Aufsichtsräte. Siehe da: Eine solche Quote hat kaum politischen Rückhalt. Am deutlichsten zeigen die Neos ihre Abneigung gegen „brachiale staatliche Interventionen“ dieser Art. Auch ÖVP, FPÖ und Team Stronach wollen Privatunternehmen bei der Personalwahl keine Vorschriften machen. Sogar die Sozialdemokraten sehen das als „schwierig“ an und machen sich lieber – wie die anderen – für bessere Rahmenbedingungen stark, vor allem bei der Kinderbetreuung. Einzig die Grünen können sich für die Idee begeistern und plädieren für ein Reißverschlussprinzip – als könnte man die Verantwortung in Unternehmen so verteilen wie Listenplätze einer Partei. Alles in allem aber herrscht Gelassenheit statt Regulierungswut. Und das ist auch gut so.

Denn nüchtern betrachtet, sind zwei Hypothesen a priori plausibel: Entweder handeln die Leute, die Führungskräfte besetzen, im Sinn des Unternehmens. Dann wäre jeder Eingriff schädlich. Oder aber es liegt Marktversagen vor: Männerseilschaften schanzen sich gegenseitig Posten zu und maximieren ihren eigenen Nutzen zulasten der Eigentümer. Was stimmt, ist umstritten: Für jede Studie, die bessere Erfolge durch mehr weibliche Führungskräfte zeigt, findet sich verlässlich eine Kontrastudie.

Deshalb: Wenn eine Quote, dann eine für Aufsichtsräte, um mögliche Kungeleien der Krawattenfraktion aufzubrechen. Ein relativ sanfter Eingriff mit potenziell starker Wirkung, wenn top-down immer mehr Frauen Karriere machen können. Wobei es nicht danach aussieht – siehe Norwegen, wo es die Quote schon seit 2003 gibt: Einzig unter den Top-Fünf-Verdienern pro Firma finden sich dort nun deutlich mehr Frauen, weiter nach unten wirkt der Effekt (noch) nicht. Aber dass dieser Zwang dem Land stark geschadet hätte, kann auch niemand ernsthaft behaupten. Weshalb sich vor einer Frauenquote für Aufsichtsräte zumindest niemand fürchten muss.

karl.gaulhofer@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.09.2016)