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UNO warnt vor "tödlichstem Jahr im Mittelmeer"

Ein Flüchtling ist nach dem Brand im Flüchtlingslager Moria in eine Decke gehüllt.
Ein Flüchtling ist nach dem Brand im Flüchtlingslager Moria in eine Decke gehüllt.REUTERS
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Weniger Flüchtlinge, aber mehr Tote, ist die Bilanz der UNO für 2016. Hunderte Menschen kehrten am Dienstag ins niedergebrannte Lager auf Lesbos zurück.

2016 drohe "zum tödlichsten Jahr im Mittelmeer" zu werden, warnte die UNO am Dienstag - und das, obwohl die Zahl der Flüchtlinge und Migranten, die heuer über das Mittelmeer nach Griechenland oder Italien gelangten, im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent gesunken ist.

Seit Jahresbeginn sind bisher mehr als 300.000 Menschen über das Mittelmeer nach Europa gelangt. Dies sind deutlich weniger als die 520.000 Flüchtlinge, die in den ersten neun Monaten 2015 in die EU kamen, teilte das UN-Flüchtlingshochkommissariat UNHCR mit. Bisher starben demnach 3211 Flüchtlinge bei dem Versuch, über das Meer Europa zu erreichen. Im gesamten Jahr 2015 ertranken 3771 Flüchtlinge im Mittelmeer.

Die Ankünfte in Griechenland sind seit dem Flüchtlingdeal der EU mit der Türkei und dem Schließen der Balkanroute stark zurückgegangen. In Italien hingegen seien die Zahlen vergleichbar mit dem Vorjahr, sagte UNHCR. Dort befänden sich derzeit 160.000 Flüchtlinge und Migranten in Aufnahmelagern. 60.000 Menschen säßen auf den griechischen Inseln fest.

Brand in Moria zerstörte dutzende Unterkünfte

Erst am Montag war im Laufe von Zusammenstößen in einem Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Lesbos ein Camp in Brand geraten. Die Polizei verhaftete neun Lagerbewohner. Die Unruhen hatten zunächst offenbar durch einen Streit zwischen Afghanen und Afrikanern begonnen. Im von den Flammen verschonten Teil des Lagers Moria bildeten sich am Dienstag lange Schlangen vor der Essensausgabe. Aus den umliegenden Hügeln strömten Menschen, die am Vorabend vor den Flammen geflohen waren.

40 zusätzliche Bereitschaftspolizisten wurden am Dienstag nach Lesbos entsandt. Das Feuer hatte sich rasch ausgebreitet, nach Polizeiangaben gingen 60 Wohncontainer, 100 Zelte und drei Großcontainer mit Verwaltungseinrichtungen in Flammen auf. Die 5000 Bewohner des Lagers ergriffen die Flucht. Verletzt wurde niemand. Das Lager soll nach Regierungsangaben so schnell wie möglich wieder aufgebaut werden. Familien sollen solange in einem anderen Lager auf Lesbos untergebracht werden.

Moria gehört zu den größten Flüchtlingslagern in Griechenland. Schon in der Vergangenheit hatte es dort gebrannt, immer wieder gab es Zusammenstöße zwischen den Schutzsuchenden. Die Menschen sitzen in den Flüchtlingslagern fest, bis über ihre Aussichten auf Aufnahme in die EU entschieden wird.

Aufnahmelager heillos überfüllt

Die Gewalt und die Brandstiftung in Moria kämen "nicht überraschend", sagte Roland Schönbauer vom UNO-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR). Die auf den griechischen Ägäis-Inseln ausharrenden Flüchtlinge müssten rasch ans Festland gebracht werden. Menschenrechtsgruppen hatten in der Vergangenheit immer wieder die Zustände in den griechischen Aufnahmezentren kritisiert, besonders auf Lesbos und anderen Ägäis-Inseln. Das Lager Moria ist eigentlich für 3500 Bewohner ausgelegt, bis zu dem Brand lebten dort jedoch 5000 Menschen unter beengten Verhältnissen.

Das im März zwischen der EU und Ankara geschlossene Flüchtlingsabkommen sieht vor, dass die Türkei neu auf den griechischen Ägäis-Inseln ankommende Flüchtlinge zurücknimmt. Bisher wurden seither jedoch nur 502 Flüchtlinge in die Türkei zurückgeschickt, während tägliche weitere Menschen in Griechenland ankommen.

Um ihre Abschiebung zu verhindern, stellen nahezu alle Neuankömmlinge einen Asylantrag in Griechenland. Die griechischen Behörden sind mit der Bearbeitung der Anträge überfordert, in der Zwischenzeit sitzen die Flüchtlinge in den Lagern fest. Angesichts der zermürbenden Wartezeit steigen die Spannungen zwischen den Bewohnern der Lager.

In Moria leben statt 3500 gar 5000 Menschen.
In Moria leben statt 3500 gar 5000 Menschen.APA

Soros will 500 Mio. Dollar für Flüchtlinge spenden

Der US-Investor und Philanthrop George Soros kündigte an, 500 Millionen US-Dollar an Kapital bereitzustellen, die Flüchtlingen und anderen Migranten sowie ihren Gastgesellschaften zugutekommen sollen. "Ich werde in Start-ups, etablierte Firmen, soziale Initiativen und von Flüchtlingen und Migranten gegründete Unternehmen investieren", schrieb der Milliardär in einem Gastbeitrag im "Wall Street Journal".

Als Fokus für seine Investitionen nannte Soros in dem am Dienstag online gestellten Beitrag den Digitalsektor, der vertriebenen Menschen den Zugang zu Verwaltung, Rechtssystem, Finanzdienstleistungen und dem Gesundheitssektor erleichtern könne. Profite aus den Investitionen kämen Programmen der Open Society Foundation des Philanthropen zugute, die sich der Verbreitung von Demokratie und Marktwirtschaft verschrieben hat.

(APA/AFP)