Grillo, Gnarr und jetzt Düringer: Komiker in der Politik
Immer mehr Kabarettisten erobern das politische Parkett. Zu finden sind sie etwa in Kärnten, Island und Guatemala.
Der Kabarettist Roland Düringer hat eine neue Partei gegründet und plant damit den Antritt bei den kommenden Nationalratswahlen. Seine Vision: "Ich bin der Taxler. Die Partei ist das Taxi (...) und sie dürfen dann alle mitfahren, ich bring die Fuhr wohin, mehr kann ich nicht tun." Düringer ist allerdings nicht der erste Komiker, der in die Politik geht. Eine Auswahl.
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Der Italiener Beppe Grillo schaffte 2013 mit seiner populistischen Fünf-Sterne-Bewegung bei den Parlamentswahlen aus dem Stand 25 Prozent. Einen Namen gemacht hatte er sich schon vorher, als einer der bissigsten und beliebtesten Komiker Italiens. Soziale Kritik sowie Attacken gegen die Machtzentralen der Parteien und der Banken zählten zu seinen Stärken. Seine Protestbewegung richtet sich gegen die "Kaste der Parlamentarier" und die Verschwendung im politischen System. Grillo verdankt seinen Erfolg dem Internet - am liebsten hält er per Twitter Kontakt zu seinen Anhängern.
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In Kärnten hat sich der Grün-Politiker Rolf Holub einen Namen als Hypo-Aufdecker gemacht, in der Birnbacher-Affäre hatte er nicht locker gelassen. In die Politik ging er aber aus ganz anderen Gründen: 2002 sollte ihm für seinen "Kleinkunstdrachen" der Kulturpreis des Landes Kärnten verliehen werden. Laut Medienberichten strich ihn der damalige Kulturreferent Jörg Haider aber aus der Preisträgerliste, weil ihm sein Kabarett nicht gefallen hat. Holub engagierte sich daraufhin bei den Grünen, anfangs im Klagenfurter Gemeinderat, ab 2004 im Landtag.
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In Island, wo 2009 Finanzkrise und Korruptionsfälle das Land fast in die Staatspleite schlittern ließen, plante der Comedian Jon Gnarr für die Kommunalwahlen in der Hauptstadt Reykjavik mit "Die beste Partei" einen als Satire gemeinten Wahlkampf. Gnarr forderte unter anderem offene statt geheimer Korruption oder einen Eisbär für den Reykjaviker Zoo. 2010 erhielt Gnarr mit fast 35 Prozent die meisten Stimmen und war bis 2014 Bürgermeister Reykjaviks.
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Auch das Europaparlament blieb nicht von Scherzpolitikern verschont. Der Deutsche Martin Sonneborn, früher Chef der Satirezeitschrift "Titanic", war 2013 für die Satirepartei "Die Partei" ins EU-Parlament gewählt worden. In einem Interview sagte einmal, im Plenum "abwechselnd mit Ja und Nein" zu stimmen.
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Dass sich Kabarettisten und Satiriker auf die politische Bühne wagen, ist übrigens kein neues Phänomen. Schon 1980 wollte der französische Komödiant Coluche scherzhalber für das Präsidentenamt kandidieren. Als er fünf Monate für der Wahl in Umfragen bei 16 Prozent lag, zog er sich aber zurück.
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Auch in Übersee gab es immer wieder Komiker, die für politische Ämter kandidierten - von Hollywood-Schauspielern wie Ronald Reagan und Arnold Schwarzenegger, die das Genre ernsthaft wechselten, ganz zu schweigen. Allen voran der US-Präsidentschaftswahlkampf zog oft auch Satiriker an. 2012 etwa probierten Stephen Colbert und Roseanne Barr ihr Glück. Der Komiker Al Franken (Bild), Autor der US-Sketchshow "Saturday Night Live", wurde 2009 in Minnesota demokratischer Senator und 2014 sogar wiedergewählt.
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Es ist oft der Verdruss über die politischen Eliten, der prominenten Quereinsteigern und lautstarken Kritikern Aufwind verleiht, so auch in Guatemala. Dort hat im Vorjahr der TV-Komiker Jimmy Morales (Bild) von der nationalistischen Partei FCN die Stichwahl um das Präsidentenamt mit 69 Prozent der Stimmen gewonnen. Die Wahl stand unter dem Eindruck des Rücktritts und der anschließenden Festnahme des bisherigen Staatschefs Otto Perez wegen Korruptionsverdachts.
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