Von manchen Dingen besitzt man viel zu viele, aber hat sie nie zur Hand, wenn man sie braucht.
Von manchen Dingen besitzt man viel zu viele, aber hat sie nie zur Hand, wenn man sie braucht. Sackerln zum Beispiel. Schon die Oma hat sie geglättet und aufgehoben, weil wegwerfen kann man sie auf keinen Fall, zuallererst aus Umweltgründen, aber auch, weil sie sicher noch zu brauchen sind. Mittlerweile ist eine ganze Truhe voll mit Sackerln. Sehr voll.
Beim Einkaufen geht es sich dann wieder gerade eben nicht aus, mit zwei Armen und einer Handtasche. Und schon kommt ein neues Sackerl dazu. Nein, natürlich nicht nur aus Plastik, auch die Papier- und Jutesackerlsammlung ist mittlerweile recht beachtlich. Aber auch die braucht Platz. Die Jutesackerln dürfen im Kasten wohnen, die sind sehr praktisch. Zwanzig davon waren aber trotzdem nicht nötig. Sie sind dem schlechten Gewissen geschuldet, weil wer heute noch Plastiksackerln kauft...
Sagen Sie jetzt nicht, nun denken Sie halt mit, bevor Sie einkaufen gehen und stecken ein altes Sackerl ein, das kann doch nicht so schwierig sein. Stimmt. Theoretisch. Das würde man gern, das nimmt man sich vor, jedes Mal. Aber wer an alles denkt, schon in der Früh, der ist doch nie so „im Moment“, wie es überall heißt, wie man sein sollte. Er ist ungesund, dieser Modus, ist doch der ganze Tag nur ein Aneinanderreihen von „und dann muss ich noch und danach schnell zum...“. Das Im-Moment-Sein schließt doch definitiv aus, dass man am Abend noch das Jutesackerl in die Handtasche stopft.
Gleich nach den Sackerln kommen übrigens die Kugelschreiber. Beim letzten Mal Zählen fanden sich (in einem Haushalt) 158 funktionstüchtige Kulis, aber kein einziger ist jemals in Griffweite, wenn man unterwegs schnell eine Nummer aufschreiben oder einen Parkschein ausfüllen muss. Auch Schreibgeräte können definitiv nicht in den Müll geworfen werden, die sind ja nicht kaputt. Die überleben alles (werden ja nie verwendet), und als ich unlängst einen Kuli fand, auf dem „Schöps“ stand, da wusste ich, was unvergänglich heißt.
E-Mails an: friederike.leibl-buerger@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.09.2016)