Studie: Globaler Geldstrom drehte 2008 in Richtung Russland

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Heuer werden die weltweiten Investitionen um 30 Prozent sinken.

Wien (nst). Im Jahr 2007 wurde mit 1,97 Billionen Dollar (1,3 Billionen Euro) so viel Geld wie noch nie im Ausland investiert– dieser Höchststand dürfte in den kommenden Jahren nicht mehr erreicht werden. Denn bereits im abgelaufenen Jahr sank der Wert ausländischer Direktinvestitionen FDI (foreign direct investments) auf 1,7 Billionen Dollar.

Zu den Verlierern zählten 2008 klar die Industriestaaten, wenngleich sie den größten Anteil der globalen Investitionen mit 962 Milliarden Dollar (minus 29 Prozent) auf sich konzentrieren. Profitiert haben alle anderen Regionen der Welt – auch die Nationen Südosteuropas sowie jene der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS), wie es im World Investment Report (WIR) der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) heißt. Die Direktinvestitionen in die Staaten Südosteuropas (der Bericht weist hier nur Daten für Nicht-EU-Mitglieder aus) sowie die GUS-Länder wuchsen demnach zum achten Mal in Folge. 2008 flossen in diesen Teil der Welt 114 Milliarden Dollar (plus 26 Prozent) an ausländischen Geldern – so viel wie noch nie.

Während man in der ersten Jahreshälfte 2008 noch davon ausging, dass diese Länder die Finanzkrise weitgehend unbeschadet überstehen würden, wendete sich das Blatt zur Jahresmitte. Zahlen für das erste Quartal dieses Jahres zeigen bereits starke Rückgänge an FDI-Zuflüssen. Diese nahmen gegenüber dem Vergleichsquartal des Vorjahres um 46 Prozent auf 15,8 Milliarden Dollar ab.

Interessant ist, dass vor allem Russland mit 70 Milliarden Dollar (plus 27,7 Prozent) im vergangenen Jahr zu einem der größten Empfängerländer ausländischen Geldes avancierte. Grund dafür ist unter anderem der Wunsch internationaler Konzerne, sich den Zugang zu einem großen wie auch wachsenden Markt zu sichern. Besonders im Energie- und Autosektor und auch auf dem Immobilienmarkt wurden Zukäufe getätigt. Der Georgien-Konflikt sowie permanente Spannungen mit anderen Staaten verminderten indes die internationale Investitionsfreudigkeit. In den ersten drei Monaten dieses Jahres sanken die Geldflüsse nach Russland um 51 Prozent auf neun Milliarden Dollar. Die russischen Investitionen im Ausland nahmen im heurigen ersten Quartal indes nur leicht auf 12 Milliarden Euro (minus 18 Prozent) ab.

Russland teilte sich im Jahr 2008 mit Kasachstan und der Ukraine gut 84 Prozent der Gesamtinvestitionen in dieser Region. In Kasachstan sind die Erschließung von Öl-und Gasfeldern sowie geologische Aktivitäten im Bereich Gold, Zink und Kupfer der Hauptgrund für FDI-Zuflüsse in Höhe von 15 Milliarden Euro (plus 36 Prozent).

Österreich auf dem Vormarsch

Österreich investierte 2007 (aktuellere Daten gibt es nicht) 103 Milliarden Euro (plus 28 Prozent) im Ausland. Nahezu die Hälfte der Direktinvestitionen (51,1 Milliarden Euro) entfallen auf Mittel- und Osteuropa. Von 1998 bis 2007 hat Österreich 20 Milliarden Euro in Osteuropa verdient, wie Daten der Oesterreichischen Nationalbank zeigen. In Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Rumänien und Bulgarien ist Österreich der größte Investor.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.09.2009)

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