Schrumpfkur für den News-Verlag

ARCHIVBILD: INTERVIEW: HORST PIRKER (VORSTANDSCHEF DER VERLAGSGRUPPE NEWS)
(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)

Mehrheitseigentümer Horst Pirker will bis Jahresende 80 bis 100 der rund 500 Mitarbeiter abbauen, Büro-Etagen vermieten – und so zehn bis zwölf Millionen Euro sparen.

Im Juni noch wurde in so mancher Abteilung der Verlagsgruppe News mit Sekt angestoßen. Drei Monate später ist niemand mehr im News-Tower an der Taborstraße in Sektlaune. Die Neuigkeiten, die Verlagsgeschäftsführer Horst Pirker den Mitarbeitern von „News“, „Profil“, „Woman“ und den anderen neun Magazinen diesmal zu überbringen hatte, sind auch weitaus weniger erfreulich als jene im Juni. Dass der Manager damals 56 Prozent und damit die Mehrheit an der Verlagsgruppe News vom deutschen Verlagsriesen Gruner+Jahr übernahm, hatte zwar auch Fragen ausgelöst (Wieso macht er das? Mit welchem Geld?), letztlich aber Hoffnung gemacht. Weil Pirker öffentlich garantiert hatte, er wolle alle Magazintitel des Hauses sichern.

Drei Monate und einige Kassastürze später präsentierte Pirker Montagvormittag sein „Überlebensprogramm“ für den Verlag. Der hat 2014 und 2015 fünf Millionen Euro Verlust geschrieben, dazu kamen 2015 Rückstellungen in Höhe von vier bis fünf Millionen Euro. Auch 2016 ist mit einem Verlust zu rechnen – und jetzt fehlt der Großverlag im Rücken, der gelegentlich die leeren Kassen auffüllt. Der freie Fall habe sich zwar „nun stabilisiert“ (© Pirker zur APA), das Unternehmen müsse aber zukunftsfähig werden. Das heißt: Er will 2017 ein positives Ergebnis haben – und deshalb im kommenden Jahr zehn bis zwölf Millionen Euro einsparen, rund zehn Prozent der Kosten der gesamten Gruppe.

Das soll in erster Linie durch einen massiven Stellenabbau passieren: 80 bis 100 der insgesamt gut 500 Posten sollen bis Ende des Jahres abgebaut werden. Allerdings will Pirker nicht von einer Kündigungswelle sprechen, sondern sagt zur „Presse“: „Die Verhandlungen erfolgen, weil ja vorerst niemand gekündigt wird, zunächst individuell mit den betroffenen Mitarbeitern unter Einbindung des Betriebsrates. Der Betriebsrat wurde und wird über jeden einzelnen Schritt umfassend informiert.“

 

Am meisten sparen muss „News“

Die Kürzungen sollen zu 40 Prozent journalistische, zu 60 kaufmännische und andere Abteilungen betreffen. Und welches Magazin muss am stärksten sparen? „News“, sagt Pirker ohne Umschweife. Wie viel genau wollten weder er noch Chefredakteurin Eva Weissenberger am Montag sagen.

Das Beraterunternehmen Czipin hatte in den vergangenen Monaten das Verlagshaus genauer unter die Lupe genommen. Mit Methoden, die nicht wenige Mitarbeiter im Haus befremdlich fanden. So wurden Redakteure beim Recherchieren und Schreiben beobachtet. Die Berater sollen jedenfalls „Ineffizienzen zutage gefördert haben, die in einzelnen Bereichen des Hauses ungewöhnlich hoch sind, auch im Quervergleich mit anderen Unternehmen“. Das bestätigt, was Ex- wie Noch-Mitarbeiter des Verlagshauses schon lange sagen: Es gibt noch Rest-Speck in manchen Abteilungen, aber in den Redaktionen sei Kürzen kaum mehr möglich.

Pirker betont auch am Montag gegenüber Mitarbeitern und Medien: „Sparen allein ist zu wenig“. Er will zusätzlich die Geschäftsmodelle der zwölf Magazintitel neu strukturieren. Wie schon bei den Österreichischen Medientagen vergangene Woche, sprach er in dem Zusammenhang von „Ecosystemen“ und davon, dass die Magazinmarken stärker an Communities und neue Erlösquellen denken sollen.

Als Vorbilder nennt er das „Handelsblatt“ oder „Die Zeit“, die heute 20 bis 40 Prozent ihrer Einnahmen nicht mit der Zeitung, sondern mit Kongressen, Reisen oder Büchern erwirtschaften. Dazu gehört aber auch Punkt drei von Pirkers Zukunftskonzept, den er „die Rückeroberung der Relevanz“ nennt. Den Verlust dieser Relevanz sieht er bei Österreichs Printmedien generell. Chefredakteure oder Redakteure sollten sich fragen, ob das, was sie publizieren, einen Unterschied im Leben der Leser mache. Zusätzliches Geld hereinbekommen, nämlich 1,3 Millionen Euro pro Jahr, will Pirker auch durch die Vermietung leer stehender Etagen im News-Tower.

Noch immer unterkühlt ist das Verhältnis zum „Kurier“, der zu 25,3 Prozent an der Verlagsgruppe beteiligt ist und gern früher von Pirkers Übernahme der Mehrheit erfahren hätte. Immer wieder heißt es, das Zeitungshaus habe Interesse, das seit 2001 zur News-Gruppe gehörende „Profil“ zu übernehmen. Pirker ist aber gegen einen Verkauf, der „Kurier“ zu sehr mit sich selbst beschäftigt.

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